Gastgewerbe Gedankensplitter



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Samstag, November 01, 2008

Mein Restaurant: Trotz schlechter Quoten weiter auf Sendung.

Joachim Hirzel zerreißt im "Focus" die Doku-Soap "Mein Restaurant": "Total im Arsch" vom 29. Oktober 2008.

Ich hatte Ihnen im Vorgriff, ohne die Sendung vorab zu kennen, empfohlen, sie anzuschauen und nach der ersten Sendung gejubelt: "Mein Restaurant: Rueckblick auf die erste Sendung".

Wie berichtet wird, ist diese Sendung für den Sender VOX bislang eine finanzielle Katastrophe. Den hohen Kosten stehen nur geringe Zuschauerzahlen gegenüber. Das mag daran liegen, daß eine Sendung, die für Existenzgründer in der Gastronomie durchaus lehrreich ist, nicht unbedingt etwas ist für die Massen, die schon in der Grundschule von einem Sesselfurzer-Job im öffentlichen Dienst träumen. Ich hoffe aber, daß die Sendung doch noch ein Erfolg wird. Es sieht zumindest danach aus, daß sich die Quoten erholen und VOX an der Sendung festhalten will: "Trotz schlechter Quote: Vox hält an Event-Doku 'Mein Restaurant' fest", in: "Der Medienverwerter" vom 29. Oktober 2008.

Soweit die Rezension Substanz hat, ist sie teilweise falsch, zumindest ungenau. Er schreibt:
"Am Ende, oh Wunder, können alle fünf Lokale pünktlich eröffnen."
Wahr ist, daß die Restaurants eröffnet werden mußten und deshalb auch eröffnet worden sind. Die Gründer waren mehr oder weniger noch gar nicht soweit. Es gab noch "Baustellen" und die Betriebsabläufe waren noch nicht eingespielt bzw. trainiert. Die Regeln erwangen eine in der Praxis ungeschickte Kombination aus "soft opening" und "hard opening". Beim "soft opening" macht man einfach auf und trainiert und optimiert den Betrieb mit den wenigen Gästen, die zufällig oder per Mundpropaganda herein schneien und den Freunden und Bekannten. Erst nach ein paar Wochen, wenn man soweit ist, daß man mit vielen Gästen zurecht kommt, eröffnet man offiziell und startet Öffentlichkeitsarbeit und Werbung. Beim "hard opening" trainiert und optimiert man den Ablauf aller Prozesse ohne Gäste und startet mit eingespieltem Team am ersten Eröffnungstag.

Dilettantische Eröffnungen passieren sogar erfahrenen Gastronomen. Ein Beispiel habe ich als Gast selbst erlebt. Ein erfahrener Franchisenehmer einer großen Fast-Food-Kette eröffnet eine weitere Filiale. Statt aus seinen anderen Läden ein Eröffnungsteam als Kern der neuen Mannschaft zu rekrutieren, stellt er ein komplett neues Team aus eher unerfahrenen Mitarbeitern zusammen. Das geht gründlich schief. U.a. wird ein Gast dadurch verärgert, daß ein Servicemitarbeiter ihm sagt, er solle sich gedulden, zuerst käme ein Kumpel dieses Mitarbeiters dran. Dieser Gast war sauer und beschwert sich sogleich beim Franchisegeber. Ein Bezirksleiter reist am nächsten Tag an und läßt die Hälfte des Teams rausschmeißen.

Joachim Hierzel regt sich auch über die Sprache der Mitspieler auf, denen gelegentlich ein Ausdruck wie "Arsch" aus dem Munde springt. Ich möchte nicht Mäuschen spielen, wenn sich Focus-Redakteure unterhalten, und gar nicht aufschreiben, welcher Ausdruck mir in den Sinn gekommen ist, als ich diese polemische Kritik von Joachim Hierzel gelesen habe.

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