Gastgewerbe Gedankensplitter



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Mittwoch, Juli 09, 2008

Wer wird Millionaer als Einbuergerungstest.

Der geplante Einbürgerungstest wird heftig kritisiert und von vielen als zu schwer empfunden: "Zentralrat der Juden kritisiert Einbürgerungstest", in: Die Welt vom 9. Juli 2008.

Inhaltlich will ich mich nicht äußern. Der Einbürgerungstest ist bereits formal falsch konstruiert und deshalb leichter als es aussieht, wenn man sich nur die Fragen durch liest.

Von 33 gestellten Fragen müssen 17 richtig beantwortet werden. Auf den ersten Blick könnte man deshalb meinen, man müsse fast die Hälfte aller Antworten wissen. Doch dieser Eindruck täuscht. Tatsächlich genügt es, die richtigen Antworten auf 12 von 33 Fragen zu kennen. Wenn man bei den restlichen 21 Frage-Antwort-Kombinationen rät, hat mit mit einer Wahrscheinlich von mehr als 50 Prozent fünf richtige Antworten angekreuzt und somit den Test bestanden.

Hinzu kommt, daß man den Test bis zu dreimal in einem Jahr wiederholen darf. Nach einer Pause von einem halben Jahr darf man wiederum bis zu dreimal wiederholen und so weiter und so fort. Praktisch kann man den Test so oft wiederholen wie man will. Irgendwann kreuzt auch jemand, der überhaupt nichts weiß, zufällig ausreichend viele richtige Antworten an.

Wenn man mit einem Multiple-Choice-Verfahren wirklich Wissen testen will, muß man
  • falsche Antworten mit einem Punktabzug bestrafen
  • nicht nur eine richtige Antwort vorgeben, sondern auch Frage-Antwort-Kombinationen mit keiner oder mehreren richtigen Antworten. Denn wenn der Antwortende weiß, daß genau eine Antwort richtig ist, kann er die abstrusesten Antworten ausschließen und unter den restlichen Antworten chancenreich raten.
Zudem müßte man
  • die Zahl der erlaubten Wiederholungen des Tests begrenzen,
  • die Wartezeit zwischen den Wiederholungen verlängern
  • und/oder die Anzahl der richtigen Antworten, die man benötigt, um den Test zu bestehen, bei jeder Wiederholung erhöhen.
So würde man der Strategie begegnen, den Test ohne ausreichendes Wissen und ohne Vorbereitung zu wagen.

So wie der Einbürgerungstest geplant ist, hat er drei nicht ausgewiesene Funktionen:
  • den deutschen Wählern weis zu machen, es sei schwer, die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben. Praktisch kann den Test jeder bestehen, der nicht zu dumm ist, Unverstandenes auswendig zu lernen.
  • eine Arbeitsbeschaffungsmanßnahme für die Weiterbildungsbranche, die Kurse anbietet, in denen ähnlich wie bei der theoretischen Führerscheinprüfung die richtigen Antworten auf alle der insgesamt über 500 Fragen auswendig gelernt werden.
  • ein Sprachtest. Die eigentliche Schwierigkeit für Menschen nicht deutscher Muttersprache besteht darin, das politische und rechtliche Fachchinesisch der Fragen-Antwort-Kombinationen zu versehen.