Gastgewerbe Gedankensplitter



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Mittwoch, August 06, 2008

BRAU Beviale 2008: Getraenkemarkt im Wandel.

Die BRAU Beviale 2008, das Branchenfest der europäischen Getränkewirtschaft, lädt vom 12. bis 14. November wieder ins Messezentrum Nürnberg ein. Ihre Teilnahme zugesagt haben gut 1.400 Aussteller von Getränke-Rohstoffen, Technologien, Logistik und Vermarktungsideen. Auf der Nachfrageseite erwartet die in diesem Jahr bedeutendste Investitionsgütermesse der Branche rund 34.000 potenzielle Kunden.

Energie- und IT-Themenpavillons vermitteln Lösungsansätze

Diese sollten einen Besuch der beiden Themenpavillons unbedingt einplanen. "Energie & Wasser" erlebte 2007 seine Premiere und ist aufgrund ständig steigender Preise, regionaler Auflagen und Klima-Schutz-Gesetzen 2008 aktueller denn je. Auf Ausstellerseite stößt die eindrucksvolle Präsentation in Halle 7A – von der NürnbergMesse in Kooperation mit dem Competence Pool Weihenstephan (CPW) der Technischen Universität München organisiert – auf hervorragende Resonanz. Mehr als verdoppelt hat sich die Ausstellungsfläche. Auf ca. 1.000 m2 zeigen 25 Unternehmen Produkte und Dienstleistungen zur Optimierung des betrieblichen Energie- und Wassermanagements. Das Themenspektrum reicht dabei vom Energieeinkauf über Nutzung regenerativer Energien, rationellen Energieeinsatz, Emissionshandel, Wassergewinnung und -aufbereitung bis zur wissenschaftlichen Projektbegleitung und Beratung über Förderprogramme. Im Fachforum ebenfalls in Halle 7A diskutieren Anbieter ihre Lösungsvorschläge mit potenziellen Anwendern.

Mit moderner Informations- und Telekommunikationstechnologie Geschäftsabläufe in der Getränkewirtschaft erleichtern – diesem Ziel haben sich die Organisatoren des Themenpavillons IT@Beverage Industry, NürnbergMesse und Forschungsinstitut für Management und Getränkelogistik der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei Berlin (VLB), verschrieben. In Halle 9 präsentieren auf ca. 600 m2 15 Unternehmen Softwarelösungen, Mobile Solutions, Online Services, Outsourcing von IT-Dienstleistungen, RFID, IT-Security und mehr. Auch hier bietet ein Fachforum die Möglichkeit zum Meinungsaustausch.

Bei den Besuchsgründen der BRAU Beviale stehen die Vorbereitung von Investitionsentscheidungen, Marktorientierung, Information über Neuheiten oder Pflege von Geschäftskontakten ganz oben an. Aber Messeevents wie der BRAU Beviale Abend, die Verleihung des European Beer Star Award oder die zahlreichen abendlichen Einladungen der ausstellenden Unternehmen sind perfekte Foren, um Zukunftsszenarien des europäischen Konsumentenverhaltens zu diskutieren.

Was werden die Europäer im Jahr 2015 trinken?

Von Stockholm bis Athen sind die LOHAS (Lifestyle Of Health And Sustainability) dann in großer Anzahl bereit, für Marken mit Ethik einen Premiumzuschlag zu zahlen oder wurden sie längst zu Schnäppchenjägern wider Willen, weil das schwindende verfügbare Einkommen die Zahl auf dem Preisschildchen zum wichtigsten Kaufkriterium werden ließ? Soziokulturelle, politische, ökonomische, technische aber auch ökologische Aspekte fließen in die verschiedenen Szenarien ein, die sich europäische Institutionen von der Zukunft des Getränkemarktes machen. Schließlich ist die europäische Getränkeindustrie ein bedeutender Jobmotor. Ob sie sich ihre Wettbewerbsfähigkeit auch künftig erhalten kann, hängt unter anderem davon ab, wie sie auf die Herausforderungen einer sich verändernden Nachfrage reagiert.

Wichtiger Wirtschaftsfaktor: europäische Getränkeindustrie

Die verarbeitende Industrie der Europäischen Union (EU) ist ein wichtiger eigenständiger Wirtschaftszweig, auf den rund ein Fünftel der EU-Produktion und etwa 34 Mio. Arbeitsplätze entfallen. Die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie, die der verarbeitenden Industrie zugerechnet wird, erwirtschaftete 2006 rund 2 % des europäischen Bruttosozialprodukts. Das klingt nicht nach viel, außer man weiß: Der Gesamtumsatz dieses Sektors betrug 2006 etwa 870 Mrd. EUR und mit 4,3 Mio. Arbeitsplätzen ist die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie größter Arbeitgeber der verarbeitenden Industrie.

Als Folge von Globalisierung und Konsolidierung musste sie in den vergangenen Jahren viele Arbeitsplätze streichen. Trotzdem braucht die Getränke-, insbesondere die Alkoholindustrie, ihr Licht nicht unter den Scheffel zu stellen, wenn es um die Zahl von Arbeitsplätzen geht: Die Spirituosenindustrie beschäftigt 50.000 Menschen direkt und circa 250.000 indirekt. Die Brauwirtschaft kann mit noch eindrucksvolleren Zahlen aufwarten: Die 3.000 Brauereien Europas bieten 164.000 Menschen Arbeit. Darüber hinaus verschaffen sie 2,6 Mio. Menschen indirekt eine Anstellung. Dies entspricht in etwa der Volkswirtschaft Finnlands, Dänemarks oder der Slowakei (International Center for Alcohol Policies, 2006). Man geht davon aus, dass von jedem Job in der Brauwirtschaft ein Job im Handel, zwei in der Zulieferindustrie und fast zwölf in der Gastronomie abhängig sind. Getränkefachgroßhandel, Handel und Gastronomie profitieren am stärksten von der Wirtschaftskraft der Brauindustrie. Addiert man 3.000 Arbeitsplätze in Werbeagenturen, 38.000 in der Verpackungsindustrie (Flaschen, Dosen, Kartonagen), 15.000 im Maschinenbau sowie 145.000 in der Landwirtschaft hinzu, dann ergibt das gut 3 Mio. Jobs bzw. 2 % aller zivilen Arbeitsplätze in der EU, die der Brau- und Spirituosenindustrie geschuldet sind.

Produktneuentwicklungen für eine gesunde Ernährung

Dabei werden Brau- wie auch Nahrungsmittelindustrie nach wie vor von so genannten KMUs (kleine und mittlere Unternehmung) dominiert. Dies bereitet vor allem der Europäischen Kommission Sorgen. Hier stellt man sich die Frage, wie diese Unternehmen notwendige Investitionen für Produktneuentwicklungen aufbringen können, um dem Wandel, ausgelöst etwa durch Demographie (Alterung der Gesellschaft, Migration), Erkrankungen (Allergien, ernährungsbedingte Krankheiten, Fettleibigkeit), Lifestyle und Wettbewerb zu begegnen (European Commission, Perspectives for Food 2030). Ganz zu schweigen von der in der Lissabon-Strategie (2000) formulierten ehrgeizigen Zielvorgabe, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung bis 2010 auf 3 % des Bruttoinlandsprodukts der EU ansteigen zu lassen, wobei 2/3 von den Unternehmen und 1/3 durch die öffentliche Hand getragen werden sollen. Dieses Ziel hat die EU bislang verfehlt.

Langfristiges Ziel der Getränkeindustrie und der Brauwirtschaft wird sein, Produkte mit Hilfe der Wissenschaft und Technologie entsprechend zu konzipieren, um jeden gewünschten Gesundheits-Claim "Verringert das .. Risiko" bzw. "Unterstützt die .. Funktion" auf die Verpackung drucken zu können. Schon heute blickt alles auf den asiatischen Markt, wo die Erforschung bio-aktiver Ingredienzien asiatischer Pflanzen, die sich in chinesischen und japanischen Getränken befinden, forciert wird. Global operierende Unternehmen mit – in jeder Hinsicht – wohl ausgestatteten Forschungs- und Entwicklungsabteilungen haben diesbezüglich sicherlich einen strategischen Vorteil gegenüber den KMUs der Branche. Die wiederum können sich erfolgreich wehren, wenn sie sich frühzeitig um Partnerschaften mit privaten Kapitalgebern und Forschungslabors bemühen.

"Gegessen und getrunken wird immer" - aber wie viel?

Vorsichtige Marktforscher scheuen den Blick in die Kristallkugel. Lieber beschäftigen sie sich mit der gegenwärtigen Lage auf dem europäischen Getränkemarkt. Aber die ist alles andere als übersichtlich. Noch ist nämlich nicht absehbar, wie sich vor dem Hintergrund massiver Preissteigerungen bei allen wichtigen Agrarrohstoffen der Konsum von Getränken in Europa mittelfristig entwickeln wird. "Gegessen und getrunken wird immer", lautet ein altes Sprichwort. Die Frage ist nur: wie viel? Schon seit Wochen können die europäischen Konsumenten mitverfolgen, wie sich Lebensmittel und Getränke verteuert haben. Angesichts gestiegener Preise von über 90 % bei den wichtigsten Agrarrohstoffen in den vergangenen zwei Jahren (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO, April 2008), können die Verbraucher von Glück reden, dass die Verteuerung für sie mit solch deutlicher Verspätung einsetzte. Aufgrund intensiven Wettbewerbs haben es zahlreiche Hersteller offenbar nicht gewagt, die explodierenden Preise für Rohstoffe und Energie sofort an die Verbraucher weiterzugeben.

Sicher ist heute eines: Die Ausgaben der europäischen Verbraucher für Lebensmittel und Getränke werden nicht auf dem bisherigen Niveau verharren können. 2004 gaben die Haushalte Westeuropas im Durchschnitt zwischen 10 und 20 % für Lebensmittel und alkoholische Gertränke aus (Economic Research Service ERS des United States Department of Agriculture). Dieser Wert gilt für industrialisierte Staaten als „normal“. Der amerikanische Durchschnittshaushalt gab nur 7 % für sein leibliches Wohl aus. Diese Zahlen beziehen sich einzig auf den Konsum in den eigenen vier Wänden. Wenn also US-Amerikaner vergleichsweise preiswert essen und trinken, liegt das daran, dass ihre Besuche in Restaurants, Hamburger Bars und Coffee Shops in diese Statistik nicht eingingen. Außerdem sind viele Lebensmittel in Europa aufgrund höherer Steuern, Abgaben und Löhne teurer als in den USA.

Bedingt durch ein im Vergleich zu den USA relativ niedrigeres Bruttosozialprodukt (BSP) zahlen Verbraucher in Ländern wie Griechenland (23 %), Italien oder Großbritannien (beide 17 %) und Deutschland (15 %) prozentual mehr für Lebensmittel und Getränke im Supermarkt. Noch deutlicher wird dies in den Ländern Mittelosteuropas, deren Haushaltsausgaben für Lebensmittel und Getränke um die 20 % betragen, im Baltikum und Russland sogar deutlich darüber: Estland 21 %, Litauen 28 %, Lettland 24 % und Russland 37 % (ERS). Damit befinden sie sich zwar nicht in einer extrem kritischen Lage wie momentan die meisten Entwicklungsländer, in denen Haushalte zwischen 60 und 80 % für Lebensmittel und Getränke ausgeben. Aber Einschränkungen beim Konsum sowie Substitutionskäufe können sich bis Jahresende in den Bilanzen der Getränkehersteller noch negativ bemerkbar machen.

Was, wie viel und zu welchem Preis der europäische Verbraucher langfristig konsumieren wird, darüber entscheidet die künftige wirtschaftliche Entwicklung in der EU nach Beendigung der US-Kreditkrise. Unabhängig davon werden sich die Grenzen zwischen Getränken, Nahrungsmitteln und Heilmitteln verwischen, nicht zuletzt aufgrund des steigenden Drucks von Gesetzgeber und Versicherungen auf Verbraucher und Industrie, ernährungsbedingten Erkrankungen nicht länger Vorschub zu leisten. In welchem Maße aber der Konsum von alkoholischen Getränken eingeschränkt wird und im Gegenzug Getränke mit Zusatznutzen zu einem Mainstream-Product werden, hängt letztendlich von der Entscheidung der Konsumenten ab, die sie aus ökonomischen und psychologischen Erwägungen heraus treffen werden.

(Quelle: Pressemitteilung der NürnbergMesse GmbH).

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