Gastgewerbe Gedankensplitter



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Freitag, Oktober 10, 2008

Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf das Gastgewerbe.

Welche Auswirkungen wird die Wirtschaftskrise auf das Gastgewerbe haben? Genaues weiß man (noch) nicht. Dafür ist zu wenig absehbar, wie die aktuelle Wirtschaftskrise verlaufen wird. Veränderte Rahmenbedingungen erfordern sicherlich Anpassungen und verursachen Anpassungskosten. Zugleich bieten sich aber auch Chancen für alle, die schneller und nachhaltiger auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren oder deren aktuelles Konzept ohnehin davon profitiert.

Von der Wirtschaftskrise sind direkt eher konjunktursensible und exportorientierte Branchen betroffen, weniger das Gastgewerbe. Die direkten Auswirkungen auf das Gastgewerbe ergeben sich aus der abnehmenden Bereitschaft der Banken, Existenzgründungen und Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen zu finanzieren und bei Liquditätskrisen gastgewerblicher Unternehmen still zu halten. Siehe dazu auch: "Was bedeutet die Finanzkrise für Existenzgründer und Unternehmer bei der Kreditversorgung?" von Joachim Brüser, in: Akademie.de vom 10. Oktober 2008, und "Folgen der Finanzkrise: McDonald's fehlt Geld für Kaffeemaschinen", in: t-online.de vom 25. September 2008.

Anhand der Liste von Maßnahmen, die von großen Unternehmen wie der Softwarefirma SAP und dem Chemieunternehmen Henkel und weiteren Großunternehmen veröffentlicht worden sind (siehe z.B. "SAP-Mitarbeiter sollen auf Urlaub verzichten", in: Handelsblatt vom 10. Oktober 2008), möchte ich exemplarisch zeigen, daß indirekt weit mehr Gastronomen und Hoteliers betroffen sind als viele meinen.

Geplant sind verschiedene Kostensenkungsmaßnahmen:
  • ein Einstellungsstop. Auch wenn die Teilarbeitsmärkte der Mitarbeiter der von der Wirtschaftskrise besonders betroffenen Branchen und des Gastgewerbes sich nicht überlappen, führt die zunehmende Arbeitslosigkeit in diesen anderen Branchen zu einer Verringerung der Nachfrage nach gastgewerblichen Produkten und Dienstleistungen. Andererseits wird sich der Arbeitsmarkt für das Gastgewerbe entspannen. Polemisch formuliert: Manch ein Banker taugt mit seinen guten Manieren durchaus als Nachtportier oder Bartheker - zumindest nach einer Einarbeitung.

  • Die Mitarbeiter sollen freiwillig auf Urlaubstage verzichten. Auf alle Fälle werden die Übernachtungszahlen im Urlaub sinken. Möglicherweise werden die verbleibenden Urlaubstage eher für Urlaub im Inland genutzt, um nicht zu viel Zeit auf Reisewegen zu verbringen. Es kann aber auch sein, daß die betroffenen Mitarbeiter auf den Zweiturlaub, verlängerte Wochenenden usw. verzichten, also Kurzurlaube, die häufig im Inland verbracht werden.

  • alle Aktivitäten verschieben, die keinen unmittelbaren Erträge versprechen, so interne Weiterbildungsprogramme, wie Reisen ohne Kundenbesuche, Weihnachtsessen oder Beratungsausgaben.

    Massive Auswirkungen könnte dies für das klassische Weihnachtsgeschäft in Restaurants haben. Anders sehen dies (noch) einige befragten Gastronomen in Österreich: "Finanzkrise in Österreich? 'Reiche gibt es immer'", in: Die Presse vom 7. Oktober 2008. Zu befürchten ist, daß auch Unternehmen, denen es (noch) gut geht, ihre Ausgaben für Betriebsfeiern und Weihnachtsessen kürzen, um symbolisch deutlich zu machen, daß in Zukunft sparen angesagt sein wird. Chancen bieten sich allen Gastronomen, die (niedrige) Festpreise für Weihnachtsessen anbieten, oder Caterer, die Kosten sparen helfen, indem sie Weihnachtsessen in Betriebsräumen des Kunden anbieten.

    Negativ betroffen sind Übernachtungsbetriebe, die von Geschäftsreisenden profitieren, je teurer umso mehr. Neue Chancen bieten sich Anbietern preisgünstiger Übernachtungen, z.B. Hostels, die bislang kaum von Geschäftsreisenden akzeptiert worden sind. Siehe dazu auch einen älteren Artikel (aus dem Jahre 2002, also während der lokalen Krise New Yorks nach dem Terror vom 11. September 2001.): "Manhattan Leads a Surge in Lower-Cost Hotels", in: New York Times vom 8. Oktober 2002
Auch die gastgewerblichen Unternehmen, denen es gelingt, Chancen in der Krise zu nutzen, werden kaum umhin kommen, Kosten zu senken. Tipps dazu finden Sie in meinem früheren Beitrag "Turn-Around-Management in der Gastronomie".

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