Gastgewerbe Gedankensplitter



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Mittwoch, Oktober 15, 2008

Schulverpflegung contra Familienglueck.

Über den Stellenwert der Mahlzeit im Alltag und in der "neuen" (Ganztags-) Schule diskutierten am 24. und 25. September 2008 rund 70 Ernährungsfachleute, Lehrkräfte und Medienvertreter beim 12. Heidelberger Ernährungsforum der Dr. Rainer Wild-Stiftung, Stiftung für gesunde Ernährung in Heidelberg.

Ausgehend von einer Realität, die durch einen wechselnden Lebensstil und eine Lockerung von Traditionen gekennzeichnet ist, müsse man neu über die Bedeutung von Mahlzeiten nachdenken. Dies beträfe die Mahlzeitenversorgung insgesamt, die Rolle und Aufgabe der Familie sowie den Aufbau von Schulverpflegung an Ganztagsschulen, so Tagungsleiterin Dr. Gesa Schönberger von der Dr. Rainer Wild-Stiftung. Im Laufe der zwei Tage wurde deutlich, dass es bei entsprechenden Voraussetzungen durchaus möglich ist, dass Außer-Haus-Mahlzeiten Aufgaben leisten können, die bisher weitgehend der Familienmahlzeit zugesprochen wurden. Außerdem wird Sozialverhalten beim Essen oft besser erlernt als durch aufwändige Unterrichtsprogramme.
"Wir müssen uns von zahlreichen ideologischen Vorstellungen über die Familienmahlzeit befreien"
forderte Prof. Dr. Kirsten Schlegel-Matthies von der Universität Paderborn. Das oftmals beschworene "Wir-Gefühl" beim Essen kann auch in anderen Gruppen als der Familie hergestellt werden, zumal Jugendliche mehr die Gespräche als das Essen selbst suchten.
"Die ideologische Überhöhung der Familienmahlzeit negiert und verschleiert zudem die Arbeitsleistung der Herstellenden (das sind immer noch meist die Frauen) und erschwert eine sachliche Diskussion über Verpflegungsangebote"
so Schlegel-Matthies.

Für Kinder sind nicht nur das Angebot der Speisen, sondern auch die kulturellen und sozialen Gegebenheiten sowie die Prägung von Gewohnheiten wichtig. Deshalb müssen Eltern und andere Verantwortliche zunehmend Vertrauen in Schulmahlzeiten aufbauen (können). Schulen wiederum sollten sie als wichtigen Teil der Ernährungsversorgung und -bildung von Kindern begreifen.

Erst ein Bild von Mahlzeiten, das ihre Qualitäten benennt, sie jedoch nicht zwingend an die Familie bindet, erlaubt es, konstruktiv und allgemein akzeptiert an einem Schulverpflegungsangebot zu arbeiten. Nun bleibt zu hoffen, dass Unterstützungsangebote, wie die im September 2008 gegründete "Vernetzungsstelle Schulverpflegung Baden-Württemberg", zu Schulmahlzeiten als integriertem Teil der Schulkultur beitragen werden.

(Quelle: Pressemitteilung der Dr. Rainer Wild-Stiftung).

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Kommentare:
"Außerdem wird Sozialverhalten beim Essen oft besser erlernt als durch aufwändige Unterrichtsprogramme."

Ein zweischneidiges Schwert. Es handelt sich dabei um das Sozialverhalten unter Gleichaltrigen und innerhalb von sozialen Gruppierungen, die nicht unbedingt den sozialen Vorstellungen von individuellen Familien entsprechen. Intime, familieninterne Themen kommen dabei nicht zur Sprache. Das soziale Umfeld ist dabei auch nicht kontrollierbar, oft bilden sich ja auch Gruppierungen (getrennt - oder vereint - nach Geschlecht, sozialem Verhalten, ethnischer Herkunft), deren Zusammensetzung und deren Sozialverhalten nicht den Vorstellungen der Eltern entspricht. Die soziale "Erziehung" und Einflussnahme findet damit weitgehend ausserhalb der Kontrolle der Eltern statt.
 
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