Gastgewerbe Gedankensplitter



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Donnerstag, Oktober 23, 2008

Passivraucherschutz fuer Auszubildende in Oesterreich.

Nicht nur die Gastronomie in Deutschland leidet unter Sesselfurzern. Ihre österreichischen Artgenossen haben dem österreichischen Gastgewerbe ein Gesetz beschert, das vorschreibt, Auszubildende sollten sich überwiegend im Nichtraucherbereich aufhalten: "'Es bleibt ein gewisses Restrisiko'", in: Kleine Zeitung vom 23. Oktober 2008.

Wer nicht völlig lebensfremd ist, ahnt, daß sich sowas kaum justiziabel kontrollieren läßt. Dies möchte ich anhand einiger offenen Fragen zeigen:
  • In Küchen und Lageräumen mit Lebensmittel darf aus hygienischen Gründen nicht geraucht werden. Zählen diese Räume zum Nichtraucherbereich? Wenn nicht, können Koch-Azubis die Norm nicht erfüllen, denn sie halten sich dann überwiegend nicht im Nichtraucherbereich des Gastraums auf.
  • Auszubildende verbringen einen nicht unerheblichen Teil ihrer Ausbildungszeit in Berufsschulen und gelegentlich auch in anderen Stätten der Aus- und Fortbildung. Zählen diese Zeiten, wenn dort nicht geraucht werden darf, als Anwesenheit in Nichtraucherbereichen mit?
  • Wenn Auszubildende außerhalb der Küche arbeiten und sich dabei sowohl in Nichtraucherbereichen aufhalten als auch in Bereichen, in denen geraucht werden darf, von wem und wie sollen dann die jeweiligen Arbeitszeiten erfaßt werden? Wer soll kontrollieren, ob die Norm erfüllt ist?
  • Muß die Norm an jedem einzelnen Arbeitstag, in jedem Monat, jedem Jahr oder bezogen auf die gesamte Ausbidungsdauer erfüllt werden?
  • Wenn ein Auszubildender selbst Raucher ist, sich in einem Raucherbereich der Gaststätte aufhält und währenddessen selbst raucht, zählen diese Zeiten dann auch mit? Das Gesetz soll ja eigentlich nur Passivraucher schützen. Wenn er selbst raucht, ist er jedoch kein Passivraucher, sondern Aktivraucher?
  • Wenn ein Auszubildender in seinen Pausen raucht oder sich in einem Bereich aufhält, wo geraucht wird, zählen dann diese Zeiten mit? Anders ausgedrückt: Ist unter Arbeitszeit die vergütete Arbeitszeit zu verstehen oder die Anwesenheitszeit im Betrieb incl. aller Pausen?
Diese Liste offener Fragen ließe sich lange fortsetzen. So ist es kein Wunder, wenn Gerhard Kienzl von der österreichischen Wirtschaftskammer, auf die Frage, ob sich diese Vorschrift umsetzen läßt, antwortet:
"Es gibt noch keine Praxis dazu. Wir haben keine Erfahrung."
Gastronomen haben aber Wichtigeres zu tun, als sich Gedanken zu machen, wie man nicht praktikable Vorschriften einhalten soll. Mit sowas kann man sich, wenn das Papier, auf dem sie gedruckt sind, weich genug ist, bestenfalls den Arsch abwischen.

Das Nichtraucherschutzgesetz soll ab 2009 in Kraft. Ein Wiener Kollege zieht dagegen vor das Verfassungsgericht: "Wiener Wirt will klagen", in: Wienweb vom 23. Oktober 2008. Der Wiener Kollege geht davon aus, daß Tausende Gastronomen das Gesetz ignorieren. Er kenne noch keinen Kollegen, der sich mit der Umsetzung des Gesetzes beschäftigt habe.

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