Gastgewerbe Gedankensplitter



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Sonntag, September 14, 2008

Alkoholpraevention.

Auf seiner Sitzung am 9. Juni 2008 hat der Drogen- und Suchtrat einstimmig Empfehlungen für nationale Aktionsprogramme zur Alkohol- und zur Tabakprävention beschlossen. Diese "Empfehlungen für ein Nationales Aktionsprogramm Alkohol Acrobat-Datei" (PDF), auch bekannt geworden als "Strategiepapier für ein nationales Aktionsprogramm zur Alkoholprävention", sorgen weiter für Empörung. Einige Stellungnahmen:Aus der Sicht der Gastronomie bieten die vorgeschlagenen Maßnahmen - je nach ihrer konkreten Ausgestaltung - nicht nur Risiken, sondern auch Chancen:
  • Problematisch ist die zu Tage tretende Tendenz zur Verteufelung von Alkhohol im Sinne einer "Totalitären Gesundheitskontrolle".
  • Andererseits können sich Beschränkungen von Wettbewerbern positiv für die Gastronomie auswirken. Wenn Produzenten und Distributeure alkoholischer Produkte z.B. kein Geld mehr für Sport- und Kultursponsoring ausgeben dürfen, werden sie vielleicht am Point of Sale investieren, also in den Verkaufsstellen des Getränkefacheinzelhandels, des Einzelhandels und vor allem in der Gastronomie. Siehe dazu auch meinen früheren Beitrag "Werbeverbot für Alkohol".
Die von den Initiatoren angestrebten Erfolge bei der Alkoholprävention werden nicht erreicht:
  • Werbeverbote wirken wie Markteintrittsbarrieren. Sie stabilisieren Marktanteile. Neue Produkte und Anbieter haben es schwer, sich durchzusetzen.
  • Werbeverbote führen zu steigenden Profiten der Marktführer, weil sie kein Geld mehr ausgeben müssen, um ihre hohen Marktanteile zu halten. Jägermeister kann sich 2 Euro Werbung pro Flasche sparen, ohne weniger zu verkaufen.
  • Die in den Ländern mit Werbeverboten etablierten Anbieter können sich dank ihrer hohen Profite auch in den Ländern ohne Werbeverbote durchsetzen. Deutlich ist dies bei Tabakwaren zu ziehen: Die Zigarettenindustrie freut sich über Werbeverbote in den Industrieländern und nutzt ihre dadurch steigenden Profite zur Eroberung der Märkte in Asien und Osteuropa.
Amüsiert habe ich mich im "Nationalen Aktionsprogramm" über folgende Passage (Hervorhebungen von mir):
"Durch das 'Apfelsaftgesetz' wurde im Jahre 2002 festglegt, daß in jeder Lokalität 'mindestens ein alkoholfreies Getränk nicht teuerer zu verbareichen (ist) als das billigste alkoholische Getränk' (GastG§ 6) auch im Verhältnis zur Menge. Es gibt seitdem keinen finanziellen Grund mehr, ein alkoholisches Getränk mehr einem nichtalkoholischen vorzuziehen. Allerdings ist festzustellen, daß das preisgünstigste nichtalkoholische Getränk nicht selten ein unattraktives Getränk ist, so daß ein anderer Grund für die Wahl eines alkoholischen Getränks besteht. Auch wird die gesetzliche Regelung nicht immer eingehalten. Maßnahmen zur Überprüfung der Einhaltung des Gesetzes sind jedoch selten.

Ein wichtiges Signal für den Jugendschutz wurde im Jahre 2004 gesetzt. Durch eine Steuererhöhung auf spirituosenhaltige Mixgetränke konnte der Alcopopkonsum bei Jugendlichen eingedämmt und die durchschnittliche Konsummenge an spirituosenhaltigen Alcopops pro Kopf deutlich reduziert werden. Da sich die jugendlichen Konsumenten und Konsumentinnen jedoch anderen alkoholischen Getränken zuwandten, kam es schließlich wieder zu einem Anstieg der Konsummengen und auch zu vermehrten Alkoholintoxikationen durch den Konsum hochprozentiger Alkohoika."
Daß das "Apfelsaftgesetz" und die Alcopopsteuer unsinnige Maßnahmen gewesen sind, habe ich vorher gesagt. Siehe dazu:Doch statt sich an die eigene Nase zu fassen und sich zu fragen, warum man immer wieder dumme Lösungen vorschlägt, die absehbar in die Irre führen, schlägt der Drogen- und Suchtrat neuen Unsinn vor. Der Drogen- und Suchtrat sollte die bislang von ihm vorgeschlagenen und durchgesetzten Maßnahmen evaluieren, vorschlagen, erfolglose Maßnahmen (wie das "Apfelsaftgesetz" und die Alcopopsteuer) rückgängig zu machen, und sich zu guter Letzt selbst auflösen.

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