Gastgewerbe Gedankensplitter



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Freitag, Oktober 03, 2008

Mehr oder weniger prickelnd.

Die Verrücktheit unseres Steuersystems läßt sich deutlich belegen anhand der Schaumweinsteuer, volkstümlich gerne auch Sektsteuer genannt. Ich meine hier gar nicht einmal die Tatsache, daß sie 1902 eingeführt worden ist mit der Begründung, man müsse die kaiserliche Kriegsmarine und den Kaiser-Wilhelm-Kanal finanzieren, und heute noch erhoben wird. Die Schaumweinsteuer, wie auch später die Alcopopsteuer, diskriminiert ein willkürlich herausgegriffenes, spezielles alkoholisches Getränk unsystematisch, nicht zuletzt weil sich die Politik scheut, eine allgemeine Alkoholsteuer einzuführen, die diskriminierungsfrei Bier, Wein und andere alkoholische Getränke einheitlich besteuert (genauer gesagt den enthaltenen Alkohol). Spezielle Steuern führen aber zu volkswirtschaftlichen Schäden, weil die Verbraucher dazu verleitet werden, sich nicht anhand der wirklichen Kosten (vor Steuern) zu entscheiden, vielmehr besteuerte Produkte eher meiden. Dies ist auch gesundheitspolitisch bedenklich, weil etwa das vergleichsweise alkoholarme Bier mit der Biersteuer belegt, der vergleichsweise alkoholreiche Wein aber steuerfrei bleibt.

Mikroökonomisch schadet die Sektsteuer den Herstellern, Importeuren und Distributoren und verschafft Substituten wie Perlwein einen Wettbewerbsvorteil. Deshalb wird eine Sektsteuer in Österreich gescheiterweise nicht mehr erhoben. Siehe dazu: "Schaumweinsteuer wird abgeschafft" vom 21. Mai 2005.

Da sich unsere deutschen Politiker nicht dazu aufraffen können, dem österreichischen Beispiel zu folgen, wird jetzt die Justiz belästigt. Perlwein prickelt weniger als Sekt. Deshalb sind Anbieter von Perlwein auf die nahe liegende Idee gekommen, den Wein mit ein wenig mehr Kohlensäure aufzupeppen. Dummerweise wird dann Sektsteuer fällig, aber nicht selten "vergessen" abzuführen: Perlwein, der so richtig prickelt" von Volker Mrasek, in: Spiegel vom 3. Oktober 2008. Wer kommt schon auf die Idee, daß ein wenig Kohlensäure mehr aus einem minderwertigen Produkt ein Luxusgut macht, das als Konsumgut der "Reichen" mit der Schaumweinsteuer zu bestrafen ist?

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