Gastgewerbe Gedankensplitter



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Freitag, Oktober 03, 2008

Das Rauchverbot und der Untergang der Abendlandes.

Das folgende Zitat
"Im bayerischen Wahlkampf waren die wesentlichen Gesichtspunkte die Pendlerpauschale und das Rauchverbot in den Kneipen. Wenn das das ist, was die Deutschen am meisten interessiert, dann sind wir wirklich vom Untergang des Abendlandes noch weit entfernt."
habe ich in einem Interview des Deutschlandfunks mit Prof. Dr. Edgar Wolfrum, Professor für Zeitgeschichte am Historischen Seminar der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, gefunden: "Wir haben zum ersten Mal eine demokratische Revolution in Deutschland" vom 3. Oktober 2008.

Interessanter als die Feststellung, daß das Thema "Rauchverbot" objektiv eher unwichtig ist, ist die Frage, warum dieses Thema überhaupt so bedeutungsvoll für die Wahlentscheidung werden konnte (die Pendlerpauschale hat bei der Wahlentscheidung - so mein Eindruck - keine Rolle gespielt. Den Wählern war klar, daß der Landtag darüber keine Entscheidungskompetenz hat und die CSU damit nur ablenken wollte). Meines Erachtens müssen mehrere Bedingungen zusammenkommen, damit eine politische Frage wahlwirksam wird:
  • Wie viele Menschen sind betroffen?. Die meisten politischen Probleme betreffen nur kleine Gruppen der Bevölkerung akut. Der durch einen Flughafenausbau oder den Transrapid vermehrte Lärm belästigt in Flächenländern nur einen kleinen Teil des Wahlvolks und führt nur zu kleinräumigen Änderungen im Wahlverhalten. Der Konflikt um die Organisation der Verkürzung der gymnasialen Schulbildung auf acht Jahre interessiert nur solche Eltern, deren Kinder gerade auf dem Gymnasium sind, die Schüler und die Gymnasiallehrer. Ob man in der Gastronomie rauchen darf oder nicht, betrifft hingegen alle Menschen, die mehr oder weniger häufig Gaststätten besuchen. Und sie werden bei jedem Gaststättenbesuch erneut damit konfrontiert.
  • Sind die Betroffenen organisiert, haben sie Kontakt miteinander? Von zukünftigem Lärm betroffene Anwohner oder Eltern von Gymnasiasten sind - von Elternverbänden abgesehen - nicht organisiert und müssen Treffen erst verabreden. Raucher und Nichtraucher in der Gastronomie kommen ständig miteinander ins Gespräch. Gastronomie ist - auch historisch gesehen - ein Ort, wo man auch über politische Fragen diskutiert.
  • Sind sie konfliktfähig? Im Unterschied zu Lehrern, die sich als Beamte zurückhalten müssen oder häufig zu feige sind, offen gegen die Kultusbürokratie zu rebellieren, brauchen Gastronomen kein Blatt vor den Mund zu nehmen und können auf die Politiker, die ihnen Ärger machen, eindreschen. Gastronomen sind zwar überregional eher schlecht untereinander vernetzt, aber das Internet hat den Informationsaustausch über individuelle, aber auch regional organisierte Widerstandsformen beflügelt, auch über die Grenzen der Bundesländer hinweg, und häufig verhindert, daß der eher isolierte, in seiner täglichen Arbeit aufgehende Gastronom frustriert klein beigibt.

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