Gastgewerbe Gedankensplitter



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Mittwoch, Januar 21, 2009

Einfache Zubereitung von Speisen.

Carsten Hoefer von der Presseagentur dpa kommentiert den von der bayerischen Staatsregierung gestern beschlossenen Vorschlag zur Reform des gesetzlichen Rauchverbots in der bayerischen Gastronomie in seinem Artikel "Rauchverbots-Novelle wirft neue Fragen auf", in: Nürnberger Nachrichten vom 21. Januar 2009, abschließend wie folgt:
"Offene Fragen bleiben. Zwar sieht das neue Gesetz vor, dass in Einraum-Wirtshäusern wieder geraucht werden darf – aber nur unter der Bedingung, dass der Wirt ausschließlich 'kalte oder einfach zubereitete Speisen' serviert. Die exakte Trennlinie zwischen einfachen und anspruchsvollen Speisen jedoch bleibt schleierhaft. Und ob der Schweinsbraten unter die einfachen Speisen fällt, bleibt vorerst ebenfalls im Dunkeln."
Eine Kritik, die sich im Wesentlichen mit meiner deckt: "Reform des Rauchverbots in Bayern".

Ich bin vor diesem Hintergrund einmal der Frage nachgegangen, was denn von mehr oder weniger kompetenten Stellen unter einer "einfachen Zubereitung" von Speisen verstanden wird.

Auf der Website Was-wir-essen.de der aid finden sich als ein Beispiel für Zubereitungsarten und Rezepte, die als einfach bezeichnet werden, wohlgemerkt als einfach für private Haushalte, die Zubereitung in der Mikrowelle Mikrowelle bezeichnet: "Mikrowelle: so einfach - aber auch ungefährlich?".

Das Deutsche Tiefkühlinstitut behauptet nicht uneigennützig, daß die Zubereitung von Speisen aus Tiefkühlkost einfach sei ("Im Süden wird häufiger gekocht als im Norden ", in: Was-wir-essen.de vom 14. Februar 2008):
"Aber auch die Qualität der Produkte und die schnelle einfache Zubereitung haben für Hobbyköche einen hohen Stellenwert. Mehr als die Hälfte der Befragten greift daher auch zu Tiefkühlprodukten wie Gemüse, Kräutern, naturbelassenem Fisch oder Fleisch. Fertigmenus aus der Tiefkühltruhe wie Fischgerichte sind bei den Konsumenten ebenfalls beliebt, während Dosensuppen eher selten auf dem Speiseplan stehen."
In einer Informationsschrift "Speisen in Straußwirtschaften" (PDF) geht die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz der Frage, was "einfach zubereitete Speisen" sind im Zusammenhang mit Straußwirtschaften ein, weil das Gaststättengesetz Straußwirtschaften auf solche Speisen beschränkt. Darin heißt es:
"Was kann unter "einfach zubereiteten Speisen" verstanden werden?

Grundsätzlich könnte es unzählige Erklärungen für diesen Begriff geben, zumal die Interessen und Standpunkte sehr unterschiedlich sein können (Straußwirte – Gäste – Kontrollbehörden – Mitbewerber ......). Anstelle akademischer und juristischer Erläuterungen sollte es im Interesse der Praxis jedoch relativ einfache, nachvollziehbare Abgrenzungskriterien geben.

Straußwirtschaften dienen dem Absatz von eigenerzeugtem Wein in Verbindung mit der Ausgabe einfach zubereiteter Speisen. Sie bieten den Gästen Einkehrmöglichkeiten beim Winzer, die sich von herkömmlichen Gastronomieangeboten unterscheiden sollen.

Erläuterungen zur Speisenabgabe in Straußwirtschaften:
  • Ein räumlich-funktionaler Zusammenhang zwischen der Abgabe der Weine und der Speisenbereitung muss bestehen; diese müssen sich auf dem Betrieb des Winzers befinden. Eine Belieferung von Speisen durch Dritte (z.B. Partyservice, Metzgerei, Gastronom) im Rahmen einer Straußwirtschaft ist auszuschließen.
  • "Einfach zubereitet" könnte sich auf die Einfachheit der Zubereitung beziehen (z.B. industriell hergestelltes Fertiggericht wird nur noch erwärmt). Es dürfte klar sein, dass dieses Verständnis für 'einfach zubereitete Speisen' im Zusammenhang mit Straußwirtschaften vom Gesetzgeber nicht gemeint und damit nicht gewollt ist.
  • Typischerweise verbindet man mit dem Genuss von Wein kleinere, zum Wein passende Gerichte, die schnell zubereitet bzw. gut vorbereitet werden können udd die einen regionalen oder saisonalen Bezug haben. Das Kriterium "warm" oder "kalt" sollte nicht vorrangig gelten (geeignete warme Gerichte sind z.B. Zwiebelkuchen, Flammkuchen, Backeskartoffeln, Gemüse- und Kartoffelaufläufe, Winzersteak).
  • Bestimmte Beilagen gelten zweifelsohne als traditionelle Beilagen der Winzerküche, z.B. Kartoffeln, Bratkartoffeln, Krautsalat oder Brot. Nicht dazu gehören Beilagen, wie Reis, Nudeln oder Pommes). Ebenfalls für die Winzerküche untypisch sind Salate und Aufläufe mit nicht regionaltypischen Bestandteilen, wie Shrimps, Thunfisch oder Lachs)"
Erkennbar wird, daß die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz als Teil der Lobby wein- und landwirtschaftlicher Betriebe eine klare Definition des Begriffs "einfach zubereitete Speisen" vermeidet. Die danach erlaubte Liste der Speisen ist so umfangreich, daß man eine Weile nachdenken müßte, um Speisen zu finden, die als nicht einfach zuzubereiten anzusehen sind. Zumal bei Gaststätten eine Beschränkung auf selbst zubereitete Speisen, auf Zutaten, die selbst angebaut werden und auf regionaltypische Rezepturen nicht zulässig ist.

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Kommentare:
... und wo liegt der Zusammenhang zwischen Speisenzubereitung und "Nichtraucherschutz"?
Will man Rauchern den Besuch von Gastwirtschaften vermiesen indem man sie zweitrangig bedient?
Das Gesetz ist an Absurditàt nicht zu überbieten. Das Schlimme daran ist, dass die verantwortlichen Politiker nicht erkennen, wie lächerlich sie sich machen.
 
Das Hauptproblem scheint mir zu sein, dass das Gesetz sofort wieder verfassungswidrig ist. Man kann ja über das bayerische Gesetz sagen was man will aber bei der Prüfung war es das einzige das nicht verfassungswidrig war, jetzt wird ein neues Gesetz gemacht bei dem von vorneherein klar ist das es verfassungswidrig ist (wegen der Ungleichbehandlung). Der Link zu waswiressen ist übrigens kaputt.
 
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