Gastgewerbe Gedankensplitter



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Montag, März 30, 2009

Kloster Stift Neuburg plant Klosterbrauerei.

Das Benediktinerkloster Stift Neuburg bei Heidelberg plant eine Klosterbrauerei samt Gaststätte und Klosterkäserei zu errichten: "Kloster will nun auch Bier brauen", in: Morgenweb vom 30. März 2009.

Klosterbrauereien und Klosterbiere haben unter Bierliebhabern einen guten Ruf. Nicht selten wird er mehr oder weniger ausgebeutet. Wobei es wirklich schwierig ist, die Grenze zu ziehen zwischen heilig und scheinheilig.
  • Biere, die wirklich von Mönchen oder Nonnen gebraut werden, sind sehr selten. Beispiele: St. Sixtus, ein Trappisten-Kloster in Belgien mit ihrem Bier Westvleteren Trappist. Mehr darüber: "Westvleteren Trappist", Chimay in Belgien. Im Benediktinnenkloster Melchtal in der Schweiz, im Klosterbräuhaus Ursberg und in der Klosterbrauerei des Klosters Mallersdorf in Mallersdorf-Pfaffenberg wird das Bier heute noch von Nonnen gebraut. Siehe dazu: "Schwester Braumeisterin".
  • Biere, die in Klöstern gebraut werden, wenn auch nicht von Mönchen oder Nonnen. Beispiele: Ettaler Klosterbiere, Biere der Kloster-Brauerei Scheyern (seit 2006 reaktiviert), die Klosterbrauerei Kreuzberg des Franziskanerklosters Kreuzberg in der Rhön und die Weltenburger Klosterbiere. Abgefüllt werden die Weltenburger Klosterbiere in der Regensburger Brauerei Bischofshof, wo auch die "Welterburger Biere" (ohne den Zusatz "Kloster") gebraut werden. Die Brauerei Bischofshof gehört dem Erzbistum Regensburg. Siehe dazu meinen früheren Beitrag "Statt jammern exportieren".
  • Biere, die in Brauereien, die Klöster gehören, gebraut werden. Beispiel: Klosterbrauerei Andechs im Eigentum und am Fuße des Kloster Andechs gelegen.
  • Biere, die in einer "Klosterbrauerei" gebraut werden, deren Namen aber gar nichts mit einem Kloster zu tun hat, außer daß früher einmal ein Kloster in der Nähe gewesen ist. Beispiel: Klosterbräu Bamberg und Klosterbrauerei Neuzelle. Beide Betriebe kokettieren nicht mit ihrem historischen Namen, sondern führen ihn schlichtweg korrekt weiter.
  • Markennamen, die von Klöstern lizensiert worden sind. Beispiele: "Kloster Plankstetten" wird von der Riedenburger Brauerei gebraut mit ökologisch angebautem Getreide aus dem Klostergut. "Kloster Seligenporten" wird von der Neumarkter Lammsbräu gebraut.
  • Markennamen, die den Namen einer früher einmal vorhandenen Klosterbrauerei tragen. Beispiele: St. Michaelsberg, eine Marke der Bamberger Maisel Bräu (die seit letztem Jahr insolvent ist). Die Alpirsbacher Klosterbräu wurde 1877 von Johann Gottfried Glauner gegründet, der eine einstige Klosterbrauerei reaktiviert hat.
  • Markennamen, die geeignet sind, naiven Zeitgenossen inen religiösen Bezug vorzugaukeln oder in der Werbung gar mit Pseudo-Mönchen spielen. Wobei dem Management der Spaten-Franziskaner-Bräu KGaA (dahinter steckt der belgische Konzern InBev) zu Gute gehalten werden muß, daß von denen niemand behauptet, es handele sich um ein Klosterbier, genauso wenig wie von den Verkäufern der Weißbiermarke "Kapuziner" und der Biermarke "Mönchshof" (Kulmbacher Brauerei AG, dahinter steckt Schörghubers Brau Holding International AG und letztlich der holländische Brauereikonzern Heineken mit 49% Anteil an der BHI).
Es wäre im Sinne der Wahrheit und des Verbraucherschutzes sinnvoll, wenn auf den Flaschenbieretiketten angegeben werden müßte, wo die Biere gebraut und wo sie abgefüllt worden sind. Doch leider hat die deutsche Brauwirtschaft dies bislang verhindert.

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