Gastgewerbe Gedankensplitter



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Dienstag, Oktober 14, 2008

Gastwirte beim Panschen von Markenspirituosen erwischt.

"Kontrolleure erwischen Wirte beim Panschen von Markenschnaps", in: Die Welt vom 14. Oktober 2008. Dieser Artikel basiert auf einer Meldung der Getränke Zeitung, auf deren Website ich diese Meldung aber nicht gefunden habe.

Kontrollen der staatlichen Lebensmittelüberwachung in Baden-Württemberg, hätten ergeben, daß jede dritte Gaststätte beim Ausschank von Markenspirituosen schummeln würde. Statt der auf der Karte ausgewiesene Markenspirituosen würden No-Name-Produkte ausgeschenkt. Bacardi habe selbst rund 100 Gaststätten kontrolliert.

Aus dem Jahresbericht 2001 ("Nachgemachte Spirituosen: Den Fälschern auf der Spur?") des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Karlsruhe:
"Als Beispiele für gefälschte Produkte seien weiterhin weißer Rum einer hochwertigen Marke wegen Verdachts auf 'Panscherei' und Verdünnung oder mit einer Discount-Marke gestreckter hochwertiger Wodka genannt...

Mit dem zur Verfügung stehenden Analysenspektrum kann dem Markenbetrug jedoch einfach auf die Schliche gekommen werden. Bereits ein einfaches physikalisches Messverfahren, eine Leitfähigkeitsmessung, erlaubt in vielen Fällen eine eindeutige Unterscheidung zwischen echter Marke und gefälschtem Produkt. Die Unterscheidungsmöglichkeit beruht darauf, dass Spirituosen aus hochprozentigen Destillaten hergestellt und mit Wasser auf Trinkstärke verdünnt werden. Je nach Ionengehalt des verwendeten Wassers und markenspezifischen Zusätzen sind charakteristische Unterschiede in der Leitfähigkeit festzustellen.

Sehr vorteilhaft ist die Leitfähigkeitsmessung insbesondere bei extraktfreien Spirituosen wie Wodka und weißem Rum anzuwenden. Eine Absicherung der Befunde kann durch die Bestimmung von Anionen mittels Ionenchromatografie erfolgen. Eine weitere Möglichkeit ist, durch das gaschromatografisch bestimmte Profil der Gärungsbegleitstoffe eine Übereinstimmung mit der Markenware zu prüfen.

Bei einem positiven Nachweis eines solchen Markenbetrugs wurden die Aufmachung und Kennzeichnung der Probe sowie die Angabe der Marke oder der Verkehrsbezeichnung in der Getränkekarte als irreführend beurteilt."
Meine Meinung dazu:
  • Vorrangige Aufgabe der Lebensmittelüberwachung ist es, zu kontrollieren, ob gesundheitlich bedenkliche oder eklige Speisen und Getränke ausgegeben werden. Wenn mal wieder Tausende Tonnen von Gammelfleisch übersehen werden, wird dies gerne mit der hohen Arbeitsbelastung zu rechtfertigen versucht. Warum hat man nun Zeit für solchen Kleinkram? Warum macht man sich zum Werkzeug der Markenspirituosenindustrie?
  • Viele Markenspirituosenanbieter haben in den letzten Jahren den Außendienst für die Betreuung der Gastronomie massiv abgebaut. Für Kontrollen, auf welcher Rechtsgrundlage auch immer, ist jetzt Geld da?
  • Natürlich ist es keineswegs zu billigen, wenn - wie das Chemische Untersuchungsamt Karlsruhe festgestellt hat, teilweise systematisch billige Getränke in teure Flaschen gefüllt worden sind. Das ist Betrug am Gast. Etwas anderes ist, wenn Gastronomen aus Kostengründen, evtl. aber auch, weil sie sauer sind, wenn sie von Markenspitituosenanbietern bespitzelt werden, Markenspirituosen auslisten und sie durch gleich gute oder gar bessere, weniger bekannte Marken oder No-Name-Spirituosen ersetzen und dies auch in ihrer Getränkekarte ausweisen.
Siehe dazu auch: "Ein Barkeeper reflektiert über Rum", in: ciao.de vom 26. Januar 2001.

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