Gastgewerbe Gedankensplitter



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Samstag, Oktober 11, 2008

Mein Restaurant: Rueckblick auf die erste Sendung.

Auf die Event-Doku "Mein Restaurant", die gestern bei VOX gestartet ist, habe ich Sie hingewiesen: "Mein Restaurant". Ich habe sie mir natürlich angesehen und bin ähnlich begeistert wie Peer Schaden in seiner Kritik "In acht Wochen gibt's die erste Suppe", in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 11. Oktober 2008. Mal vom Thema abgesehen, gefällt mir auch die Art und Weise, in der die Zuschauer eingebunden werden, weil ich Vergleichbares auch Gründern empfehlen, wenn auch per Website / Blog (siehe dazu: "User entscheiden über Getränkekarte"):
"Eine schöne Idee ist, dass die Zuschauer schon während der Show eingebunden werden: Online suchen die Teams Personal für ihre Lokale - Vorstellungstermin ist nächste Woche. Spitze!"
Ein interessanter Aspekt ist für mich auch, daß unter den Mitspielern wie auch bei wirklichen Existenzgründungen in der Gastronomie Menschen mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen zu finden sind:
  • ein gelernter und zudem guter Koch
  • semiprofessionelle Bartender
  • Kaufleute
  • branchenfremde Seiteneinsteiger
In dieser Sendung findet man insoweit auch nicht repräsentative Antworten auf die alte Frage, ob eine gastgewerbliche Berufsausbildung hilfreich ist bei der Existenzgründung im Gastgewerbe. Siehe dazu:"Seiteneinsteiger contra Sachkundenachweis".

Nicht ungewöhnlich auch für viele wirklichen Existenzgründungen in der Gastronomie ist die Blauäugigkeit, Naivität und Uninformiertheit der meisten Spieler.

Was mir an dieser Event-Doku generell nicht gefällt, ist die Vorgabe, ein Restaurant zu eröffnen. Die Sendung heißt zwar "Mein Restaurant", doch versteht man darunter zumindest im englischen Sprachraum ein breiteres Spektrum gastronomischer Betriebsformen als in Deutschland. Die meisten der Spieler sind für ein gutbürgerliches oder gar gehobenes Restaurant völlig ungeeignet. Die Leipziger, die sich die Zielgruppe Schwangere und Familien mit Kindern auserkoren haben, sind damit völlig fehl am Platze, nicht zuletzt weil in Restaurants im engeren Sinne der Umsatz in erster Linie am Abend gemacht, also dann wenn Kinder schlafen sollten. Ein denkbares Konzept für sie wäre z.B. ähnlich dem Konzept "de niño - Kids & Coffee". Auch den Bartender würde ich eher empfehlen, bei ihrem mobilen Bartending zu bleiben, evtl. eine Bar in einem größeren Objekt (etwa einer Diskothek) zu übernehmen oder es zumindest mit einer Bar zu probieren, statt es mit einem speisenlastigen Betriebskonzept zu versuchen.

Faszinierend, um nicht zu sagen zum Haarausraufen ist, in der Sendung wie auch in unserer Mailingliste Gastro-Einsteiger, die überschäumende Motivation, sich in der Gastronomie selbständig zu machen. Was sind die Motive? Ich verrate es Ihnen: "Warum Existenzgruender die Gastronomie bevorzugen und warum sie scheitern".

Vordergründig geht es bei diesem wirklich harten Spiel darum, wer ein Restaurant gewinnt. Hintergründig ist es ein Test, ob die Partnerschaften der Spielpartner einem enormen Druck standhalten. Es sieht fast so aus, als hätte man bei der Auswahl der Spielpaare darauf geachtet, so lieb gehen sie (noch) miteinander um. Meine Erfahrungen bei der Beratung von Existenzgründern und noch mehr bei Versuchen, Konflikte zwischen Partnern zu schlichten, zeigen, daß Streit zwischen Partnern, die gemeinsam ein Geschäft aufbauen wollen, oder auch von Gründern mit ihrem familiären Umfeld häufig ursächlicher ist beim Scheitern als die finanziellen Aspekte. Partner und Lebenspartner, die Rückhalt geben, unterstützen, statt zu nörgeln und alles schwarz zu sehen, sind sehr bedeutsam für den Erfolg.

Nicht zuletzt will ich die Jury loben und, soweit man dies nach der ersten Sendung schon sagen kann, die engagierten Innenarchitekten und betriebswirtschaftlichen Berater. Sie werden fast so hart eingespannt wie die Mitspieler.

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