Gastgewerbe Gedankensplitter



« Home | Das perfekte Xing-Profil. » | Laerm-Seminar. » | Gaeste duerfen eigenes Bier in Kneipe mitbringen. » | Schoefferhofer Kaktusfeige. » | Gruendungsoffensive Gastgewerbe in Baden-Wuerttemb... » | Es fehlt an Nachwuchs in den Berufen des Gastgewer... » | Baden-Wuerttemberg: Lockerung des Nichtraucher-Sch... » | Ratten, Schimmel & Co. - Tourismusmarketing der ga... » | "Ich bin fast umgefallen, als ich das gesehen habe... » | Jim Koch, The Boston Beer Company. »


Mittwoch, März 04, 2009

Foodwatch diffamiert die Gastronomie.

Nach seinem Rücktritt von seinem Job bei Greenpeace hat er einen eigenen Laden aufgemacht, der sich Foodwatsch nennt. Thilo Bode kritisiert in einem Interview die Gastronomie oberflächlich und gemein, obwohl er zu Beginn dieses Interviews zugibt, ungern Restaurants zu besuchen, demnach von einer Branche spricht, die er kaum kennt: "Foodwatch fordert Pranger für alle Ekel-Küchen", in: Berliner Morgenpost vom 4. März 2009.

Im Einzelnen kritisiere ich folgende Aussagen von Thilo Bode:
  • "Im Restaurantbetrieb spielen natürlich die Sauberkeitsstandards eine besondere Rolle. Auch die Haltbarkeitsvorschriften. Das ist auch ein Grund, warum es immer wieder Gammelfleischskandale gibt."

    Von den Gammelfleischskandalen ist die Gastronomie als Abnehmer betroffen gewesen. Thilo Bode macht Opfer zu Tätern.

  • "Es läuft doch heutzutage so ab: Die Kontrolleure kommen, stellen Mängel fest, dann stellen sie noch einmal Mängel fest, dann gibt es ein Ordnungsgeld, dann stellen sie noch einmal Mängel fest, dann gibt es ein Verfahren, das dann eingestellt wird. Das ist die gängige Praxis. Die Sanktionen, das Strafrecht, nützt nur wenig."

    Ich weiß nicht, welche Erfahrungen Thilo Bode mit Kontrollen der Lebensmittelaufsicht hat. Sein Lebens- und Berufsweg läßt keine solche Erfahrungen erkennen. Er ist Sohn einer Buchhändlerin, hat Soziologie, dann Volkswirtschaft studiert, promoviert und dann für Lahmeyer International in Frankfurt und für die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) Frankfurt, war Vorstandsassistent bei einem mittelständischen Metallkonzern in Düsseldorf und danach Geschäftsführer bei Greenpaece. Meine Erfahrungen sagen etwas anderes: Es wird kontrolliert (durchschnittlich einmal pro Jahr, bekannte "schwarze Schafe" häufiger). Es wird eine Mängelliste erstellt und übergeben. Je nachdem wie schwerwiegend der Mängel ist und wie schnell er beseitigt werden kann (bauliche Maßnahmen dauern natürlich länger als Spinnweben zu entfernen), wird ein Nachprüftermin festgelegt. Versäumt es der Gastronom, die Mängel zu beseitigen, gibt es ein Ordnungsgeld oder der Betrieb wird vorübergehend geschlossen, um den Druck zu erhöhen.

  • "Wir wissen, dass es im Gaststättenbereich große hygienische Probleme gibt."

    Diese Einschätzung ist falsch. Die festgestellten Mängel sind überwiegend Lappalien, gefährden nicht die Lebensmittelsicherheit, sondern bestehen meist aus Verstößen gegen Formalien, etwa Verstößen gegen Dokumenationspflichten. Es gibt nur eine verschwindend geringe Anzahl von Lebensmittelvergiftungen, die ihre Ursache im Verzehr verdorbener Lebensmittel in der Gastronomie haben. Hingegen gib es relevante Hygieneprobleme, denen sich die Politik zuwenden sollte, bei den privaten Haushalte. Ein Grund ist der Mangel an Hygienekenntnisse, weil sie kaum mehr im Elternhaushalt vermittelt und nur selten in den Schulen unterrichtet werden.

  • "Wenn seit zehn Jahren irgendwo Ratten in der Küche rumlaufen, dann sollen das die Leute wissen. Die Restaurantbesitzer werden die Ratten erst rausjagen, wenn die Leute nicht mehr kommen."

    Das ist gelinde gesagt, ein Schmarrn. Spätestens die Lebensmittelaufsicht verlangt, wenn sie Spuren von Tieren feststellt, die die Hygiene gefährden, den Nachweis von Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen. Wobei man auch wissen sollte, daß sich lebensmittelverarbeitende Betriebe nur begrenzt völlig frei halten lassen von Schädlingen. Man kann sie zwar bekämpfen, aber nicht besiegen. Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen weisen immer nur einen begrenzten Erfolg auf. Siehe dazu auch meinen früheren Beitrag über "Ratten".

Labels: