Gastgewerbe Gedankensplitter



Donnerstag, Juli 31, 2008

Verfassungsbeschwerde aus Bayern wird im September entschieden.

Bei seiner gestrigen Entscheidung hat das Bundesverfassungsgericht exemplarisch über drei Verfassungsbeschwerden befunden. Über weitere Verfassungsbeschwerden, darunter auch aus Bayern, wurde noch nicht entschieden. Eine förmlicher Entscheidung darüber soll Ende September verkündet werden.

Die bayerische Staatsregierung scheint zu hoffen, sich mit ihrer Lüge, das Urteil gelte nicht in Bayern, über die am 28. September 2008 anstehende Landtagswahl zu schleppen. Es wird frech gelogen, es gäbe in Bayern ein striktes Rauchverbot. Tatsächlich sind in Bayern Bier- und Festzelten (Paragraph 1 Absatz 2 Gaststättengesetz) befristet bis Ende 2008, sowie Raucherclubs mit gaststättenrechtlicher Erlaubnis (Paragraph 1, Absatz 1 Gaststättengesetz) dauerhaft vom Rauchverbot befreit. Die genaue Anzahl der Raucherclubs ist, da sie nicht registiert werden müssen, nicht bekannt. Es sind sicherlich Abertausende. Zudem gehen immer mehr Kollegen dazu über, das Rauchverbot mangels Kontrollen schlichtweg zu ignorieren. Sie begnügen sich damit, halbherzig einen Zettel an der Tür anzubringen, in der irgendein Begriff wie "Raucherclub" oder "Raucherkneipe" prangt.

Doch mit dem Versuch, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Bayern zu ignorieren, soll die CSU nicht durchkommen. Eine der bayerischen Klägerinnen, Birgit Netzle-Piechotka vom Asamschlößchen in München, hat der CSU erheblichen Widerstand angekündigt: "Rauchverbot in Bayern: Revolution in München angedroht", in: Stadtmagazin München vom 31. Juli 2008.

Ich hoffe, daß die CSU nicht die Macht hat, das Bundesverfassungsgericht zu drängen, mit einer Urteilsverkündigung bis nach den Lantagswahlen zu warten.

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Schlechter Verlierer.

Halbstarke Worte aus dem Munde des Kommunisten Dr. Benjamin-Imanuel Hoff, Staatssekretär im Berliner Senat für Gesundheit, Umwelt- und Verbraucherschutz:
"Zunächst bleibt das Berliner Nichtraucherschutzgesetz in vollem Umfang in Kraft."
(Quelle: "Gesundheitsverwaltung für ein generelles Rauchverbot", in: Die Welt vom 31. Juli vom 2008.

Warum weigert er sich, das gestrige Urteil des Bundesverfassungssgerichts zu respektieren, so als sei Berlin noch immer kein Rechtsstaat, sondern die Hauptstadt der DDR? Das Berliner Nichtrauchschutzgesetz ist schlichtweg und unmißverständlich verfassungswidrig. Das Bundesverfassungsgericht hat lediglich zugestanden:
"Die angegriffenen Bestimmungen bleiben wegen der hohen Bedeutung des Schutzes der Bevölkerung vor den Gefahren des Passivrauchens bis zu einer Neuregelung anwendbar."
Für die Neuregelung hat das Berliner Abgeordnetenhaus Zeit bis zum 31. Dezember 2009. Kommt es zu keiner Neuregelung, läuft die vorübergehende Anwendbarkeit einiger Vorschriften dieses verfassungswidrigen Gesetzes endgültig aus.

Ganz die Wirklichkeit verdrängen kann Dr. Hoff zuletzt dann doch nicht. Er muß widerwillig eingestehen:
"Konkret bedeutet das Urteil, dass es für eine Gruppe der getränkegeprägten Kleingastronomen ab sofort eine Ausnahme gibt. In Einraumeckkneipen, die nicht größer als 75 Quadratmeter sind und die nicht über einen Nebenraum verfügen, darf geraucht werden. Das Lokal muss als Raucherkneipe von außen gekennzeichnet sein, es dürfen keine Speisen zubereitet werden und unter 18-Jährige dürfen keinen Zutritt haben. Diskotheken, zu denen nur Erwachsene Zutritt haben, dürfen abgetrennte Raucherräume einrichten, sofern der Raucherraum keine Tanzfläche hat."

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StudiVZ als Bestandteil der Personalauswahl.

Im Rahmen des Seminars "Wie viel Medienkompetenz braucht der Mensch? - Strategien zur Selbstdarstellung im Netz" (Dr. Katy Teubener) am IfS der WWU-Münster ist eine Projektarbeit "Das StudiVZ aus Unternehmenssicht" von Lena Heidemann, Julia Kuhlmann, Karoline Werner und Sara Westerhaus entstanden.

Leider hatten die Sozilogie-Studentinnen keinen Erfolg mit ihrem Vorhaben einer repräsentativen Studie zum Thema "StudiVZ als Bestandteil der Personalauswahl". Zu wenige Unternehmen haben reagiert und ihren Fragebogen beantwortet. Sie haben sich dann entschlossen, den Schwerpunkt ihres Projektes zu verlagern: Sie schreiben darüber, wie sie über ihre Projektarbeit online, etwa in einem StudiVZ-Forum, per ICQ und in einem Wiki kommuniziert haben.

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BHG fordert Befreiung vom Rauchverbot fuer Kleingastronomie.

Siegfried Gallus, Der Vorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, hat sich gegen die dreiste Vorstellung Becksteins gewandt, Bayern könne sich dem gestrigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts entziehen (siehe dazu: "Beckstein steckt den Kopf in den Sand"). In der "Augsburger Allgemeinen" 2008 verlangte er, auch der Freistaat solle das Rauchverbot für die Kleingastronomie aufheben: "Streit um Rauchverbot neu entbrannt", in: shn vom 31. Juli 2008 (Die zititerte Äußerung von Siegfried Gallus konnte ich auf der Website der "Augsburger Allgemeinen" nicht finden).

In einer Stellungnahme des BHG zum Urteil des Bundesverfassungsgerichtes in Sachen Rauchverbot (PDF) vom 30. Juli 2008 ist zu lesen:
"Vor dem Hintergrund der Karlsruher Entscheidung fordert der BHG erneut vehement die Aussetzung des Rauchverbots in Bayern für alle Betriebsarten und nicht nur für Festzelte und -hallen, in denen landauf, landab jährlich über 60.000 Feste stattfinden.

Nachdem das Bundesverfassungsgericht insbesondere anerkannt hat, dass die getränkegeprägten Kleingaststätten unter dem Rauchverbot existenzbedrohende Umsatzeinbrüche zu verzeichnen haben, fordert der BHG auch hier die Gleichbehandlung der bayerischen Gastronomie mit der in anderen Teilen Deutschlands künftig herrschenden Regelung. "
Anmerkung: Ein formaler Beschluß des bayerischen Landtags oder eine Korrektur der Vollzugshinweise des Gesundheitsministeriiums ist eigentlich unnötig, denn das Urteil des Bundesverfassungsgerichts ist mit seiner Verkündigung bundesweit geltendes Recht. Bußgeldbescheide gegen Raucher, die in Betrieben rauchen, die die vom Bundesverfassungsgericht geltenden Kriterien erfüllen, oder gegen Gastronomen dieser Betriebe, wären rechtswidrig.

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Mittwoch, Juli 30, 2008

Verfassungsbeschwerden in Sachen "Rauchverbot" erfolgreich.

Pressemitteilung Nr. 78/2008 vom 30. Juli 2008 des Bundesverfassungsgerichts

Urteil vom 30. Juli 2008 - 1 BvR 3262/07; 1 BvR 402/08; 1 BvR 906/08 -

Die Verfassungsbeschwerden von zwei Gastwirten und einer Diskothekenbetreiberin, die sich gegen Bestimmungen der Nichtraucherschutzgesetze von Baden-Württemberg und Berlin wenden, waren erfolgreich (zum Sachverhalt vgl. Pressemitteilung Nr. 53 vom 8. Mai 2008). Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts stellte fest, dass die angegriffenen Regelungen die Beschwerdeführer in ihrem Grundrecht auf freie Berufsausübung verletzen.

Zwar wäre der Gesetzgeber nicht gehindert, ein striktes, ausnahmsloses Rauchverbot in Gaststätten zu verhängen. Entscheidet er sich aber für eine Konzeption, bei der das Ziel des Gesundheitsschutzes mit verminderter Intensität verfolgt und mit Rücksicht insbesondere auf die beruflichen Interessen der Gastwirte Ausnahmen vom Rauchverbot zugelassen werden, so müssen diese Ausnahmen auch die durch das Rauchverbot wirtschaftlich besonders stark belastete getränkegeprägte Kleingastronomie ("Eckkneipen") miterfassen. Die Landesgesetzgeber haben bis zum 31. Dezember 2009 eine Neuregelung zu treffen. Dabei können sie sich unter Verzicht auf Ausnahmetatbestände für eine strenge Konzeption des Nichtraucherschutzes in Gaststätten entscheiden; oder sie können im Rahmen eines weniger strengen Schutzkonzeptes Ausnahmen vom Rauchverbot zulassen, die dann allerdings folgerichtig auf besondere Belastungen einzelner Bereiche des Gaststättengewerbes Rücksicht nehmen und gleichheitsgerecht ausgestaltet sein müssen. Die angegriffenen Bestimmungen bleiben wegen der hohen Bedeutung des Schutzes der Bevölkerung vor den Gefahren des Passivrauchens bis zu einer Neuregelung anwendbar. In Baden-Württemberg und Berlin gelten daher zunächst weiterhin die bisherigen Vorschriften über das Rauchverbot in Gaststätten. Um für die Betreiber kleinerer Gaststätten existentielle Nachteile zu vermeiden, hat das Bundesverfassungsgericht jedoch bis zum Inkrafttreten einer Neuregelung die in den Nichtraucherschutzgesetzen bereits vorgesehenen Ausnahmen um eine weitere zugunsten der getränkegeprägten Kleingastronomie erweitert. Voraussetzung für eine solche Ausnahme vom Rauchverbot ist, dass die betroffene Gaststätte keine zubereiteten Speisen anbietet, eine Gastfläche von weniger als 75 Quadratmetern hat, nicht über einen abgetrennten Nebenraum verfügt und Personen unter 18 Jahren der Zutritt verwehrt ist. Zudem muss die Gaststätte im Eingangsbereich als Rauchergaststätte, zu der Personen unter 18 Jahren keinen Zutritt haben, gekennzeichnet sein.

Lässt ein Nichtraucherschutzgesetz die Einrichtung von Raucherräumen als Ausnahmen vom Rauchverbot in Gaststätten zu, ist ferner der generelle Ausschluss der Diskotheken von dieser Begünstigung nicht gerechtfertigt. Bis zu einer Neuregelung, die der Gesetzgeber bis zum 31. Dezember 2009 zu treffen hat, gilt die Vorschrift mit der Maßgabe fort, dass in Diskotheken, zu denen nur Personen ab 18 Jahren Zutritt haben, ein Raucherraum - ohne Tanzfläche - eingerichtet werden darf.

Die Richter Bryde und Masing haben der Entscheidung jeweils eine abweichende Meinung angefügt.

Der Entscheidung liegen im Wesentlichen folgende Erwägungen zu Grunde:
  • I. Das Rauchverbot in Gaststätten stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die freie Berufsausübung der Gastwirte dar. In Anbetracht eines Raucheranteils von 33,9 % unter der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland kann dies je nach Ausrichtung der gastronomischen Angebote und der damit angesprochenen Besucherkreise für die Betreiber der Gaststätten zu empfindlichen Umsatzrückgängen führen. Dieser Eingriff ist in den hier zu beurteilenden Ausgestaltungen nicht gerechtfertigt. Zwar verfolgen die Gesetzgeber mit dem Schutz der Bevölkerung vor den Gesundheitsgefahren durch Passivrauchen ein überragend wichtiges Gemeinwohlziel. Die angegriffenen Regelungen sind jedoch nicht verhältnismäßig. Sie belasten in unzumutbarer Weise die Betreiber kleinerer Einraumgaststätten mit getränkegeprägtem Angebot.
    1. Bei der erforderlichen Gesamtabwägung zwischen der Schwere des Eingriffs und dem Gewicht der ihn rechtfertigenden Gründe muss die Grenze des Zumutbaren gewahrt bleiben. Dabei wäre der Gesetzgeber aufgrund des ihm zukommenden Einschätzungs-, Wertungs- und Gestaltungsspielraums zwar nicht gehindert, dem Gesundheitsschutz der Gesamtbevölkerung einschließlich des Gaststättenpersonals gegenüber den damit beeinträchtigten Freiheitsrechten den Vorrang einzuräumen und ein striktes ausnahmsloses Rauchverbot in Gaststätten zu verhängen. Die Gesetzgeber durften aufgrund zahlreicher wissenschaftlicher Untersuchungen davon ausgehen, dass mit dem Passivrauchen schwerwiegende gesundheitliche Risiken verbunden sind. Da die Gesundheit und erst recht das menschliche Leben zu den besonders hohen Gütern zählen, darf ihr Schutz auch mit Mitteln angestrebt werden, die in das Grundrecht der Berufsfreiheit empfindlich eingreifen. Der Gesetzgeber ist von Verfassungs wegen nicht gehalten, mit Rücksicht auf die Berufsfreiheit der Betreiber von Gaststätten Ausnahmen von einem Rauchverbot für den Gaststättenbetrieb in Gebäuden und vollständig umschlossenen Räumen zuzulassen.
    2. Zu einem anderen Ergebnis führt die Verhältnismäßigkeitsprüfung jedoch, wenn kein striktes Rauchverbot zur Entscheidung steht, sondern - wie in den vorliegenden Fällen - eine Konzeption gewählt wurde, bei der das Ziel des Gesundheitsschutzes wegen der Interessen der Gastwirte und der Raucher mit verminderter Intensität verfolgt wird. Sowohl in Baden-Württemberg als auch in Berlin werden praktisch bedeutsame Ausnahmen vom Rauchverbot, wie etwa die Einrichtung abgetrennter Raucherräume, zugelassen. Aufgrund des ihm zukommenden Einschätzungs-, Wertungs- und Gestaltungsspielraums ist der Gesetzgeber zwar nicht gehindert, ein Konzept des Nichtraucherschutzes in Gaststätten zu wählen, bei dem der Schutz der Gesundheit der Nichtraucher im Ausgleich mit den Freiheitsrechten der Gaststättenbetreiber und der Raucher weniger stringent verfolgt wird. Diese Entscheidung muss er dann aber auch folgerichtig weiterverfolgen.

      Daher erlangen die spezifischen Auswirkungen des Rauchverbots für die getränkegeprägte Kleingastronomie im Rahmen der vorzunehmenden Gesamtabwägung ein stärkeres Gewicht. Für sie führt das Rauchverbot wegen des außergewöhnlich hohen Anteils von Rauchern unter den Gästen zu einer erheblich stärkeren wirtschaftlichen Belastung als für die Betreiber größerer Lokale, wofür insbesondere die vom Statistischen Bundesamt vorgelegten Untersuchungen sprechen. Für größere Gaststätten, die über Nebenräume verfügen oder solche einrichten können, gilt nur ein relatives Rauchverbot; ihrem Interesse, auch den rauchenden Gästen ein Angebot unterbreiten zu können, wird nachgekommen. Hingegen besteht für kleinere Gaststätten ein absolutes Rauchverbot, sofern hier - wie aufgrund deren geringeren Grundfläche regelmäßig der Fall - Nebenräume nicht verfügbar sind. Von den Betreibern solcher Gaststätten wird die strikte Einhaltung des Rauchverbots selbst um den Preis des Verlustes ihrer wirtschaftlichen Existenz gefordert, obgleich die Landesgesetzgeber den angestrebten Gesundheitsschutz nicht uneingeschränkt, sondern nur unter Berücksichtigung der beruflichen Belange der Gastwirte verfolgen wollen. Die Gesundheitsgefährdungen durch Passivrauchen erhalten so bei der Abwägung gegenüber der Berufsfreiheit der Gastwirte ein unterschiedliches Gewicht. Angesichts der Zurücknahme des erstrebten Schutzziels steht das Maß der sie hiernach treffenden Belastung nicht mehr in einem zumutbaren Verhältnis zu den Vorteilen, die die Landesgesetzgeber mit dem gelockerten Rauchverbot für die Allgemeinheit erstreben. Der getränkegeprägten Kleingastronomie kommt wegen der überwiegend rauchenden Gäste für einen effektiven Nichtraucherschutz keine wesentliche Bedeutung zu. Die beträchtlichen Umsatzrückgänge nach dem Inkrafttreten der Rauchverbote zeigen, dass es solchen Gaststätten offensichtlich nicht gelingt, nunmehr für ihre gastronomischen Angebote verstärkt nicht rauchende Gäste zu interessieren.
  • II. Auch die Verfassungsbeschwerde der Diskothekenbetreiberin gegen die Regelungen im Baden-Württembergischen Nichtraucherschutzgesetz ist begründet. Es ist mit Art. 12 Abs. 1 GG in Verbindung mit Art. 3 Abs. 1 GG nicht vereinbar, dass auch Diskotheken, zu denen Jugendliche keinen Zutritt erhalten, von der Möglichkeit ausgeschlossen sind, Raucherräume einzurichten. Der generelle Ausschluss der Diskotheken von der Begünstigung, die in der Ausnahme abgetrennter Raucherräume vom Rauchverbot zu sehen ist, ist nicht gerechtfertigt. Die vom Gesetzgeber verfolgten Gründe sind nicht von solcher Art und solchem Gewicht, dass sie ungleiche Rechtsfolgen für Diskotheken einerseits und die übrigen Gaststätten andererseits rechtfertigen könnten.

    Zwar ist verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, dass der Landesgesetzgeber von einer besonders hohen Schadstoffkonzentration in Diskotheken ausgeht. Er kann sich hierfür auf einschlägige wissenschaftliche Untersuchungen berufen. Dieser Umstand macht jedoch, wenn für andere Gaststätten Raucherräume zugelassen werden, den generellen Ausschluss dieser Ausnahme für Diskotheken nicht erforderlich. Ist das Rauchen nur noch in vollständig abgetrennten Nebenräumen erlaubt, so entfällt das an die besondere Betriebsart anknüpfende Argument der gesteigerten Gefährlichkeit von Passivrauchen in Diskotheken. Auch der Hinweis auf die große Bedeutung von Nachahm- und Nachfolgeeffekten bei Jugendlichen oder jungen Erwachsenen vermag die unterschiedliche Behandlung von Diskotheken gegenüber anderen Gaststättenarten nicht zu rechtfertigen. Um den angestrebten Schutz dieser Bevölkerungsgruppe zu erreichen, reicht es aus, wenn der Ausschluss von Raucherräumen auf solche Diskotheken beschränkt wird, zu denen Personen unter 18 Jahren Zutritt haben.
  • III. Bei der erforderlichen Neuregelung können die Landesgesetzgeber entweder dem Ziel des Schutzes der Gesundheit der Bevölkerung vor den Gefahren des Passivrauchens Vorrang geben und sich unter Verzicht auf Ausnahmetatbestände für eine strenge Konzeption des Nichtraucherschutzes in Gaststätten entscheiden; oder sie können im Rahmen eines weniger strengen Schutzkonzeptes, das den Interessen der Gaststättenbetreiber und der Raucher mehr Raum gibt, Ausnahmen vom Rauchverbot zulassen. Fällt die Entscheidung zugunsten eines zurückgenommenen Gesundheitsschutzes, so müssen die zugelassenen Ausnahmen vom Rauchverbot allerdings folgerichtig auch auf besondere Belastungen einzelner Bereiche des Gaststättengewerbes Rücksicht nehmen und gleichheitsgerecht ausgestaltet sein. Daher darf der Gesetzgeber, der als Ausnahme von einem Rauchverbot in Gaststätten das Rauchen in abgetrennten Nebenräumen gestattet, insbesondere die Interessen der getränkegeprägten Kleingastronomie nicht aus dem Blick verlieren. Da die beengte räumliche Situation dieser Gaststätten typischerweise nicht die Einrichtung abgetrennter Raucherbereiche erlaubt, kommt für sie nur die Freistellung vom Rauchverbot in Betracht.
Die Entscheidung ist hinsichtlich der Zulässigkeit des strikten Rauchverbots (I 1) und hinsichtlich der Unverhältnismäßigkeit der Regelung für die getränkegeprägte Kleingastronomie (I 2) mit jeweils 6 : 2 Stimmen, im Übrigen einstimmig ergangen.

Sondervotum des Richters Bryde

Den angegriffenen Regelungen liegt aus der Perspektive des Gesetzgebers ein schlüssiges Konzept zugrunde. Es ist nicht zu erkennen, dass die Landesgesetzgeber das Ziel des Nichtraucherschutzes relativiert hätten, so dass Lebens- und Gesundheitsschutz auch als Abwägungsposition gegenüber wirtschaftlichen Interessen relativiert werden könnten. Die Gesetze wollen Nichtrauchern eine rauchfreie Gastronomie garantieren, das heißt mindestens einen rauchfreien Hauptraum. Ausnahmen vom Rauchverbot sollen nur insoweit zugelassen werden, als diese den Nichtraucherschutz nicht gefährden. Die Umsetzung dieses Konzepts mag dem Gesetzgeber nicht perfekt gelungen sein, liegt aber im Rahmen seiner Einschätzungsprärogative.

Sondervotum des Richters Masing

Die angegriffenen Regelungen beruhen auf dem gesetzlichen Konzept eines anspruchsvollen, aber ausbalancierten Nichtraucherschutzes, das verfassungsrechtlich grundsätzlich tragfähig ist. Demgegenüber wäre ein ausnahmsloses Rauchverbot in Gaststätten unverhältnismäßig.

Die angegriffenen Regelungen beruhen auf dem Prinzip eines klaren Vorrangs des Nichtraucherschutzes. Sie statuieren die Pflicht einer jeden Gaststätte, das Angebot primär auf Nichtraucher auszurichten und erlauben Raucherräume nur ergänzend. Das ist grundsätzlich auch gegenüber Eckkneipen für den Gesundheitsschutz gerechtfertigt. Genauso wenig wie kleine Unternehmen von Schutzauflagen im Umweltrecht müssen Eckkneipen von Regelungen zum Gesundheitsschutz allgemein dispensiert werden, weil diese sie hart treffen. Verfassungsrechtlich ausreichend wären Härteregelungen zur Abmilderung des Übergangs. Nur insoweit, als auch solche fehlen, sind die angegriffenen Regelungen verfassungswidrig. Weitere Ausnahmen sind nicht geboten und entkräften das gesetzliche Schutzkonzept substantiell.

Verfassungswidrig wäre hingegen ein radikales Rauchverbot in Gaststätten ohne Ausnahme, worüber vorliegend nicht zu entscheiden war. Für den Schutz von Nichtrauchern ist ein solches Verbot bei bestehenden Nichtraucherräumen nicht erforderlich, und der Schutz von Eckkneipen vor Abwanderung von Gästen rechtfertigt es grundsätzlich nicht. Auch das Ziel der Suchtprävention kann es nicht tragen. Zwar hat der Gesetzgeber hier erhebliche Gestaltungsspielräume. Der Gesetzgeber kann aber nicht im Verbotswege das gesellige Beisammensein und Feiern bei Tabak, Speise und Trank völlig aus dem öffentlichen Raum verbannen. Eine solche kompromisslose Untersagung wäre unverhältnismäßig und trüge die Gefahr paternalistischer Bevormundung.

(Quelle: Pressemitteilung des Bundesverfassungsgerichts).

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Rauchverbot für Eckkneipen gekippt.

(Berlin/Karlsruhe, 30. Juli 2008) Das generelle Rauchverbot für kleine Kneipen und Bars ist verfassungswidrig. Das Bundesverfassungsgericht sah die zum Teil vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA Bundesverband) unterstützten Verfassungsbeschwerden als begründet an. Bis zu einer Neuregelung der Landesnichtraucherschutzgesetze bis 31. Dezember 2009 dürfen Einraumbetriebe mit einer ausschließlichen Schankkonzession und einer Größe von bis zu 75 Quadratmetern selbst entscheiden, ob sie einen Raucher- oder Nichtraucherbetrieb führen wollen. Der Besuch dieser Betriebe ist nur Gästen ab 18 Jahren gestattet. Der DEHOGA Bundesverband begrüßte das Urteil des höchsten deutsches Gerichts vom 30. Juli 2008.
"Wir freuen uns, dass das Bundesverfassungsgericht die Grundrechte der Wirte von Einraumbetrieben und ihre wirtschaftliche Betroffenheit entsprechend gewürdigt hat"
sagte Ernst Fischer, Präsident des DEHOGA Bundesverbandes, am Mittwoch in Karlsruhe. Nach Ansicht der Verfassungsrichter stellt das Rauchverbot für Einraumbetriebe einen unverhältnismäßigen Eingriff in das Grundrecht auf freie Berufsausübung der Unternehmer dar. Fischer betonte:
"Unsere Verfassungsbeschwerden waren kein Nein zum Nichtraucherschutz."
Entscheidend sei jedoch, welches Mittel gewählt werde, um Menschen vor unfreiwilligem Passivrauch zu schützen.

Mit Blick auf die existenzielle Betroffenheit der Unternehmer hatte der DEHOGA drei Klagen betroffener Wirte vor dem Bundesverfassungsgericht unterstützt.
"Denn während in den meisten Hotels und vielen Restaurants das Rauchverbot problemlos umgesetzt wird, leiden die getränkegeprägten Einraumbetriebe, in denen oft die Mehrzahl der Stammgäste Raucher ist, unter massiven Umsatzrückgängen"
berichtete der DEHOGA-Präsident. Die Gäste kämen seltener, konsumierten weniger oder blieben ganz weg.
"Umsatzverluste von durchschnittlich 30 Prozent sind nicht mehr durch Kostensenkungen aufzufangen"
machte Fischer deutlich.
"Tausende Kneipenwirte fürchten um ihre Existenz."
Der DEHOGA begrüßt zudem, dass das Bundesverfassungsgericht einen wesentlichen Wertungswiderspruch im Nichtraucherschutzgesetz von Baden-Württemberg gesehen und aufgehoben hat. Im Gegensatz zu Festzelten, die hier vollständig vom Rauchverbot ausgenommen sind, war es Discotheken nicht gestattet, einen separaten Raucherraum einzurichten. Nunmehr dürfen auch Discotheken, zu denen Besucher unter 18 Jahren keinen Zutritt haben, Rauchernebenräume schaffen und werden damit den übrigen Gaststättenbetrieben gleichgestellt. In diesem Raucherraum darf sich allerdings keine Tanzfläche befinden.
"Wir hoffen, dass nun die Landesgesetzgeber von ihrem Gestaltungsspielraum Gebrauch machen und die unterschiedlichen Interessen von Nichtrauchern, Rauchern und Unternehmern angemessen berücksichtigen"
so Fischer.

(Quelle: Pressemitteilung des DEHOGA Bundesverbandes).

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Beckstein steckt den Kopf in den Sand.

Der führungsschwache bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein behauptet wider besseres Wissen, in Bayern gebe es nach dem heutigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts keinen gesetzlichen Änderungsbedarf, da in Bayern ein "vollständiges Rauchverbot" gelte: "Beckstein zum BVG-Urteil Rauchverbot: Weiter Raucherclubs in Bayern ", in: Stadtmagazin München 24 vom 30. Juli 2008..

Wer behauptet, in Bayern gelte ein "vollständiges Rauchverbot", macht sich lächerlich. Es gibt Ausnahmen für Bier- und Festzelte (befristet bis zum Jahresende, also nach der Landtagswahl) und für Raucherclubs. Bayernweit wird die Zahl der Raucherclubs auf über 2000 geschätzt, in München sind es rund 800. In meiner Straße sind z.B. drei von vier Betrieben Raucherclubs. Siehe dazu auch: "Urteil könnte zu rauchenden Köpfen bei der CSU führen", in: Focus vom 30. Juli 2008.

Offensichtlich fehlt der CSU-Mehrheitsfraktion die Kraft, sich vor der Landtagswahl am 28. September 2008 auf eine weitere Novellierung des Gesundheitsschutzgesetzes zu einigen. Im laufenden Monat ist es bereits schon einmal "nachgebessert" worden ist.

Derweil wenden sich immer mehr Wähler von der CSU ab. Sie kommt nach der jüngsten Umfrage nur noch auf 48 Prozent. FDP und Freie Wähler, die sich mehr oder weniger deutlich gegen das Rauchverbot ausgesprochen haben, kommen auf 8 und 5 Prozent. In Mandaten gerechnet, würde die CSU damit nur noch 94 von 180 Abgeordneten stellen, 30 Sitze weniger als 2003.

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Das Rauchverbotsurteil des Bundesverfassungsgerichts gilt auch in Bayern und im Saarland.

Die "Frankfurter Rundschau" schreibt in ihrem Beitrag zur Würdigung des heutigen Urteils des Bundesverfassungsgerichts über das gesetzliche Rauchverbot in der Gastronomie:
"Aus dem Urteil des Ersten Senats folgt, dass gegenwärtig nur die Gesetze Bayerns und des Saarlands der Verfassung entsprechen. Denn in Bayern gilt in Gaststätten und Bierzelten bisher ein absolutes Rauchverbot. Im Saarland ist hingegen das Rauchen sowohl in inhabergeführten Eckkneipen als auch in abgetrennten Raucherzimmern von Mehrraumgaststätten erlaubt."
(Quelle: "Rauchverbot gekippt").

Beide Behauptungen sind falsch:
  • In Bayern tritt das Rauchverbot in Bierzelten erst ab dem 1. Januar 2009 in Kraft. Man kann sich also höchstens darüber streiten, ob ab dem kommenden Jahr das bayerische Nichtraucherschutzgesetz verfassungskonform wird. Zur Zeit ist es noch verfassungswidrig.
  • Im Saarland gilt die Befreiung vom Rauchverbot nur für solche Einraumgaststätten, in denen ausnahmslose nur der Inhaber selbst arbeitet. Siehe dazu: "Rauchverbot im Saarland". Das Bundesverfassungsgericht hat aber die Abwesenheit von Beschäftigten nicht zur Voraussetzung erklärt und auch nicht erklären können, weil der Gesundheitschutz der Arbeitnehmer in die Kompetenz des Bundes fällt. Geurteilt wurde aber über die Nichtraucherschutzgesetze der Bundesländer.
Für das Saarland hat dies der saarländische Gesundheitsminister mittlerweile auch eingesehen und gegenüber der dpa eingestanden:
"Die von Karlsruhe angeregten Ausnahmen seien im Saarland teilweise in dem seit dem 15. Februar geltenden Gesetz berücksichtigt. Dennoch werde mit dem Gaststättenverband Dehoga sobald wie möglich über Ergänzungen etwa für Einraumkneipen gesprochen werden."
(Quelle: "Positive Reaktionen auf Gerichtsurteil", in: Münchener Merkur vom 30. Juli 2008).

Das saarländische Parlament und die saarländische Regierung hätten sich die Karlsruher Ohrfeige sparen können, wenn man mit dem Branchenverband der Gastronomen gesprochen hätte, bevor man ein verfassungswidriges Gesetz beschließt.

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16 auf einen Streich.

Heute vormittag hat das Bundesverfassungsgericht mit einem Streich die Parlamente und Regierungen von 16 Bundesländern abgewatscht. Was machen die Verlierer? Sie schwätzen sich die Ohrfeigen schön. Beispielhaft die Reaktion des Kommunisten Dr. Benjamin-Imanuel Hoff, Staatssekretär im Berliner Senat für Gesundheit, Umwelt- und Verbraucherschutz (siehe: "Berlin will Reaktion auf Raucher-Urteil erst beraten", in: AFP vom 30. Juli 2008):
"Das ist ein schwarzer Tag für die Tabaklobby und ein guter Tag für den Gesundheitsschutz"
Warum könnt ihr professionellen Lügner nicht wenigstens einmal einfach zugeben, daß Euch dieses Urteil so weh tut wie ein Tritt in die Eier?

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Bundesverfassungsgerichtsurteil gilt auch in Bayern.

In der "Süddeutschen Zeitung" wirft Heribert Prantl, der Lautsprecher der bayerischen SPD unter den SZ-Redakteuren, die Frage auf, ob nach dem heutigen Urteil des Bundesverfassungsgerichts auch in bayerischen Eckneipen wieder geraucht werden darf: "Das Knallerbsen-Urteil aus Karlsruhe" vom 30. Juli 2008.

Bayern habe ein strengeres Gesetz als alle anderen Bundesländer und sei damit auf dem Papier nahe am absoluten Rauchverbot, witzelt Prantl. Seine Behauptung:
"In Bayern weiß daher jetzt keiner so genau, was eigentlich gilt."
Das ist ein Schmarrn. Tatsächlich erlaubt Bayern explizit das Rauchen in gastronomisch bewirteten Festzelten. Und faktisch ist der Freistaat übersät von legalen Raucherclubs, zu deren Gründung das zuständige Gesundheitsministerium Tipps verteilt. Sowohl vom Wortlaut des Gesetzes her, wie auch faktisch, gibt es Ausnahmen vom Rauchverbot. Man könnte, wenn man abends durch die Kneipen zieht, eher meinen, Gaststätten, in denen nicht geraucht werde, seien die Ausnahme. Deshalb ist auch das bayerische "Gesundheitsschutzgesetz" verfassungswidrig, solange es in Diskotheken kein Rauchernebenzimmer erlaubt und den Einraumgaststätten, wenn sie bestimmte Bedingungen (Zutrittsverbot für Kinder und Jugendliche, Konzession als Schankwirtschaft, Rauchern-erlaubt-Schild, Gastraumfläche unter 75 Quadratmeter) erfüllen, keine Option für das Rauchen überläßt.

Wenn eine bayerische Kommune glauben sollte, sie könne sich über das Bundesverfassungsgericht hinwegsetzen, wünsche ich ihr viel Spaß vor Gericht.

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Das hessische Sozialministerium spielt sich noch einmal auf.

Das hessische Sozialministerium hat den kommunalen Ordnungsämtern in Hessen empfohlen, das Rauchen in hessischen Kneipen mit nur einem Raum ab sofort wieder zu erlauben: "Auch Hessen kippt absolutes Rauchverbot", in: Handelsblatt vom 30. Juli 2008.

Diese Bemerkung hätten sich die ministerialen Wichtigtuer sparen können. Nach der heutigen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts ist auch das gesetzliche Rauchverbot in Hessen für Einraumgaststätten schlichtweg verfassungswidrig, wenn sie folgende Kriterien erfüllen:
  • Kein Zutritt für Kinder und Jugendliche
  • Gastraumgröße bis zu 75 qm
  • Konzession als Schankwirtschaft
  • der Gastronom erlaubt per Schild im Eingangsbereich das Rauchen.
Bereits laufende Ordnungswidrigkeitsverfahren sind einzustellen.

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Die deutschen Brauer begruessen die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Nichtraucherschutzgesetz.

30.07.2008. Die deutschen Brauer begrüßen das Urteil des Bundesverfassungsgerichts in Sachen Nichtraucherschutzgesetz als Ausdruck für mehr Wahl- und Berufsfreiheit ohne Aufgabe des Ziels des Gesundheitsschutzes.

Mit seinem Urteil hat das Bundesverfassungsgericht heute die Inhaber von Einraumgaststätten in ihrer Position ugestärkt, obwohl dies nur als Teillösung zu sehen ist. Die Tatsache, dass diesen Inhabern die Ausgabe von zubereiteten Speisen versagt wird, kann nicht ganz befriedigen. Eine Verpflichtung zu eindeutigen Hinweisen auf eine Raucherlaubnis bzw. ein Rauchverbot, wie sie ohnehin schon besteht, hätte aus Sicht des Deutschen Brauer-Bundes ausgereicht.
"Das Urteil ist grundsätzlich erfreulich vor allem vor dem Hintergrund, dass wissenschaftliche Erkenntnisse gezeigt haben, dass die Rauchverbote in der Gastronomie mehr politisch bzw. ideologisch bedingt sind, als sich auf fundierte Zahlen und Fakten zu stützen. Die Verbote bieten nämlich kaum einen Gesundheitsvorteil für Angestellte und Gäste. Nun gilt es Mittel und Wege zu nutzen, etwa durch eine entsprechende Kennzeichnung von Einraumgastsstätten, dem Gesundheitsaspekt gerecht zu werden, und trotzdem keinem einen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen"
so der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Rechtsanwalt Peter Hahn, in seiner Einschätzung des Urteils.
"Es muss heute konstatiert werden, dass durch das strikte Rauchverbot nicht nur die Gastronomien, sondern auch andere Branchen betroffen sind. Gerade die Brauwirtschaft leidet unter einem massiven Fassbierrückgang durch das Rauchverbot. Der Fassbieranteil ist in einigen Bundesländern, in denen das Verbot schon länger greift, nachweislich um ca. 15% rückläufig"
beschreibt Hahn das düstere Bild für die deutschen Brauer.

Nach Angaben eines Wirtschaftsforschungsinstituts wirkt sich das Rauchverbot insofern aus, dass die Verweildauer in den gastronomischen Einrichtungen gesunken ist, die Konsumenten eher nach Hause gehen und somit insgesamt weniger konsumieren.
"Man sollte auch wissen, dass Gefahr auch in einem anderen Bereich droht. So finanzieren Brauereien vielerorts die Gastronomen bei der Errichtung ihrer Gaststätte und erhalten von diesen Kreditrückzahlungen. Bei sinkendem Umsatz können die Gastronomen dem Kapitaldienst gegenüber den Brauereien nicht mehr gerecht werden, damit verschärft sich die finanzielle Situation für beide Partner zusätzlich"
ergänzt Hahn.

Die Regierungen der Bundesländer sind durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts nunmehr aufgerufen, die Vorgaben insofern abzuändern, dass die Einschränkungen der Berufsausübung nicht mehr unverhältnismäßig sein dürfen. Unter Berücksichtigung des Gesundheitsschutzes müssen nun alsbald Lösungen gefunden werden, die dann hoffentlich dazu beitragen, die Gefahr des Kneipensterbens abzuwenden.
"Nur durch schnelle, unbürokratische Lösungen kann die für Deutschland charakteristische Gastronomiekultur und einzigartige soziale Kommunikationsmöglichkeit in den tausenden Einraumgaststätten erhalten bleiben"
kommentiert Hahn abschließend den Richterspruch.

(Quelle: Pressemittteilung des Deutschen Brauer-Bunds).

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Eckkneipen duerfen wieder rauchen lassen - DEHOGA Thüringen begruesst Gerichtsentscheidung zum Rauchverbot,

Erfurt, 30.07.2008 / Mit dem heutigen Urteilsspruch des Bundesverfassungsgerichts wurde den Verfassungsbeschwerden gegen das Rauchverbot stattgegeben.

Der Geschäftsführer des DEHOGA Thüringen begrüßte die Entscheidung aus Karlsruhe:
"Es freut uns, dass die freie Berufsausübung der Beschwerdeführer vom Bundesverfassungsgericht entsprechend gewürdigt wurde. Damit ist ein ausnahmsloses generelles Rauchverbot für alle gastronomischen Betriebe vom Tisch. Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zeigt auch, dass generelle Verbote nicht immer der richtige Maßstab gesetzgeberischen Handelns sein können."
Das Gericht hatte klar entschieden, dass die Landesgesetze zum Nichtraucherschutz in Baden-Württemberg sowie Berlin mit den darin getroffenen Rauchverboten für Einraum-Betriebe ganz klar gegen das Grundrecht der freien Berufsausübung nach Artikel 12 Grundgesetz verstoßen. Jeder Unternehmer soll demnach Art und Qualität seines Angebots und die damit angesprochene Zielgruppe selber festlegen dürfen. Dieses Recht war durch die gesetzlichen Regelungen des Landesgesetze verletzt worden.

Die Landesgesetzgeber haben nun Zeit bis zum 31.12.2009 entsprechende gesetzliche Neuregelungen in den bestehenden Gesetzen zu schaffen, die Rücksicht auf die speziellen Bedürfnisse der getränkegeprägten Einraum-Gastronomen nehmen.

Ellinger hofft auf ein besonnenes Vorgehen bei der damit notwendig gewordenen Änderung des Thüringer Nichtraucherschutzgesetzes:
"Es geht um einen Nichtraucherschutz mit Augenmaß, der den unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten, so auch der Einraum-Wirte Rechnung trägt. Eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht kann diesem Ansinnen angemessen entsprechen. Der Schutz vor unfreiwilligem Passivrauch ist damit gewährleistet. Erfreulicherweise hat das Bundesverfassungsgericht mit seiner Entscheidung das Recht der Betreiber von Einraum-Lokalen gestärkt."
(Quelle: Pressemitteilung des DEHOGA Thüringen).

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Gesetzliches Rauchverbot in der Gastronomie ist verfassungswidrig.

Das Bundesverfassungsgericht hat die gesetzlichen Rauchverbote in der Gastronomie, soweit sie - wie in allen Bundesländern - Ausnahmen zulassen, aber keine Ausnahmen für Einraumkneipen und keine Rauchernebenzimmer für Diskotheken erlauben, für verfassungswidrig erklärt.

Politisch ist dies für alle, die gegen diese Regelungen gekämpft haben, ein schöner Erfolg. Er dürfte auch dem Image unserer Branche nützen und Politiker in Zukunft vorsichtiger werden lassen, wenn sie uns mal wieder ärgern wollen.

Tatsächlich geholfen hat diese heutige Entscheidung aber nur zwei Typen von Betrieben:
  • Diskotheken dürfen einen Raucherraum einrichten, in dem aber nicht getanzt werden darf.
  • Einraumkneipen mit bis zu 75 qm Gastraumfläche, die keine Erlaubnis als Speisegaststätte besitzen, ist es freigestellt, das Rauchen zu erlauben. Sie müssen jedoch Personen unter 18 Jahren den Zutritt verwehren und mit einem Schild im Eingangsbereich darauf hinweisen, daß das Rauchen erlaubt ist.
In der Sendung "ZDF Spezial" wurde der Staatsrechtler Prof. Dr. Michael Brenner von der Universität Jena zum Thema "zubereitete Speisen" befragt. Er ist mir deutlich geworden, daß er als Staatsrechtler keine Ahnung von gaststättenrechtlichen Détails hat. Er sagte, "Chips" oder "Nüsse" seien erlaubt, eine Currywurst nicht. Zum Thema "zubereitete Speisen" zitiere ich aus einem früheren Beitrag ("Fauler Kompromiss der fetten Koalition"):
"... die überwältigende Mehrzahl gastronomischer Betriebe besitzt eine Konzession als Speisewirtschaft. Es kommt dabei nicht auf die Sichtweise des Gastes an, was ein Restaurant sei, sondern auf die Frage, ob in diesem Betrieb zubereitete Speisen verabreicht werden dürfen. Da man jedoch die Zubereitung von Speisen und deren Fertigstellung und Ausgabe räumlich trennen kann, kann man durchaus auch 'Restaurants' betreiben, ohne als Speisewirtschaft konzessioniert zu sein. Umgekehrt kann man natürlich als Gastronom die Erlaubnis besitzen, Speisen zuzubereiten, aber darauf verzichten. Als Gast kann man - zumindest auf dem Teller - nicht erkennen, ob im Betrieb zubereitete Speisen verabreicht werden und ob ein Betrieb als Speise- oder Schankwirtschaft konzessioniert ist.

Anders ausgedrückt: nach diesem faulen Kompromiss könnte man alleine dadurch, daß man die Küche eines Restaurants rechtlich von der Gaststätte abtrennt und dann die in der Küche zubereiteten Speisen in die Räume der Gaststätte liefert, die Gaststätte als Schankwirtschaft betreiben und so das gesetzliche Rauchverbot in der Gaststätte umgehen. Oder zwei benachbarte Restaurants arbeiten im Tauschverhältnis. Die Küche des ersten Betriebs beliefert Gäste in den Gastraum des zweiten und vice versa. Dann könnten beide Betriebe als Schankwirtschaften betrieben werden. Beispiele gibt es bereits heute. So bezieht eine Gaststätte in Bamberg Speisen aus der Küche einer anderen Gaststätte im selben Gebäude. Nach dem faulen Kompromiss der fetten Koalition wäre in der liefernden Gaststätte das Rauchen verboten, in der belieferten Gaststätte nicht. Das verstehe wer will.

Lesen Sie dazu bitte auch einen wunderbar zynischen Kommentar 'Was ist eine Kneipe?' von Marcel Güsken, in: NDR Info vom 10. November 2006:
'Ist ein Salami-Sandwich in der Kneipe erlaubt? Darf man noch rauchen, wenn am Nebentisch Frikadelle mit Kartoffelsalat gereicht wird? Mit solchen Fragen werden sich ab heute die Juristen beschäftigen. Und wir sind sicher: Mit ein bisschen guten Willen dürfte eine entsprechende Klage bald den Europäischen Gerichtshof erreichen. Und dort als 'Jägerschnitzel-Dilemma' Rechtsgeschichte schreiben.'"
Anders ausgedrückt: Dieses Urteil ist zwar sehr erfreulich, aber es wirft wiederum viele neue Fragen auf.

Das Bundesverfassungsgericht hat den Gesetzgebern auch die Option gelassen, ein ausnahmsloses Rauchverbot in der Gastronomie zu verhängen. Meines Erachtens wid sich das aber keine Landesregierung mehr trauen. Gebrannte Kinder scheuen das Feuer.

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"Familien mit Kindern stroemten in die Lokale".

Statt Fakten zu präsentieren, schwelgen die Spiegel-Autoren Annett Meiritz, Corinna Kreiler und Sebastian Fischer in ihrem Artikel "Feierabendkippe contra Frischluftrecht" vom 30. Juli 2008 in lyrischer Prosa:
"Doch als das Papier in der CSU-Landtagsfraktion beraten wurde, nahm es der 'eiserne Georg' in die Mangel. Der neue Fraktionschef Georg Schmid drückte der Regelung seinen Stempel auf - sie wurde prompt verschärft: Gaststätten und Bierzelte sollten nun komplett qualmfrei bleiben. Die Nichtraucher jubelten, Familien mit Kindern strömten in die Lokale."
Ich kenne keinen einzigen Kollegen, bei dem nach Einführung des gesetzlichen Rauchverbots in der Gastronomie plötzlich "Famillen mit Kindern in die Lokale geströmt" sind. Statt Sprüche zu klopfen, hätte man recherchieren sollen.

Nebenbei: Vielleicht sieht sich Georg Schmidt selbst als "Eiserner Georg", in Anspielung auf den "Eisernen Gustav" oder der "Eisernen Kanzler". Sein wirklicher Spitzname "Schüttel-Schorsch" klingt nicht ganz so maskulin. Der "Eiserne Georg" ist vielmehr ein Denkmal in Krefeld. Aber vieleicht hat Georg Schmidt dort auch schon mal bayerischen Touristen die Hände geschüttelt.

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Bibliotels sind: Urlaub mit Lizenz zum Reisen.

Die Angebotsgruppe der Bibliotels verbindet erstmals Reisen und Lesen symbiotisch miteinander. Verlagswelt, Buchhandel, Bibliotheken, Literaturhäuser und Tourismusbetriebe kooperieren, damit Urlauber der Leselust praktisch uneingeschränkt frönen können. Die Initiatoren rechnen mit ca. 150 Mitgliedsbetrieben und mehr als 700.000 Büchern, die mehr gelesen werden.

Eine vollkommen neue Art des Reiseerlebnisses wird LeserInnen durch eine Gruppe von Beherbergungsbetrieben in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Italien versprochen. In den Bibliotels finden UrlauberInnen alle Voraussetzungen für lustvolle Ferientage mit Leseschwerpunkten.

Lesen ist "In" und wird als wertvolle Art der Sinngebung und Bildung durch die Umsetzung der Bibliotel-Idee maßgeblich gefördert. Denn wo liest es sich besser, wo lustvoller, als im Urlaub?

Qualitätskriterien sorgen für eindeutige Standards

Von den Unterkünften einzuhaltende Qualitätskriterien bilden das Zentrum des Angebotes. Dadurch werden Standards garantiert. Dem Reisenden wird die "Orientierung" innerhalb der Leseunterkünfte erleichtert.

Lesen versus Fernseher

Nur 27 Prozent der ÖsterrreicherInnen haben in den letzten zwölf Monaten kein Buch gelesen. Demnach lesen 73 Prozent oder zirka sechs Millionen ÖsterreicherInnen mindestens ein Buch pro Jahr (IMAS). Laut Institut für Demoskopie Allensbach ist die Zahl der Buchkäufer in Deutschland in den letzten zehn Jahren von 54 auf 59 Prozent gestiegen. Das heißt, mindestens 48 Millionen Deutsche sind potentielle BuchhkäuferInnen. Diese Zahlen zeigen, dass viele Menschen gerne lesen. Wenn aber viele Menschen gerne lesen, muss lesen ein Bedürfnis sein – Bedürfnisse begründen einen Markt.

Lesend reisen - reisend lesen

Aus dieser Erkenntnis heraus entwickelte die Innovationswerkstatt das Tourismusprodukt der "Bibliotels". Insgesamt wird die Zahl der Bibliotels auf ca. 200 Betriebe limitiert. Dies deshalb, da es eine mengenmäßig größere Kooperation sehr schwierig machen würde die hohen Qualitätsstandards zu garantieren.

Die Marke der Bibliotels wird perfekt auf die Zielgruppe der LeserInnen abgestimmt dazu beitragen, "Lesen" als Reisemotiv zu verstärken und die Lust nach dem geschriebenen Wort zu befriedigen, sowie die Lust auf das Entdecken neuer Welten, Geschichten, Mystik und Spannung, Lebensgefühl, Genuss, Bereicherung und Sichterweiterung zu wecken. Durch garantiert erfüllte Qualitätskriterien erwarten den Gast in allen Bibliotels definierte Standards.

Kategorisierung der Betriebe nach "Büchern"

Je nach Intensität in Richtung Lesen werden die Bibliotels in vier unterschiedlichen Kategorien antreten. Zwei, drei, vier oder fünf Bücher werden, je nach Ausrichtung, vergeben und zeigen dem Konsumenten klar und deutlich was er im Bibliotel in Sachen Bücher erwarten darf. Die Kategorisierung trifft keine Aussage über die allgemeine Qualität – diese ist in allen Bibliotels auf sehr hohem Niveau angesiedelt und Grundvoraussetzung für die Aufnahme in die Gruppe – sondern zeigt lediglich die Intensität in Sachen Bücher.

So findet der Gast in einem Bibliotel mit zwei Büchern kategorisiert eine Bibliothek von mindestens 300 Büchern vor und im Fünf-Buch-Bibliotel eine von mindestens 1.500.

Das klare Produktversprechen in Sachen Lesen und Reisen

Die Produktvielfalt wird in der Angebotsgruppe in zweierlei Hinsicht gepflegt: Die Bibliotels sind geographisch in schönen und ausgewählten Tourismusregionen angesiedelt und Bibliotels gibt es in allen Beherbergungstypen, denn Lesen ist auf einer Almhütte genauso gut möglich, wie in einer Privatpension oder einem 5-Stern-Hotel.

Entscheidend für die Teilnahme ist die klare Ausrichtung auf den Leser/die Leserin, die Einhaltung der Kriterien und nicht der Unterkunftstyp.

Die Kriterien – ein Produktversprechen in Sachen Lesen und Reisen

Neben einer sehr gut sortierten Bibliothek und einer umfangreichen Bücherauswahl überraschen Bibliotels mit Hörbüchern, MP3 Playern und zum Grossteil auch fremdsprachiger Literatur. Bei der Buchung wird ein Wunschbuch angegeben, das vom Beherbergungsbetrieb besorgt wird und bei der Ankunft bereits lesebereit am Zimmer liegt. Tageszeitungen und aktuelle Zeitschriften runden das Leseangebot ab. Auf Wunsch warten bis zu zehn ausgesuchte Titel im Zimmer darauf "verlesen" zu werden.

"Leseinfrastruktur" wie Hängematten, Lesesäcke, Lesestühle und kuschelige Sofas "versüßen" das Lesevergnügen in Freizeit und Urlaub. Themenräume, das sind ausgesuchte Orte an denen die Lesephantasie besonders angeregt wird, sind gestaltet und warten darauf "erlesen" zu werden.

Lesen während der Mahlzeiten – im Fall der Buchung von Halbpension – wird gerne gesehen. Ein Langschläferfrühstück sorgt dafür, dass Wohlfühlen bereits beim Frühstück beginnt und durch ein durchgehendes Roomservice (9.00 Uhr bis 23.00 Uhr) nicht endet.

Garantierte Qualität

Es ist drin was drauf steht. Alle Bibliotels unterwerfen sich einer strengen Qualitätskontrolle und werden – im Wiederholungsfall – bei Verstößen gegen die Kriterien aus der Gruppe ausgeschlossen. Dadurch ist garantiert, dass der Gast seinen Lesefreuden in allen Bibliotels in gleichbleibender Qualität bei gleichzeitiger hoher Individualität, frönen kann.

Sinnvolle Kooperationen

Durch Kooperationen mit Unternehmen aus der "Welt der Bücher" wird die Qualität auch in diesem Bereich garantiert. Nicht jeder Hotelier ist ein Buchhändler und nicht jeder Buchhändler Hotelier.

Der Zusammenschluss von Verlagen, Buchhandlungen, Literaturhäusern und anderen "Mitspielern" aus der Welt der Bücher mit den Bibliotels ermöglicht es der Gruppe ein hochwertiges Tourismusprodukt anzubieten, dass mit dem entscheidenden MEHR Vorteile für alle Beteiligten bringt.

Bücherwelt:

Lesen wird gefördert, aus Verballesern werden Realleser. Die Initiatoren erwarten binnen drei Jahren ca. 700.000 Bücher die MEHR gelesen werden.

Beherbergungswelt:

Lesen findet an 365 Tagen im Jahr statt. Dadurch kommt es zu Auslastungssteigerung und Saisonentzerrung.

Konsumentenwelt:

Gäste können sich der Leselust uneingeschränkt und in Betrieben, die optimale Voraussetzungen dafür anbieten hingeben.

Durch diese sinnvolle Symbiose wird das Produkt zu einer Mischung aus Tourismus- und Buchprodukt und hebt sich in die Nähe eines Bildungsauftrages. Aus der Sicht des Produktentwicklers
"Nicht, dass man ohne Lesen nicht Reisen könnte, oder ohne Reisen nicht Lesen, aber lesend reist es sich besser und reisend liest es sich besser. In den Bibliotels finden Urlauber, die der Leselust uneingeschränkt frönen wollen ideale Bedingungen vor"
erzählt uns Sebastian Mettler, Tourismusinnovator. Seine Innovationswerkstatt ist auf die Entwicklung und Umsetzung touristischer Produkte spezialisiert, so wurden zum Beispiel Produkte wie der Salzburger Bauernherbst, die Sanfte Mobilität, die Schifffahrt auf den Trumer Seen und viele mehr vom touristischen Vordenker entwickelt.

Die ehrgeizigen Ziele der Innovationswerkstatt fügen sich nahtlos in die hohen Qualitätsstandards der Betriebe ein. In drei Jahren sollen 150 Bibliotels in unterschiedlichen Kategorien und Ausprägungen für Gäste buchbar sein. Die Marke wird in der Planung der "Erfinder" zumindest in allen deutschsprachigen Ländern als feste Größe am Markt positioniert werden.

(Quelle: Pressemitteilung von Bibliotels).

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Zum Rauchen nach Polen.

Der "Spiegel" hat ein Video veröffentlicht, in dem Gastronomen in Brandenburg über die Abwanderung von Rauchern nach Polen berichten, wo es kein gesetzliches Rauchverbot in der Gastronomie gibt: "Dicke Luft in Brandenburg: Zum Rauchen nach Polen".

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Wahlpruefsteine des BHG zur bayerischen Landtagswahl.

Der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband hat seine "Wahlprüfsteine zur bayerischen Landtagswahl am 28. September 2008 veröffentlicht.

Ein paar Anmerkungen dazu:
  1. Die Einführung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Produkte und Dienstleistungen im Gastgewerbe wäre zwar nicht schlecht. Dafür ist jedoch der Bundestag zuständig. Zuvor müßte die Europäische Union dies erlauben (was diese auch will, aber an der Bundesregierung scheitert).
  2. Auch die geforderte Abschaffung der Erbschaftssteuer ist Sache des Bundes.
  3. Der abgelehnte gesetzliche Mindestlohn ist zwar in erster Linie Bundesangelegenheit, aber auch der Landesgesetzgeber könnte aktiv werden, wie in Nordrhein-Westfalen geschehen.
  4. Die angemahnte Deregulierung des Jugendarbeitsschutzgesetzes ist inhaltlich vernünftig, aber auch Angelegenheit des Bundes.
  5. Die Gesetzgebungskompetenz für das Gaststättengesetz liegt nach der Föderalismusreform beim Land. Der BHG macht sich für Zugangsbeschränkungen stark, konkret für in einer Prüfung nachzuweisende hygienische Grundkenntnisse als Voraussetzung für den Erhalt einer gaststättenrechlichen Erlaubnis zum Betreiben einer Gaststätte. Diesen Branchenegoismus ist menschlich verständlich. Politisch vernünftiger und auch leichter durchsetzbar wäre es meines Erachtens, dafür zu kämpfen, Brancheneintrittsbarrieren von Wettbewerbern anderer Branchen wie Bäcker und Metzgern nieder zu reißen.
  6. Verlangt wird, die Öffnungszeiten für die Außengastronomie mindestens bis 23 Uhr zu verlängern. Im Kern tangiert dies die Technische Anleitung Lärm und die ist bundeseinheitlich. Praktisch scheren sich viele Gemeinden darum einen feuchten Kehricht. Wo kein Kläger ist (etwa ein Streithansl in der Nachbarschaft), ist auch kein Richter.
  7. Die Position des BHG zum gesetzlichen Rauchverbot erfährt in den Wahlprüfsteinen eine wiederholte Wendung: Jetzt ist man überraschenderweise wieder für eine Abschaffung (verschämt "Aussetzung" genannt).
  8. In Bezug auf die Verwertungsgesellschaften wird verlangt, das Urheberrechtsgestz zu ändern, um Forderungen nach zusätzlichen Gebühren abzuwehren. Auch diese Bundesangelegenheit ist als Wahlprüfstein für Landtagswahlen ungeeignet.
  9. Die Forderung nach einer grundlegenden Reform des öffentlich-rechlichen Rundfunks richtet sich insoweit an den richtigen Ansprechpartner, als eine Änderung des Rundfunkstaatsvertrages auch von Bayern aus angestoßen werden könnte. Alternativ wird eine Absenkung der Hotelpauschale von 25 Prozent gefordert.

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Sperrzeitverkuerzung braucht belegbare Gruende.

Der Gastronomie Report berichtet über ein Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs zur Sperrzeitverkürzung: "Sperrzeit in Gerolzhofen". Détails siehe: "BHG-Mitgliedsbetrieb gewinnt Normenkontrollverfahren vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof", in: Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband vom 16. Juli 2008.

Dieses Urteil ist über den konkreten Fall hinaus wichtig. Das Gericht macht damit deutlich, daß eine Kommune bei Auflagen für Gaststätten wie etwa einer generellen oder stadtteilsbezogenen Sperrzeitverkürzung nicht frei Schnauze verfahren kann. Sie muß das öffentliche Bedürfnis für eine Sperrzeitverkürzung belegen und eine behauptete Ruhestörung konkret für jeden einzelnen Betrieb nachweisen.

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Dienstag, Juli 29, 2008

Jammerlappen.

Ausgerechnet ein Politiker der SPD, der wegen schlechtem Service die Hälfte ihrer Mitglieder und Millionen ihrer Wähler abhanden gekommen sind, zieht über die Gastronomie her. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Lothar Binding, der vorausschtlich nicht mehr in den nächsten Bundestag gewählt werden wird, soll laut der Meldung "Verfassungsrichter entscheiden über Rauchverbot", in: Hamburger Morgenpost vom 29. Juli 2008, gesagt haben, anstatt wegen des gesetzlichen Rauchverbots in der Gastronomie zu jammern, sollten Gastwirte den Service verbessern.

Merke, Ex-Raucher Binding: Gastronomen jammern nicht. Sie nehmen Euch die Lufthoheit über über den Stammtischen, sie ignorieren Eure Gesetze oder ziehen dagegen vor Gericht und sie bekommen immer häufiger recht.

Nicht vergessen: Morgen früh ab 9.50 Uhr übertragen ARD und ZDF und weitere Fernsehsender live die Verkündigung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über drei Verfassungsbeschwerden von Kollegen: "Auch ARD uebertraegt Bundesverfassungsgerichtsentscheidung ueber Rauchverbot live".

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Verwaltungsgericht Koblenz verneint GEZ-Pflicht von PC's in Rechtsanwaltsbueros.

In seinem Beitrag "Gericht: PCs im Anwaltsbüro sind nicht GEZ-pflichtig", in: lawblog vom 29. Juli 2008, berichtet der Rechtsanwalt Udo Vetter über ein - zu meinem Erstaunen - vernünftiges Urteil des Verwaltungsgericht Koblenz. Dieses Gericht ist gar nicht so weltfremd und kennt sogar den Unterschied zwischen einem Radio bzw. Fernsehapparat und einem Personal Computer. Ich hoffe, daß sobald das Urteil rechtskräftig geworden ist, es auch auf PCs in gastronomischen Betrieben gleichermaßen angewandt werden kann. Wir Gastronomen haben vermutlich noch weniger Zeit, uns am PC Fernsehsendungen oder Hörfunksendungen anzuschauen, als die im Branchendurchschnitt zeitlich eher weniger ausgelasteten Anwälte.

Feedjit Live Stats.

Wer besucht gerade dieses Blog, das Sie gerade lesen? Von welcher Website kommt er, aus welchem Land? Wohin geht er? Welchen Browser verwendet er, welches Betriebssystem? Kommt der Besucher von einer Suchmaschine, nach welchen Suchbegriffen hat er gesucht? All dies kann mann man jetzt real-time verfolgen: FEEDJIT LIVE - Live Stats for abseits.de - updating in real-time (beta).

Der Titel ist nicht ganz richtig. Ich lasse zur Zeit per Feedjit nur das den Feed des Blogs "Gastgewerbe Gedankensplitter" analysieren, nicht auch die statischen Webseiten von Abseits.de. Abseits.de ist 1998 entstanden, als Blogs (mir) noch unbekannt waren. Das Blog "Gastgewerbe Gedankensplitter" ist 2002 hinzu gekommen.

Montag, Juli 28, 2008

Geisterfahrer.

Wenn einem alle auf der Autobahn entgegen kommen, sollte man nicht glauben, der einzige zu sein, der auf der richtigen Spur ist. In fast allen Kommunen Nordrhein-Westfalens werden Raucherclubs akzeptiert, wie sie auch der DEHOGA Nordrhein-Westfalen empfiehlt ("DEHOGA NRW: Unterstuetzung von Raucherclubs"). Überall? Nein, Dr. Uwe Friedl, CDU, ein zugereister Berater, seit 1999 Bürgermeister von Euskirchen, glaubt es besser zu wissen wie der Rest des Landes: "Wirte wütend über Amtswillkür", in: Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung vom 27. Juli 2008.

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Sonntag, Juli 27, 2008

Den Mund spitzen, aber nicht pfeifen.

Da mache ich mir aber in die Hose: "SPD-Expertin droht Ländern mit Bundesgesetz zu Rauchverboten", in: AFP vom 27. Juli 2008:
"... muss man überlegen, ob man nicht doch noch einmal auf der Bundesebene aktiv wird.."
Vielleicht sollte Dr. Carola Reimann, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, nachdenken und sich erst danach an die Öffentlichkeit wenden. Auch wenn die Sauregurkenzeit lockt und Abgeordnete auf den hinteren Bänken froh sind, ihre Namen in der Zeitung zu lesen.

Die Idee, ihren Gesetzesentwurf für ein gesetzliches Rauchverbot in der Gastronomie noch einmal in den Bundestag einzubringen, ist gewagt. Damit haben sich die Antiraucherfanatiker schon einmal den Mund verbrannt (siehe dazu: "Keine Bundestagsmehrheit fuer ein gesetzliches Rauchverbot in Gaststaetten"). Glaubt Dr. Carola Reimann wirklich, ihre Kollegen wären so blöde, sich kurz vor der Bundestagswahl 2009 mit uns Gastronomen anzulegen? Vielleicht sollte sie bei der CSU-Landtagsfraktion nachfragen, den Experten für die Erregung öffentlichen Ärgernisses, was es heißt, von den Wählern für ein Rauchverbot abgestraft zu werden.

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Samstag, Juli 26, 2008

Qualitaetsjournalismus à la Stern.

Der "Stern" war im letzten Jahrtausend bekannt für seine guten Recherchen (sagen wir mal vor der "Hitler-Tagebüchern"). In der letzten Nummer widmet er sich auch dem Rauchverbot: "Rebellion der Raucher". Darin heißt es:
"Das Statistische Bundesamt ermittelt die monatlichen Umsatzzahlen der Gastronomie, und wenn man sich den längerfristigen Verlauf anschaut, fällt auf, dass das Geschäft seit Jahren kontinuierlich zurückgeht, gerade in der sogenannten getränkegeprägten Gastronomie. Das hat vor allem mit der alltäglichen Kostenexplosion zu tun, mit dem Konsumklima. Das Rauchverbot fällt in diesen Statistiken jedenfalls nicht auf."
Schlecht recherchiert. Das Bundesverfassungsgericht hat das Statistische Bundesamt diesbezüglich gefragt. Die Qualitätsjournalisten vom "Stern" hätten aber nicht einmal beim Statistischen Bundesamt oder dessen Presseabteilung selbst nachfragen müssen, statt amateurhaft deren Statistiken zu interpretieren. Es hätte gereicht, die von uns veröffentlichte Pressemitteilung nachzulesen, wenn man schon so schlampig recherchiert, daß man die Pressemitteilung Nr. 207 "Rauchverbote und Umsätze im Gaststättengewerbe" des Statistischen Bundesamtes vom 6. Juni 2008 im Online-Archiv des Statistischen Bundesamtes nicht findet: "Rauchverbote und Umsaetze im Gaststaettengewerbe" vom 6. Juni 2008. Was kann man der folgenden Kernsatz der Pressemitteilung falsch verstehen?
"Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat die Umsatzentwicklung in Ländern mit und ohne Rauchverbot in Gaststätten miteinander verglichen, um mögliche Auswirkungen der Nichtraucherschutzgesetze auf den Umsatz des Gaststättengewerbes festzustellen. In der getränkegeprägten Gastronomie gingen danach die Umsätze im dritten Quartal 2007 im Vergleich zum Vorjahresquartal in den Bundesländern mit Rauchverbot (Baden-Württemberg und Niedersachsen) real um 9,8% zurück, in den übrigen Bundesländern dagegen um 6,8%. Im vierten Quartal 2007 wurde auch in Hessen ein Nichtraucherschutzgesetz eingeführt. In diesem Quartal gingen in den Bundesländern mit Rauchverbot die realen Umsätze gegenüber dem Vorjahresquartal mit 14,1% erneut stärker zurück als in den übrigen Bundesländern (- 8,8%)."

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Eine Milchbar am Lift.

Manche Hotels haben Schwierigkeiten, ihre Hotelrestaurants voll zu bekommen. Vor allem Nichthotelgäste zögern, sie zu betreten, nicht zuletzt wegen eines spießigen Images und weil die Preise nicht selten höher liegen als in der lokalen Gastronomie.

Ganz anders das 5-Sterne-Hotel "Thurnher's Alpenhof" im östereichischen Wintersportort Zürs im Zentrum von Arlberg. Das Mitglied von "The leading hotels of the world" hat 150 Meter vom Hotel entfernt, direkt neben dem Lift, kürzlich ein Café-Bistro eröffnet. In der so genannten "Thurnher's Milchbar" gibt es nicht nur Milch und Milchprodukte, sondern Brotkreationen mit Büffelmozerella, Auberginen, Vulcano Schinken, Lachs und viele mehr sowie ein exklusives Milchbarfrühstück, täglich wechselnde Mittagsgerichte, eine feine Patisserie, Kuchen und Desserts und Kaffee. Zum Mitnehmen auf die Piste gibt es Spezialitäten wie Trüffel-Filets oder mit Speck ummantelte Zwetschken.

Mehr über das historische, aber auch hochaktuelle Retro-Konzept der "Milchbars".

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Studie zum Thema "Entwicklung des Luxusverstaendnisses in der internationalen Hospitality Industrie".

Zarges von Freyberg Hotel Consulting veröffentlicht Studie zum Thema "Entwicklung des Luxusverständnisses in der internationalen Hospitality Industrie" in Zusammenarbeit mit der Hochschule München.

München, Juli 2008. Die Frage "was ist Luxus?" beschäftigt Produktentwickler und Marketingexperten in allen Branchen. Wie prägt sich das Phänomen aus und warum streben alle danach? Die Antworten sind mannigfach und kontrovers.

Analog dem boomenden Hype um Luxuskonsumgüter erfreut sich auch die internationale Luxushotellerie einer stetig steigenden Nachfrage. Mit neuen und immer ausgefalleneren Angeboten und Dienstleistungen wetteifern Luxushotels global um die Gunst der Luxussuchenden.

Um empirisch untermauerte Antworten hinsichtlich der Entwicklung des Luxusverständnisses in der Hotellerie zu finden, veröffentlicht das Beratungsunternehmen Zarges von Freyberg Hotel Consulting in Zusammenarbeit mit der Fakultät Tourismus an der Hochschule München eine Studie. In den vergangenen sechs Monaten wurden über 50 Experteninterviews mit leitenden Angestellten herausragender Luxushotels rund um den Globus geführt. Hierbei offenbarten sich vier zentrale Gegenpole, die den heutigen Luxusgedanken in der Hotellerie klar umreißen.

Kaum ein anderer Begriff wird so oft fächerübergreifend diskutiert wie der Luxusbegriff. Zu allen Zeiten haben sich Theologen, Wirtschaftswissenschaftler, Philosophen und Politiker mit diesem Thema auseinander gesetzt und vertreten je nach Epoche und gesellschaftlichem Umfeld eine unterschiedliche Einstellung zum Thema Luxus. Bis in die heutige Zeit hinein ist der Luxusbegriff Gegenstand lebhafter Kontroversen. Während die einen Luxus für politisch unerwünscht und auf Grund langer Tradition für unmoralisch halten, sehen andere im Luxus den Grund dafür, dass ökonomische Austauschprozesse in Gang gesetzt werden und somit die Wirtschaft angekurbelt wird. Auch heute noch ist Luxuskonsum ein "Gradmesser sozialer Geltung".

Offensichtlich erscheint, dass Luxus von der ganz persönlichen Ausgangslage abhängig ist. Die individuellen Begeisterungsfaktoren sind es, deren Erleben zum Luxus und dem damit verbundenen Glücksgefühl führen.

In Zusammenarbeit mit der Fakultät für Tourismus an der Hochschule München gibt Zarges von Freyberg Hotel Consulting eine Studie zum Thema "Entwicklung des Luxusverständnisses in der internationalen Hospitality Industrie" heraus. Die Untersuchung basiert sowohl auf einer Literaturanalyse von Artikeln der letzten drei Jahre wichtiger internationaler Fachjournale als auch auf einer gezielten Befragung von einer Auswahl von 50 Meinungsführern in der internationalen Luxushotellerie. Dabei wurden im Detail die Positionierung und Konzeptionierung klassischer Grand Hotels, heutiger Luxushotels der Hotspots Dubai & Co. sowie der idealtypischen Luxushotelkonzepte der Zukunft dargestellt und miteinander verglichen.

Die Auswertung der im Rahmen der Studie geführten Interviews liefert folgende Kernergebnisse:
  • "Ideal statt Material".

    Das Phänomen Luxus ist aus seiner relativ starren, materiellen Konzeption "ausgebrochen" und offener geworden. Diese Offenheit bezieht sich zum einen auf den Zugang zu Luxus bzw. dessen Verfügbarkeit und zum anderen auf das Luxusverständnis, das nicht mehr nur durch materielle Komponenten bestimmt wird, sondern sich zunehmend über ideelle Werte und Erlebnisse definiert. Bezogen auf die Hotellerie verliert beispielsweise die traditionelle Sterneklassifizierung an Bedeutung.

  • "Rückzug statt Öffentlichkeit"

    Der Wandel von der materiellen Luxuskonzeption hin zu einem immateriellen Luxusverständnis geht einher mit dem Rückzug des demonstrativen Luxus aus der Öffentlichkeit zum individuellen Luxus in der Privatsphäre. Die neue Offenheit des Luxus zeigt sich beispielsweise darin, dass Luxus in der Hotellerie nicht mehr steif und elitär ist, sondern jünger und moderner.

  • "Vielfalt statt Einfalt"

    Luxus zeigt sich in den unterschiedlichsten Ausführungen: Alternative Konzepte, die die Philosophie "Weniger ist Mehr" vertreten, Hotels, die sich auf eine bestimmte Nische spezialisiert haben und darin absoluten Luxus bieten, und die traditionellen Luxusmarken wie Ritz-Carlton oder Four Seasons bestehen nebeneinander auf dem Markt. Während früher viele Luxushotels durch perfektes Design überzeugen konnten, das zwar gut aussah, aber teilweise unpraktisch war, wird Luxus nun wieder funktionaler und komfortabler.

  • "Human Touch statt Tech"

    Da vor allem bei der Hardware immer höhere Standards gesetzt werden, die austauschbar sind, ist Service das eigentliche Luxuselement. Hier ist eine starke Personalisierung zu beobachten, der "Human Touch" ist entscheidend. Man möchte flexibel auf Gästewünsche eingehen und dem Gast individuelle Erlebnisse bieten. Für Hoteliers und ihre Gäste verbirgt sich deshalb hinter dem Thema Luxus zunehmend ein ganz einfaches, grundlegendes Bedürfnis, das mit allem Geld der Welt nicht zu erwerben ist. Ein herzliches Lachen, eine nette Geste oder einfach eine kleine Aufmerksamkeit machen im Zeitalter der Anonymität und Schnelllebigkeit manchmal das Quäntchen Luxus aus.
Quintessenz der Studie

Das Phänomen Luxus und damit auch der Begriff Luxushotellerie befindet sich im stetigen Wandel und in Abhängigkeit davon, welchen Sehnsüchten der einzelne folgt oder bewusst nicht folgt, gemäß dem Motto: "Das Überflüssige ist das zutiefst Notwendige, weil es der Wunsch der Freiheit ist."

Im Januar 2008 haben Stephanie Zarges und Dr. Burkhard von Freyberg das international ausgerichtete Beratungsunternehmen Zarges von Freyberg Hotel Consulting in München gegründet. Als ideale Ergänzung verstärkt Dr. Beatrice Zarges, Inhaberin von Thurnher's Alpenhof, einem der wenigen Leading Hotels of the World in Österreich, das dynamische Unternehmerteam mit ihrer langjährigen Erfahrung und ihrem operativen Know-How. Zarges von Freyberg Hotel Consulting hilft bestehenden Hotels, ihre Marktposition auszubauen, zu optimieren bzw. neu auszurichten und unterstützt neue Hotelentwicklungen mit Standort- und Machbarkeitsanalysen. Fokussiert wird dabei die gehobene Individualhotellerie sowie ein ganzheitlicher Beratungsansatz, der auf drei Säulen basiert. Aufbauend auf einer Analyse der bestehenden Strukturen und der Entwicklung von zielgerichteten Strategien, begleiten die Berater ihre Mandanten bei der praktischen Umsetzung maßgeschneiderter Konzepte und beim Aufbau von Alleinstellungsmerkmalen. Darüber hinaus übernehmen die Experten das Controlling der betrieblichen Abläufe. In aktuellen Projekten konzentriert sich Zarges von Freyberg Hotel Consulting auf die Neu- bzw. Umpositionierung von ehemaligen Kurhotels, den Aufbau von neuen exklusiven Hotelvorhaben sowie die Prüfung von Erweiterungsvorhaben von privat geführten Häusern.

(Quelle: Pressemitteilung der Zarges von Freyberg GmbH).

Mehr über die "Zarges von Freyberg Consulting GmbH"

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Donnerstag, Juli 24, 2008

Auch ARD uebertraegt Bundesverfassungsgerichtsentscheidung ueber Rauchverbot live.

Gerade habe ich gelesen, daß auch die ARD die Entscheidung über drei Verfassungsbeschwerden des Bundesverfassungsgerichts am 30. Juli 2008 live überträgt: "ARD überträgt Urteil zum Rauchverbot live", in: Berliner Kurier vom 24. Juli 2008. Das ZDF ist mit seiner Ankündigung schneller gewesen: "ZDF uebertraegt Verkuendigung der Entscheidung des Bundesverfassungs ueber das gesetzliche Rauchverbot in der Gastronomie".

Dabei hält der ARD-Rechtsexperte Karl-Dieter Möller ein Schwätzchen mit dem ehemaligen Bundesverfassungsrichter Hans-Hugo Klein.

Im Frühjahr 2007 bin ich gefragt worden, warum ich in diesem Blog so häufig über das Rauchverbot schreibe (ich muß zugeben, es hing mir damals schon ein wenig zum Hals raus). Damals habe ich geantwortet:
"Mein Engagement in der Rauchverbotsfrage ist gar nicht so persoenlich engagiert wie es aussieht. Ich rauche selbst auch nicht. Ich habe nur vor einiger Zeit aufgrund der heftigen Debatten im Ausland vermutet, dass das mal ein ziemlich heftiges Thema auch in Deutschland wird und wollte Abseits.de entsprechend positionieren (die DEHOGA, Ingrid Hartges in Berlin, hat ja ziemlich schwankend agiert). Das Thema wird wohl auch noch einige Zeit interessant sein - zumindest bis Fruehjahr 2008, also bis zur Umsetzungsphase."
Zugegeben: Ich habe die Dauer des öffentlichen Ineresses unterschätzt. Ich habe auch nicht zu träumen gewagt, daß beide öffentlich-rechtlichen Sender diese Frage so wichtig nehmen und eine diesbezügliche Urteilsverkündigung live übertragen.

Und Frau Hartges kämpft mittlerweile wie eine Löwin.

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Bionade verliert Prozess aber nicht das Gesicht.

In meinem Beitrag "Juristischer Streit zwischen Bionade und BiOS eskaliert" bin ich auf den jüngsten Rechtsstreit zwischen den Streithanseln Bionade und Bios eingegangen. Heute hat das Düsseldorfer Landgericht gegen Bionade entschieden: "Bionade verliert Brauseduell", in: Financial Times Deutschland vom 24. Juli 2008.

Abgesehen von den Kosten des Rechtsstreits wird Bionade mit dem Urteil leben können:
  • Das Gericht hat hervorgeben, daß Verbraucher nicht getäuscht worden sind. Bionade hat nur eine nach meiner Meinung schwachsinnige Vorschrift der EU verletzt, die den Interessen der Verbraucher an einer Information über die Inhaltsstoffe von Getränken widerspricht. Ein Imageschaden sieht anders aus.
  • Bei Bionade aktiv darf weiterhin auf den Magnesium- und Calzium-Gehalt hingewiesen werden.
  • Bei den anderen Sorten hat Binoade bis zum 1. August 2008 Zeit, sich neue Etiketten drucken zu lassen.
  • Die bereits distribuierten Flaschen müssen nicht zurückgeholt oder - etwa mit einem Aufkleber - versehen werden.
Vor allem der letzte Punkt freut mich auch ganz persönlich. Wegen der massiven Preiserhöhung von Bionade ab 1. Juli 2008 (ab Werk) beziehungsweise ab Mitte Juli bei unserem Getränkefachgroßhändler habe ich in unserem Lagerraum jede Menge Bionade gebunkert.

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Saarland: Umsatzeinbussen durch Rauchverbot um bis zu einem Drittel.

"Im Gaststättengewerbe hat das Rauchverbot bereits zu deutlichen Umsatzeinbußen von bis zu einem Drittel geführt."
meldet die Industrie- und Handelskammer Saarland in ihrem Konjunkturbericht: "Saarkonjunktur: Abschwächung in Sicht" vom 24. Juli 2008.

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Innovative Getraenke zum Mitnehmen.

Marc Pitzke, New York-Korrespondent des "Spiegels", beschreibt die wirtschaftliche Lage der amerikanischen Fast-Food-Ketten, die von der Rezession profitieren: "Fastfood kennt keine Rezession", in: Spiegel vom 24. Juli 2008.

Mehr Détails über die wirtschaftliche Entwicklung von McDonald's verraten die Quartalszahlen für das 2. Quartal 2008. Siehe dazu die Presseerklärung: "Global Comparable Sales Drive Strong Second Quarter Results at McDonald's" vom 23. Juli 2008.

In den drei wichtigsten Absatzgebieten Nordamerika, Europa und Asien/Mittlerer Osten, Pazifik und Afrika ist die Entwicklung, auch bedingt durch den Dollarverfall in Dollar gerechnet, unterschiedlich aus:
  • In den USA stieg der Umsatz um 3,4 Prozent und der Gewinn um 6 Prozent. Produktgruppen, die wachsen, sind Huhn, Frühstück, Getränke und das sogenannte "Convenience", darunter versteht McDonald's "selling prepackaged drinks", also alle verpackten Getränke im Unterschied zu offen ausgeschenkten, etwa Mineralwasser, Sport- und Energiedrinks von Pepsi oder Coca Cola wie Mountain Dew, Red Bull, Gatorade, Propel Water, Lipton Tea and Tropicana Säfte.
  • In Europaa wuchs der Umsatz in Dollar gerechnet um 7,4 Prozent und der Gewinn um 29%. Inbesondere wächst der Umsatz mit den sogenannten "three-tier menu offerings", also Bündel von drei einzelnen Produkten wie etwa einem belegten Brötchen, Pommes frites und einem Getränk, sowie der Umsatz mit innovativen neuen Produkten.
  • Im Raum Asien/Pazifik, dem Mittleren Osten und Afrika wächst vor allem der Umsatz in Australien und China über alle Segmente des Sortiments. Der Umsatz stieg um 8,8 Prozent, der Gewinn um 37% in Dollar gerechnet. Auch hier spielen der Umasatz mit abgepackten Getränken eine wichtige Rolle, sowie Sonderangebote.
Für andere Gastronomen könnte folgende Aussage interessant sein:
"According to a Morgan Stanley research report, 62% of consumers 'said they would drink different beverage at quick service restaurants if given the choice.' McDonald's says that it is too early to judge consumer response in their Texas and Kansas City test stores, but is considering expanding the offerings and the test markets if it is positive."
Bieten Sie auch schon eine gewisse Auswahl an Getränken in Gebindegrößen und -formen, die zum Außer-Haus-Verkauf reizen, Ihren Gästen an?

Ein kleines, aber lösbares, logistisches Problem besteht für Gastronomie-Betriebe darin, daß der traditionelle Getränkefachgroßhandel auf solche Gebinde und trendige, innovative Produkte nicht überall angemessen eingerichtet ist. Besser haben es da die Tankstellen mit dem Großhändler Lekkerland. Der liefert aber auch gerne in die Gastronomie.

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Seitwert von Brauereien.

Das Tool Seitwert zur umfassenden Bewertung von Websites habe ich Ihnen bereits vorgestellt und empfohlen: "Seitwert".

Man kann damit auch mehrere Websites nacheinander bewerten lassen und die Ergebnisse vergleichen, etwa die eigene Website mit der von Konkurrenten oder guten und schlechten Beispielen (Referenzen). Um dies zu demonstrieren, haben die Betreiber von Seitwert exemplarisch einige Gruppen von Websites verglichen und tabellarisch dargestellt, unter anderem die Websites von 192 Brauereien.

Die publizierten Werte basieren auf Seitwert-Analysen an verschiedenen Tagen. Um tagesaktuelle Ergebnisse zu bekommen, müßte man die Werte "refreshen". Aber die in einer Zahl zusammenfassende Seitwert-Bewertung basiert zum großen Teil auf externen Links auf diese Websites, die bei gut verlinkten Websites in der Regel über Wochen und Monate recht stabil bleiben.

Ein Dollar fuer Wasser aus der langen Leitung.

Über das weltbewegende Thema "Kostenloses Leitungswasser" haben wir ab und zu schon berichtet. Vor allem in Österreich wird darüber heftig gestritten. Siehe dazu unseren Beitrag aus dem Jahre 2003: "Kostenloses Leitungswasser?".

Das "Millennium Restaurant" in Nob Hill (Kalifornien) hat sich eine Begründung für einen Preis von 1 US-Dollar für Tafelwasser einfallen lassen: Leitungswasser wird durch ein Tafelwassersystem der Firma Natura Water gejagt. Dies sei mit Kosten verbunden, die auf diese Weise auf die Gäste umgelegt werden. (via "San Francisco Restaurant Charges for Water Filtration", in: Serious Eats vom 24. Juli 2008).

In Deutschland sind Tafelwassersysteme vielfach im Einsatz. Das Wasser wird in einigen, meist größeren Betrieben als Personalgetränk kostenlos ausgeschenkt, um teures Markenmineralwasser zu sparen. In Kliniken, Spas usw. wird es mitunter auch Gästen per Selbstbedienung kostenlos zur Verfügung gestellt. Einige Gastronomen verkaufen es als Tafelwasser zu Preisen, die auch dort verlangt werden, wo Tafelwasser aus Premixcontainer oder aus Flaschen ausgeschenkt wird. Siehe dazu auch: "Wasser in der langen Leitung".

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Keltern als Offizialdelikt.

Ein Meister des von mir so genannten Schinderhannes-Marketings ist Helmut Fritsche, der Inhaber der Klosterbrauerei Neuzelle. Siehe dazu meinen früheren Beitrag "Schinderhannes-Marketing V". Es handelt sich um Marketing-Aktionen, bei denen vorsätzlich gegen Gesetze verstoßen wird oder fragliche Rechtssituationen oder rechtliche Grauzonen ausgenutzt werden, um die kostenlose Werbung auszunutzen, die sich daraus ergibt, daß Wettbewerber, der Staat oder andere Organisationen dagegen vorgehen oder auch nur wettern und die Medien darüber berichten.

Mario Scheuermann berichtet heute in seinem blog drink tank von einer gemeinsamen Aktion des Elsässer Winzers Francois Meyer aus Blienschwiller und Wolfgang Zähringer aus dem badischen Heitersheim, gewissermaßen der erste Fall (soweit mir bekannt) einer grenzüberschreitenden Schinderhannes-Marketing-Aktion: "PR durch Provokation der Justiz"

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Mittwoch, Juli 23, 2008

Opera Mini Simulator.

In seinem Beitrag "Wie wirkt eine WebSite auf dem Handy" verweist Gerald Braun auf eine Möglichkeit, sich in einem Web-Browser simulieren zu lassen, wie eine Website z.B. die eigene, aussieht, wenn man sie sich auf einem Handy mit der kostenlosen Handy-Brwoser-Software opera mini für java-fähige Handys und PDAs anschauen würde.

Wenn Sie das mal mit einem meiner Blogs ausprobieren wollen, vergleichen Sie das Aussehen von:Dann haben Sie, wenn Ihnen der Begriff "RSS" wenig sagt, schon einmal einen Eindruck bekommen, wozu dieses Internetnachrichtenformat unter anderem nützlich ist und warum Sie den Inhalt Ihrer Website oder wenigstens Ihre neuen Beiträge, Nachrichten und wie immer Sie das nennen, Ihren Besuchern auch im Format RSS anbieten sollten.

Weitere Simulatoren für Handy-Browser bzw. ein i-mode-fähiges Handy:

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ZDF uebertraegt Verkuendigung der Entscheidung des Bundesverfassungs ueber das gesetzliche Rauchverbot in der Gastronomie.

Am 30. Juli 2008 verkündet das Bundesverfassungsgericht seine Entscheidung über drei Verfassungsbeschwerden gegen das gesetzliche Rauchverbot in der Gastronomie. Mehr darüber in einem früheren Beitrag "Rauchverbot: Warten auf das Bundesverfassungsgericht".

Das ZDF überträgt live ab 9.50 Uhr als ZDF Spezial mit dem Titel "Kippt das Rauchverbot?" die wesentlichen Urteilsgründe und erläutert im Gespräch mit dem Staatsrechtler Prof. Dr. Michael Brenner von der Universität Jena, welche Folgen das Urteil für das Rauchen in Gaststätten hat. Das ZDF schreibt über die geplante Sendung, für die 40 Minuten Sendezeit vorgesehen sind:
"Mit großer Spannung erwartet - das Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Rauchverbote in Berlin und Baden-Württemberg. Beide Länder hatten für so genannte Einraum-Kneipen ein absolutes Rauchverbot verhängt. Dagegen wehrten sich eine Wirtin aus Berlin und ein Gastwirt aus Tübingen, die durch das Rauchverbot in ihren kleinen Kneipen herbe Umsatzeinbußen hinnehmen müssen.

Die Wirte sehen sich insbesondere auch im Vergleich zu größeren Gaststätten mit abtrennbaren Raucherzimmern benachteiligt. Anders als in Restaurants sind in ihren Einraum-Kneipen die Raucher weggeblieben.

Als wichtiger Beitrag zum Gesundheitsschutz wurden dagegen die Gesetze in der mündlichen Verhandlung von den Gesundheitsministern aus Berlin und Stuttgart verteidigt.

Erwartet wird auch, dass der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts in seiner Entscheidung Stellung nimmt zu den absoluten Rauchverboten in Diskotheken und den Ausnahmen für Festzelte. Insgesamt hat das Urteil nicht nur große Bedeutung für Baden-Württemberg und Berlin, sondern auch für alle anderen Länder."

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Kann ich bitte Ihre Bierkarte sehen?

Running Restaurants macht seinen heutigen Newsletter mit der Frage auf: "Can I see your beer list?".

Jaime Oikle schreibt, daß er Bierkarten liebt. Notfalls könne es auch eine ausführliche Biersektion in der Gesamtgetränkekarte sein. Die meisten Restaurants hätten weder das eine noch das andere (in Deutschland gibt es wohl in allen Restaurants auch Biere im Angebot, wenn auch meist Weine herausgestellt wird). Er hält das für eine verpaßte Gelegenheit:
  • Man verpaßt die Chance, mehr Bier zu verkaufen.
  • Man kann sich von anderen abheben.
  • Man kann seine Gäste etwas beibringen.
  • Man kann seinen Gästen und den Service-Mitarbeitern die Arbeit erleichtern. Nach Bier gefragt wird ohnehin.
Abschließend meint er:
"Treat beer as the gigantic profit opportunity that it is."
Tipps für die Gestaltung guter Bierkarten bietet die Kampagne für Gutes Bier in Hamburg.

Mehr über "Bier in der Gastronomie" in meinem gleichnamigen Blog.

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Thueringer Gastgewerbeumsatz im Mai 2008 real um 4,2 Prozent gesunken.

Das Thüringer Gastgewerbe kommt nicht aus dem Tief. Der Gastgewerbeumsatz ist im Mai 2008 nominal, d.h. in jeweiligen Preisen, um 1,8 Prozent und real, also preisbereinigt, um 4,2 Prozent gegenüber Mai 2007 gesunken. Auch bundesweit musste das Gastgewerbe im Mai 2008 reale Umsatzverluste gegenüber Mai 2007 in Kauf nehmen, die aber mit 0,6 Prozent geringer ausfielen und nominal mit einem Umsatzplus von 1,9 Prozent verbunden waren.

Die Unternehmen des Thüringer Gastgewerbes erzielten nach vorläufigen Angaben des Thüringer Landesamtes für Statistik im Mai 2008 nominal, d.h. in jeweiligen Preisen, 1,8 Prozent weniger Umsatz als im Mai 2007. Real, also unter Ausschaltung der Preisveränderungen, bedeutet dies ein Minus von 4,2 Prozent.

Auch bundesweit musste das Gastgewerbe im Mai 2008 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes reale Umsatzverluste gegenüber Mai 2007 in Kauf nehmen, die aber mit 0,6 Prozent geringer ausfielen und nominal mit einem Umsatzplus von 1,9 Prozent verbunden waren.

Alle drei Bereiche des Thüringer Gastgewerbes (Beherbergungsgewerbe, Gaststättengewerbe, Kantinen und Caterer) mussten Umsatzverluste in Kauf nehmen (siehe Tabelle). Besonders die getränkegeprägte Gastronomie (Schankwirtschaften, Diskotheken und Tanzlokale) musste im Mai 2008 (wie auch schon in den Vormonaten) überdurchschnittliche Umsatzeinbußen von real 14,3 Prozent und nominal 12,8 Prozent verkraften. Lediglich die speisengeprägte Thüringer Gastronomie (Restaurant, Cafes, Eissalons, Imbiss-Stuben) konnte die Umsatzverluste im Mai 2008 in Grenzen halten (real - 1,8 Prozent, nominal + 0,5 Prozent).

Die sinkenden Umsätze führten zu einem weiteren Rückgang der Beschäftigtenzahlen um 10,2 Prozent (Vollzeitbeschäftigte - 6,7 Prozent, Teilzeitbeschäftigte - 14,1 Prozent).

Von Januar bis Mai 2008 erzielte das Thüringer Gastgewerbe nominal 3,6 Prozent und real 6,1 Prozent weniger Umsatz als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Beschäftigten sank dabei um 8,3 Prozent. Sie resultiert aus einer Abnahme der Zahl der Teilzeitbeschäftigten um 10,5 Prozent und einer Abnahme der Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 6,4 Prozent.

(Quelle: Pressemitteilung des Thüringer Landesamtes für Statistik).

Anmerkung: Das Rauchverbot kostet massiv Arbeitsplätze, insbesondere in der getränkegeprägten Gastronomie und noch vor allem bei den Teilzeitbeschäftigten. Der Rückgang von 6,4 Prozent bei den Vollzeitbeschäftigten über alle Segmente des Gastgewerbes ist angesichts der Tatsache, daß Gastronomen versuchen, Mitarbeiter weiter zu beschäftigen, so lange es irgendwie geht, ein deutlicher Hinweis auf das, was noch bevorsteht an Personalabbau. Es bleibt zu hoffen, daß das Bundesverfassungsgericht Ende dieses Monats dem gesetzlichen Rauchverbot in der getränkegeprägten Gastronomie und insbesondere in Einraum-Kneipen den Todesstoß versetzt. Die Stagnation der speisengeprägten Gastronomie ist ein deutlicher Hinweis darauf, daß die Raucher einfach wegbleiben, ohne daß ausreichend neue Gäste aus dem Kreis der Nichtraucher acquiriert werden können.

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Tante Emma kocht.

Wie schon in meinem älteren Beitrag "Die Gastronomie als Käufermarkt" beschrieben, wächst zwar der Außer-Haus-Markt für Speisen und Getränke, es wächst aber auch die Anzahl der Wettbewerber aus anderen Branchen, wie dem Einzelhandel, Metzgereien, Fleischereien, Bäckereien und Konditoreien (Take-Away, Party-Service, Stehcafés), Event-Veranstalter (Kinocenter, Sport- und Kulturveranstaltungen, Erlebnisparks), Vereinen und Organisationen ohne Erwerbscharakter, etwa Kirchen, Automatenaufstellern und nicht zuletzt Tankstellen.

Ein schönes Beispiel kommt aus dem Bamberger Stadtteil Gartenstadt: Ein Einzelhändler, die REWE-Greiner oHG, bietet per Website Nahkauf.de nicht nur einen Online-Shop für eine kleine Auswahl von zur Zeit 80 Produkten ihres Handelssortiments, sondern seit vier Jahren auch Tagesgerichte incl. Lieferservice (nur innerhalb des Stadtteils). Die Liefergebühr beträgt pro Lieferung einen Euro bzw. fünf Euro für sechs Lieferungen einer Woche (montags bis samstags). Der Speiseplan beinhaltet selbst für Bamberger Verhältnisse sehr preisgünstige, warme Speisen (die Qualität und die Portionsgröße habe ich nicht getestet, aber ein Angebot, das seit vier Jahren im Markt ist, kann so schlecht nicht sein), Z.B. hat man morgen die Auswahl zwischen:
  • Rahmschnitzel mit Nudeln für 2,70 Euro,
  • Gyros mit Reis und Tzatziki für 2,20 Euro,
  • Paniertes Fischfilet Pommes und Remoulade für 3,20 Euro.

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Gordon Ramsay.

Der schottische Starkoch Gordon Ramsay pflegt sein Image als härtester Küchenchef der Welt. RTLII zeigt jeden Sonntag um 15 Uhr eine Folge der amerikanischen Restaurant-Reality-Show "In Teufels Küche mit Gordon Ramsay".

Die Dramaturgie kennen deutsche Zuschauer schon von den "Kochprofis", bei denen aber jeweils drei von vier Küchenchefs in von einer Krise geschüttelten Betrieb in 2 Tagen aufräumen. Das schafft Gordon Ramsey in amerikanischen Restaurants allein und hat dafür eine Woche Zeit. Sein Ton ist dabei viel schärfer. Alle Episoden im Überblick und en détail.

Mehr über Gordn Ramsay bei Wikipedia.

Schadstoffmessungen in gastronomischen Betrieben.

Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel, Genuß und Gaststätten hat im Rahmen einer Studie zu Passivrauchen von Januar bis August 2007 insgesamt 60 Arbeitsbereichsanalysen und Sonderuntersuchungen in verschiedenen gastronomischen Betrieben durchgeführt. Dabei wurden wegen der Dosis-Wirkungssituation und der Frage nach individueller Vulnerabilität die expositionelle und dispositionelle Problematik der Beschäftigten vor allem im Servicebereich besonders eingehend untersucht.

Bestimmt wurden u. a. Schichtmittelwerte von 46 Einzelstoffen, außerdem wesentliche Randparameter, wie z. B.
  • die Luftwechselrate,
  • die Gäste- und Raucheranzahl,
  • die Anzahl gerauchter Tabakprodukte sowie
  • Art und Anzahl sonstiger Emissionsquellen wie Küchendämpfe, Straßenverkehr und brennende Kerzen.
Als Messort wählte man jeweils den räumlichen Schwerpunkt des Aufenthaltsortes der Beschäftigten. Das war häufig der Tresen.

Ergebnis der Messungen: In keinem Fall wurden Grenzwerte überschritten.

In Einzelfällen konnte nachgewiesen werden, daß höhere Werte auf andere Ursachen als das Passivrauchen zurückzuführen waren:
  • ein Holzkohlegrill mit defekter Abzughaube in der Küche der Gaststätte konnte als Emittent identifiziert werden. "Die Abzughaube erfasste die Dämpfe und Rauche nicht vollständig, wodurch sie bis in den Servicebereich vordrangen. Nachdem die Haube repariert worden war, lagen die Werte der genannten Stoffe sowohl in der Küche als auch im Servicebereich in den üblichen Konzentrationsbereichen."
  • "Auch ein mit Brennholz betriebener, schlecht ziehender Kachelofen (hohe Kohlenmonoxid-Werte), brennende Kerzen (hohe Partikelanzahlkonzentration) oder Brat- und Frittierprozesse in der Küche (Aldehyde) wurden als Emissionsquellen identifiziert."
Der Bericht im Ganzen: "Schadstoffmessungen in gastronomischen Betrieben" (PDF) vom 15. Juli 2008. Danach liegen alle Schadstoffe weit unter den gesetzlichen Grenzwerten. Das gesetzliche Rauchverbot in der Gastronomie basiert demnach auf falschen Voraussetzungen.

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Grossbritannien: Rauchverbot macht Kneipen tot.

In einem Artikel über das Kneipensterben in Großbritannien ("Viele Pub-Besitzer geben auf", in: Der Westen vom 22. Juli 2009) wird behauptet, Rob Hayward, Chief Execution der British Beer & Pub Association habe gesagt:
"Das Rauchverbot habe die missliche Lage der Gastwirte übrigens nur unwesentlich verschärft."
Schlecht übersetzt oder einfach gelogen? Das Original der Pressemitteilung der British Beer & Pub Assiciation ("Pub closures accelerate towards 30 per week") vom 5. März 2008 sagt etwas anderes aus:
"Urban pubs have been hardest hit, with two per cent of all urban pubs closing in the last six months. Pubs without the room to provide an attractive outside area for smokers, and those that are not heavily focused on food sales, have faced particular difficulties...

Britain's pubs are grappling with spiralling costs, sinking sales, fragile consumer confidence and the impact of the smoking ban. These figures show the stark reality of the pub trade today, in contrast to the hype surrounding the myth of '24-hour drinking' and extended pub opening hours. Pub closures at this rate are threatening an important hub of our social fabric and community history. What we need to stop the decline is support from Government and the general public."
Der Bierabsatz in den Kneipen ist auf dem niedrigsten Niveau seit der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre des letzen Jahrhunderts. Kneipen verkaufen zur Zeit 14 Millionen Pints weniger Bier als 1979.

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