Gastgewerbe Gedankensplitter



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Donnerstag, Januar 29, 2009

Verbaende der Konzertwirtschaft: Drastische Erhoehung der GEMA-Konzerttarife bedroht deutsche Veranstaltungswirtschaft.

Der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft e.V. (idkv) und der Verband der Deutschen Konzertdirektionen e.V. (VDKD) sind alarmiert: Mit Wirkung zum 1. Februar 2009 will die GEMA, die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungs¬rechte, die von Veranstaltern für die Nutzung des GEMA-Repertoires zu zahlende Vergütung im Bereich der U-Musik um nahezu 600 Prozent erhöhen und die Bemessungsgrundlage der Tarife um Werbe- und Sponsoringeinnahmen erweitern.
"Das grenzt an Wucher!"
sagt Jens Michow, Präsident des idkv:
"Bei dieser maßlosen Politik der GEMA drängt sich der Eindruck auf, dass die Veranstaltungsbranche für die weg gebrochenen Einnahmen aus dem Tonträgerverkauf herhalten soll."
VDKD-Präsident Michael Russ erklärt:
"Wir bedauern, dass es trotz dem Angebot der Verbände, der GEMA deutliche Erhöhungen zuzugestehen, zu keiner Einigung gekommen ist, weil die GEMA starr auf ihrer durch nichts begründeten Position - einer Anhebung aller Tarife auf einen einheitlichen Satz von 10 Prozent des Bruttoumsatzes - beharrt hat. Wir haben deshalb bereits unmittelbar nach Weihnachten ein Schiedsstellenverfahren gegen die GEMA eingeleitet, um sicherzustellen, dass auch künftig die bisherigen Tarife zur Anwendung gelangen."
"Die derzeitige Erhöhung ist für uns umso unerträglicher, als die letzte Tariferhöhung erst 2005 erfolgte. Sie hat, wie auch den Presseveröffentlichungen der GEMA entnommen werden kann, nachweislich zu einer Erhöhung der Einnahmen der GEMA geführt"
berichtet Michow. Russ ergänzt:
"Live-Konzerte sind ein wichtiger Teil der Kultur; viele Menschen genießen die Musik nationaler und internationaler Künstler gerne live und in Konzerthallen oder bei Open Airs. Die deutschen Konzertveranstalter haben es stets als ihre Aufgabe betrachtet, dem Publikum ein breit gefächertes Programm zu präsentieren. Dies wird jedoch nur möglich bleiben, sofern alle Beteiligten dafür Sorge tragen, dass die gesetzgeberischen Rahmenbedingungen stimmen. Das nunmehr einseitig geradezu aggressive Verhalten der GEMA führt zu einer massiven Gefährdung der Kalkulationsgrundlagen für Konzerte und gefährdet zahlreiche Arbeitsplätze in einer mittelständisch geprägten Branche. Die meisten Veranstalter kalkulieren schon jetzt mit knappsten Margen."
Weder unter vergütungspolitischen noch unter urheberrechtlichen Gesichtspunkten sei die aktuelle Tariferhöhung gerechtfertigt. Hierbei seien die deutschen Veranstalter weit entfernt davon, den bedeutenden Anteil der Leistungen insbesondere der Komponisten und Texter am Erfolg eines Konzertes nicht würdigen beziehungsweise angemessen vergüten zu wollen, bestärken die Verbandsvertreter.

Das Ausmaß des Erhöhungsverlangens lässt sich an folgenden Beispielen veranschaulichen: Während zur Zeit die Autorenvergütung bei einem Rock-Konzert mit 1.200 Besuchern und einem Eintrittspreis von 23 Euro bei rund 600 Euro liegt, ist es Ziel der GEMA, die Vergütung sukzessive bis zum Jahr 2014 auf 2.580 Euro zu erhöhen. Eine noch drastischere Erhöhung stellt sich die GEMA bei Konzerten mit über 3.000 Besuchern vor: Während bisher bei einem Konzert mit 5.000 Besuchern und einem Durchschnittspreis von 45 Euro 3.369,60 Euro an die GEMA gezahlt werden mussten, sollen es zukünftig 18.000 Euro sein. Dabei will es die GEMA nicht belassen und zusätzlich die Vergütungsgrundlage für die Tarifberechnung erheblich erweitern. So soll der zukünftige GEMA-Vergütungssatz von 10 Prozent des Bruttoumsatzes nicht nur auf den Kartenumsatz sondern auch auf sämtliche Werbe- und Sponsoringseinnahmen des Veranstalters entrichtet werden.
"Solche Forderungen offenbaren ein erhebliches Maß an Unkenntnis der Zusammenhänge des Veranstaltungsgeschäfts"
kommentiert Michow,
"Werbe- und Sponsoringeinnahmen sind heutzutage unverzichtbare Sondereinnahmen im Veranstaltungsgeschäft, um den Kostendruck zu mindern und den Eintrittspreis weitgehend moderat zu halten."
Es sei nicht vermittelbar, wieso die bisherigen Tarife plötzlich derart unangemessen sein sollten, dass – berücksichtigt man zusätzlich die Erweiterung der Vergütungsgrundlage - eine Erhöhung um nahezu 600 Prozent geboten sei.
"Es ist zwar zutreffend, dass der Live-Bereich als einziger Bereich der Musikwirtschaft noch Zuwachsraten erzielt"
berichtet Russ.
"Man darf dabei aber nicht übersehen, dass neben den stets erheblichen Veranstaltungskosten der Hauptanteil der Veranstaltungseinnahmen nicht bei den Veranstaltern verbleibt. Gleichzeitig ist für die Künstler seit einigen Jahren das Live-Geschäft die wichtigste Einnahmequelle."
Die Veranstalterverbände befürchten, dass die realitätsfremde Tariferhöhung der GEMA vor allem auch erhebliche Nachteile für den Künstlernachwuchs zur Folge haben werde. Ohnehin führe bereits seit 1998 das komplizierte GEMA-Abrechnungssystem 'PRO' zu großer Verärgerung insbesondere bei weniger bekannten Musikern, die vorwiegend ihr eigenes Material spielten. Da Erfolgstitel ohne zahlenmäßige Grundlage nach dem Abrechnungs-Modus PRO höher bewertet werden, weil "geschätzt" wird, dass sie als "Erfolgstitel" öfter im Rundfunk gespielt werden, erhalten sie von der GEMA durch dieses Verfahren nur noch knapp ein Drittel der Ausschüttungssumme, die sie vor der Regelung hatten.
"Es ist zu befürchten, dass der neue Tarif der GEMA letztlich auch dazu führen wird, dass Veranstalter sehr genau überlegen, welche Konzerte sich noch rechnen und welche nicht. Auch hier werden die Leidtragenden erneut insbesondere Nachwuchskünstler sein, für die es noch schwerer werden wird, Auftrittsgelegenheiten zu erhalten"
mutmaßt Michow.

Die Verbände haben gemeinsam bereits vor Ankündigung des neuen Tarifs bei der in erster Instanz für Auseinandersetzungen zwischen der GEMA und ihren Vertragspartnern zuständigen Schiedsstelle beim Deutschen Patent- und Markenamt einen Antrag auf Erlass eines Einigungsvorschlags zur Fortsetzung der seitens der GEMA gekündigten Gesamtverträge mit den beiden Verbänden gestellt.
"Nachdem die GEMA nunmehr den neuen Tarif festgesetzt hat, werden weitere gerichtliche Schritte unerlässlich sein"
kündigt Prof. Dr. Johannes Kreile, Justitiar des VDKD an. Geradezu zynisch mute es an, dass die GEMA die Durchsetzung derart extremer Forderungen in der gegenwärtigen Wirtschaftskrise für geboten hält, in der eigentlich vor allem Augenmaß und Zurückhaltung bei Kostensteigerungen gefordert wären, so Michow abschließend.

Die GEMA verwaltet als staatlich anerkannte Treuhänderin die Rechte von über 60.000 Mitgliedern und über einer Million ausländischen Berechtigten. Es ist ihre Aufgabe, dafür Sorge zu tragen, dass ihren Mitgliedern für jede Nutzung ihres Repertoires eine angemessene Vergütung gezahlt wird, diese einzufordern und an die Berechtigten weiterzuleiten. Entsprechend müssen auch Konzertveranstalter vor jeder Veranstaltung eine Vergütungsvereinbarung über die öffentliche Musiknutzung mit der GEMA schließen. Dazu stellt die GEMA Tarife auf, die sie bisher einvernehmlich mit den Veranstalterverbänden ausgehandelt hat.

In den beiden Berufsverbänden der deutschen Live-Entertainment-Branche sind insgesamt rund 500 Agenturen, Tournee- und Konzertveranstalter zusammengeschlossen, die im Jahre 2007 mit dem Verkauf von über 50 Millionen Eintrittskarten einen Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro erwirtschaftet haben.

(Quelle: Pressemitteilung des Verbandes der Deutschen Konzertdirektionen).

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