Gastgewerbe Gedankensplitter



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Freitag, Dezember 12, 2008

Konsumgutscheine.

Die Gaststätte "Ständige Vertretung" in Köln macht sich einen Jux aus der politischen Debatte um Konsumgutscheine und verteilt ab dem 14. Dezember 2008 eigene Konsum-Coupons. Gegen Vorlage eines solchen Gutscheins wird ein bestelltes Reibekuchengericht um einen Reibekuchen aufgestockt. Zusätzlich gibt es ein Kölsch gratis. Der Gutschein ist bis 30. März 2009 befristet. Mehr darüber: "Erste Kölner Gastronomie gibt Konsum-Gutscheine aus StäV Köln reagiert mit Rationsaufstockung auf Konjunkturkrise", in: nrw-on.de vom 10. Dezember 2008.

Objektiv betrachet handelt es sich um einen eher üblichen, wertmäßig nicht besonders attraktiven Gutschein, der aber clever vermarktet wird.

Sicherlich wird es in den nächsten Wochen und Monaten viele Gastronomen und andere Branchen, die ebenfalls "Konsumgutscheine" anbieten werden, um diese Idee zu reiten. Die öffentliche Aufmerksamkeit genießen dabei in der Regel die, die am schnellsten sind. Früher Wurm fängt den Igel oder so ähnlich...

Interessanter ist die Frage, wie die Gastronomie damit umgehen könnte, wenn tatsächlich die Politik so blöde sein sollte, Konsumgutscheine zu verteilen. Konkrete Strategien lassen sich erst empfehlen, wenn auch die Détails einer Regelung bekannt gegeben sind. Aber man kann ein wenig spekulieren:
  • Vermutlich liegt der Wert irgendwo zwischen 100 und 500 Euro. Ein solcher Wert legt den meisten Menschen dein Kauf eines höherwertigen Konsumguts oder eine Reise nahe, zumal wenn Familien mehrere Konsumgutscheine erhalten. Deshalb denken die meisten eher an größere Anschaffungen (Unterhaltungselektronik, EDV-Hardware, Reisen, Kraftfahrzeuge, Möbel, Bekleidung) als daran, essen zu gehen. Ins Spiel bringen können sich Gastronomen aber mit Gutscheinen. Gäste können ihren staatlichen Konsumgutschein gegen Gutscheine der Gastronomie eintauschen mit erheblich längerer Gültigkeitsdauer.
  • Die staatlichen Konsumgutscheine müssen vermutlich bis zu einem frühen Termin im ersten Halbjahr 2009 eingelöst werden. Gastronomen können anbieten, die staatlichen Gutscheine gegen eigene, länger laufende Gutscheine einzutauschen oder auch (zum Teil) gegen Bargeld.
  • Fraglich ist, ob Gutscheine übertragen werden dürfen oder von demjenigen nur eingelöst werden dürfen, dessen Namen er trägt. In beiden Fällen könnten Gutscheine von Gastronomen (im ersten Fall legal, im zweiten Fall mit zwinkerndem Einverständnis des weiteren Empfängers) an ihre Lieferanten weiter gereicht werden. Man könnte z.B. das Weinlager und andere Vorräte mit längerer Haltbarkeit aufstocken.
  • Der Cash Flow des Gutscheinwerts wird vermutlich in der Weise erfolgen, daß der Wert der zugeflossenen Gutscheine mit der Umsatzsteuerzahllast verrechnet wird. Bei monatlicher Umsatzsteuerzahlpflicht wäre der Gutschein damit in zwei bis sechs Wochen liquiditätswirksam. Wenn Lieferanten bereit sind, ihrerseits Konsumgutscheine zu akzeptieren, läßt sich der Zeitpunkt der Liquiditätswirksamkeit verkürzen (je nachdem wie schnell Lieferantenrechnungen normalerweise bezahlt werden). Alternativ könnten Gastronomen Konsumgutscheine als Privatperson ihrem Betrieb gegen Bargeld oder Zahlungsansprüche entnehmen und für private Käufe nutzen und so die Umlaufgeschwindigkeit erhöhen.
  • Die aus der Einlösung eines Konsumgutscheins fällige Mehrwertsteuer ergibt sich aus dem Mehrwertsteuersatz, der für die dagegen getauschen Produkte und Dienstleistungen fällig wird. Der Nettoumsatz aus einem Konsumgutschein läßt sich deshalb steigern, wenn man z.B. Speisen außer Haus verkauft.
  • Nicht zuletzt werden viele Branchen um die Kunden mit Konsumgutscheinen buhlen. Vermutlich werden Anreize angeboten, z.B. Rabatte. Gastronomie und Hotellerie sind Branchen, die wegen des hohen und in der Hotellerie sehr hohen relativen Deckungsbeitrags überdurchschnittlich hohe Rabatte anbieten können, vor allem wenn die Inanspruchnahme von Kapazitäten außerhalb der Hauptessenszeiten in Gaststätten bzw. in der Nebensaison und an Wochentagen mit geringer Auslastung der Hotels efolgt.

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