Gastgewerbe Gedankensplitter



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Samstag, November 08, 2008

Deutscher Presserat moechte Anbieter von Telemedien mit journalistisch-redaktionellen Inhalten als Mitglieder gewinnen.

"Anbieter von Telemedien mit journalistisch-redaktionellen Inhalten, soweit sie nicht als Rundfunk einzustufen sind, sollen ebenfalls die Möglichkeit erhalten, sich der publizistischen Selbstkontrolle anzuschließen. Voraussetzung dafür ist, dass sie sich zum Pressekodex als Regeln für guten Journalismus sowie den Grundsätzen zum Redaktionsdatenschutz bekennen und sich der Spruchpraxis des Presserats unterziehen. Mit einem Beginn der Online-Zuständigkeit ist Anfang 2009 zu rechnen."
Dieses Zitat stammt aus einer Presseerklärung des Deutschen Presserats: "Plenum nimmt Online in Kodex auf" vom 6. November 2008.

Der Pressekodex definiert "Regeln für den fairen Journalismus", wie z.B.
  • "Achtung vor der Wahrheit und Wahrung der Menschenwürde
  • Gründliche und faire Recherche
  • Klare Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen
  • Achtung von Privatleben und Intimsphäre
  • Vermeidung unangemessen sensationeller Darstellung von Gewalt u. Brutalität"
Diese Regeln werden, so mein Eindruck, von nicht wenigen, um nicht zu sagen von vielen Printmedien nicht eingehalten. Insbesondere die Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen wird bei der Mehrheit der deutschen Zeitungen und Zeitschriften, wenn überhaupt, nur formal vollzogen. Die entsprechende Regel heißt wortwörtlich:
"Richtlinie 7.1 – Trennung von redaktionellem Text und Anzeigen

Bezahlte Veröffentlichungen müssen so gestaltet sein, dass sie als Werbung für den Leser erkennbar sind. Die Abgrenzung vom redaktionellen Teil kann durch Kennzeichnung und/oder Gestaltung erfolgen. Im Übrigen gelten die werberechtlichen Regelungen."
Diese Formulierung, die sich allein an der formalen Kenntlichmachung von Anzeigen festmacht, öffnet der viel problematischeren Verknüpfung von Anzeigenschaltung und damit gekaufter redaktioneller Hofberichterstattung alle Türen. Wenn ich z.B. als Gastronom eine Pressemitteilung verschicke, klingelt kurze Zeit später mein Telefon und die Anzeigenabteilung fragt nach, ob ich gedenke, eine Anzeige zu schalten. Schalte ich eine Anzeige, wird redaktionell auch berichtet, wenn nicht, dann eben nicht. Mitunter ist man sogar so dreist, den Umfang der redaktionellen Berichterstattung an den Umfang der Anzeige zu koppeln. Oder man bietet (nicht nur) Gastronomen insbesondere zur Eröffnung oder zu Firmenjubiläen eine ganze Seite an, die zumindest zur Hälfte mit Inseraten gefüllt werden müssen, die vom Gastronomen selbst stammen oder von seinen Lieferanten.

Solange Printmedien Mitglied im Deutschen Presserat sind, die gegen die selbst gegebenen Regeln permanent und vorsetzlich verstoßen, möchte ich mit diesem obskuren Verein wahrlich nichts zu tun haben.

Kommentare:
Logo. Es wird kalt und einsam "da oben".
Also: blogger doch als "Journalisten" akzeptiert (sofern sie Verbandsbeiträge bezahlen?).
Pressekodex wirbeln die doch immer nur um sich, wenn es in ihrem Interesse ist. Ansonsten heißt es: Ohne Anzeige keinen redaktionellen Text. Oder? (!?).
 
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