Gastgewerbe Gedankensplitter



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Donnerstag, Oktober 23, 2008

Mit Busreisegruppen raus aus den Schulden.

Gestern Abend zeigte der Fernsehsender RTL in einer Folge der Serie "Raus aus den Schulden", wie der Schuldnerberater Peter Zwegat einem Gastronomen-Ehepaar den Weg aus ihren Schulden zeigte: "Ein Restaurant kurz vor dem Ruin" (Video der Sendung in RTL-Now).

Seine Tips waren überwiegend Standardware, was aber nicht unbedingt gegen diese Tips spricht, sondern eher dafür, daß die Ursachen von Problemen häufig dieselben sind:
  • Die Krise wird durch Beziehungsprobleme in der Familie oder im Team ausgelöst oder zumindest verstärkt und wechselseitig gesteigert. Wenn es schlecht läuft, liegen die Nerven blank. Streit zwischen den Partnern und im Team spüren auch die Gäste.
  • Der Umfang der Speisekarte ist zu groß. Weniger Speisen anbieten. Wobei dieser Tipp meines Erachtens so nicht ganz richtig ist. Es kommt weniger auf die Anzahl der Gerichte an als auf die Anzahl der Zutaten. Größenvariationen wie kleine Portionen, XXL-Portionen oder auch eine Aufblähung der Karte durch wechselnde Kombinationen der gleichen Komponenten belasten die Beschaffung, die Lagerwirtschaft und die Küche weniger als eine Vielzahl von Speisen aus unterschiedlichen Zutaten.
Konzeptionell wurde aus dem abgelegenen Standort vor den Toren Hamburgs und dem großen Platzangebot abgeleitet, man könne Busreisegruppen bewirten. Siehe dazu auch meinen Beitrag "Busreisen und ihre Bedeutung für die Gastronomie"

Sehr geschickt habe ich empfunden, daß man in das Drehbuch einen Auftritt des Busreiseunternehmers Wilhelm Schmidt eingearbeitet hat, der erläutert, wie die Gastronomie von der Zusammenarbeit mit der Bustouristik profitieren kann. Er ist Vorstand der Gütegemeinschaft Buskomfort e.V., die auch gbk-Sterne für Busse und Chauffeure vergibt. Die Szenenfolge, in der der Gastronom an das Telefon greift anruft und schwupps kommt ein Busreiseunternehmer vorbei, war hingegen ziemlich praxisfern.

Die Fachzeitung "Omnibusrevuer" ist in einem Artikel auf diese Sendung eingegangen: "Mit dem Bus raus aus den Schulden" vom 23. Oktober 2008.

Kritisch möchte ich aus gastronomischer Sicht ergänzen: Busreisegruppen sind nicht für jeden Betrieb geeignet. Ihre potentiellen Nachteile:
  • Es lassen sich unter den Reiseteilnehmern selten Individualgäste generieren. Vor allem wenn die Teilnehmer weit weg wohnen. Bei Tagesausflügen kann es anders aussehen. Deshalb muß sich jede Gruppe für sich rechnen.
  • Busreiseveranstalter legen - nicht immer, aber häufig - auf einen niedrigen Preis Wert. Man kann sich, wenn das Restaurant eher höherpreisig ist, nicht mit seinem üblichen Speisenangebot präsentieren. Man ramponiert eventuell sein Image. Anders sieht es aus, wenn man die Reisegruppen in getrennten Räumen, an freien Tagen oder zu Zeiten bewirtet, in denen wenig Gäste anwesend sind.
  • Man gewöhnt sich und das Team an schlechten Service, der sich aus Zeitdruck, niedrigen Margen und dem Wissen ergibt, daß die einzelnen Teilnehmer selten wieder kommen. Wichtiger wird es, den Reiseveranstalter, den Reiseleiter und den Busfahrer zufrieden zu stellen, sei es per Freiessen und - getränke aber auch durch Bargeld. Maximal ein freies Essen pro 20 Gruppenteilnehmer und kostenlose (alkoholfreie) Getränke für den Busfahrer und Reiseführer) sind branchenüblich.
  • Unter Umständen konkurrieren Reisegruppen mit Stammgästen und anderen Individualgäste, die z.B. keinen Platz mehr bekommen oder auf ihre Bedienung und ihre Speisen und Getränke länger warten müssen.
  • Eventuell nerven die Reiseteilnehmer die Stammgäste auch dadurch, daß sie nicht zu den Stammgästen passen. Bei uns waren z.B. Stammgäste aus der Motorradfahrerszene genervt von einer Reisegruppe aus dem Rheinland. Es war ein gemischter Chor, der zum Brunch objektiv wirklich schön Lieder gesungen hat wie "Warum ist es am Rhein so schön" (in Bamberg!).

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