Gastgewerbe Gedankensplitter



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Samstag, Februar 28, 2009

Veroeffentlichung von Fotos von Veranstaltungsbesuchern kann rechtswidrig sein.

Nicht wenige Gastronomen, inbesondere von Diskotheken, der Event- und der Szenegastronomie, veröffentlichen Fotos ihrer Gäste. Auch einige Portale bzw. Dienstleister gibt es, die Fotografen los schicken, um Besucher von Veranstaltungen zu fotografieren. Dahinter steckt die Überlegung, daß Menschen gerne Fotos von sich selbst, ihren Freunden, aber auch Dritten anschauen. Solche Fotos machen Veranstaltungsorte und Events "menschlich", sie zeigen mehr oder weniger attraktive Menschen in mehr oder weniger guter Laune und motiveren, selbst solche Events und gastronomischen Betriebe zu besuchen. Auf gastronomischen Websites wird dies meist in Form von Gästefotos realisiert. Ganze Serien von Fotos von Gästen bei Veranstaltungen werden online gestellt, auf denen man sich selbst und Freunde und Bekannte wieder erkennen kann. Ein Beispiel für eine Gaststätte, die diese Möglichkeit von "Party-Pics" (Party-Bildern) extensiv nutzt, ist das "Calimeros" in Bamberg, wobei der Exhibitionismus der Gäste und die Partykonzepte wie "Coyote Ugly" sicherlich die Attraktivität der Fotos fördert, zumindest wenn man auf junge Körper in nassen T-Shirts steht. Häufig werden solche Foto-Verzeichnisse aber auch von Dritten regional und gaststättenübergreifend realisiert, etwa in München von den Nachtagenten, in Hamburg von Hamburg-Tonight.de oder bundesweit von "Kwick".

In seinem Beitrag "Nachtschwärmer sind keine Foto-Objekte" verweist Rechtsanwalt Udo Vetter auf ein neues Urteil des Amtsgerichts Ingolstadt (online gestellt von der Kanzlei Finkenzeller). Ein Besucher einer Münchner Diskothek, der sich an prominenter Stelle auf einer Nachtschwärmer-Seite im Internet fand, hat per einstweiliger Verfügung durchgesetzt, daß diese Bilder veröffentlicht werden.

Rechtlicher Hintergrund ist ds sogenannte "Recht am eigenen Bild". Dieses Recht ist in den Paragraphen 22 bis 24 des KunstUrhG geregelt. Paragraph 22 verlangt grundsätzlich die Einwilligung des Abgebildeten. Die Ausnahmen stehen in den Paragraphen 24 (Ausnahmen für Behörden) und im Paragraph 23:
"Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden: 1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte; 2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen; 3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben; 4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient. Die Befugnis erstreckt sich jedoch nicht auf eine Verbreitung und Schaustellung, durch die ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten oder, falls dieser verstorben ist, seiner Angehörigen verletzt wird."
Im Fall einer Aufnahme des Innenraums einer Gaststätte wäre die Frage zu entscheiden, ob die abgebildeten Personen nur "Beiwerk" sind oder mehr. Mehr darüber: "Fotorecht Teil 12: Beiwerk, Versammlungen und höhere Zwecke der Kunst", in: Law-Blog vom 6. Februar 2006.

Falls nicht Innenräume fotografiert werden, sondern Personengruppen, ist zu prüfen, ob es sich um eine Versammlung, einen Aufzug oder einen "ähnlicher Vorgang" handelt, an denen die dargestellte Person teilgenommen hat.

Auf der sicheren Seite als Veranstalter ist man, wenn man:
  • den Zutritt zur Veranstaltung an die Bedingung koppelt, daß die teilnehmenden Personen einer Veröffentlichung zustimmen. So wurde dies z.B. gehandhabt beim Tourismuscamp Eichstätt 2009. Fraglich ist, ob ein entsprechender Passus in einer Hausordnung des Veranstalters ausreicht (ich meine eher nicht, da sich ein Besucher darauf berufen könnte, daß er mit einem solchen Passus in einer mehr oder weniger umfangreichen Hausordnung nicht rechnen muß).
  • jeden einzelnen Besucher, der einzeln oder in einer kleinen Gruppe fotografiert wird, vor oder nach dem Fotografieren, um seine Zustimmung bittet. Die Schriftform ist dafür zwar nicht vorgeschrieben, aber zu Beweiszwecken sinnvoll.

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