Gastgewerbe Gedankensplitter



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Sonntag, März 08, 2009

Negativliste von Berlin-Pankow zerstoert vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Lebensmittlelaufsicht und Gastronomie.

Das von uns vorgestellte "Modellprojekt Pankower Smiley-System für kontrollierte Betriebshygiene" hat für einige Furore gesorgt. Jetzt hat sich auch das Blog Zitty Berlin, also eines auflagenstarken Stadtmagazins, das selbst sehr viele Restaurantkritiken und -empfehlungen veröffentlicht, dem Thema angenommen, Lesen Sie den Kommentar von zitty-Chefredaktuer Kai Röger: "Unser täglich Brot". Darin heißt es:
"Wenn man im Fernsehen nicht weiß, ob die Serie, die man plant auch wirklich etwas taugt, dreht man einen Pilotfilm. Der hat alle Anlagen der Serie, ist recht aufwändig produziert und wenn er keinen Erfolg hat, ist die Serie gestorben. So gesehn ist das Pilotprojekt des Bezirks Pankow Schmuddel-Restaurants auf Negativlisten zu setzen, die im Internet für jeden einsehbar sind, grandios gescheitert. Denn es wird am Ende des Jahres keine Fortsetzung geben und die anderen Bezirke werden dem Beispiel Pankows nicht folgen. Das ist nicht verwunderlich, denn die Idee ist schlichtweg nicht zu Ende gedacht."
Kai Röger weist darauf hin, daß eine Restaurantkritik immer nur eine subjektive Meinung äußert. Der Leser vertraue dem Namen unter dieser Kritik. Den Pankower Lebensmittelkontrolleuren wirft er zu Recht vor, daß
  • sie anonym kritisieren
  • eine objektive Kontrolle nicht leisten können. Dafür gäbe es zu wenig Kontrolleure im Vergleich zur Vielzahl von Restaurants und Imbissen in Berlin-Pankow. Nur manche, aber nicht alle schwarzen Schafe würden erwischt. Die sich ergebende Negativliste sei deshalb nicht objektiv, sondern davon abhängig, wer gerade wann kontrolliert worden ist und wer nicht.
Weiter fragt Kai Röger:
"Ich frage mich auch, warum Restaurants, die wirklich übel zu lesende Einträge in der Negativliste haben, überhaupt noch offen sind. Es geht doch bei den Kontrollen auch darum, den Gast zu schützen. Um zu wissen, das ich mir das Essen mit Ratten teilen muss, brauche ich jetzt aber erst einmal einen mobilen Internetzugang."
Ich stimme auch einem Aspekt zu, auf den Kai Röger großen Wert legt: ein gutes Verhältnis zwischen Gastronomen und der Lebensmittelaufsicht. Meine Erfahrungen mit der Bamberger Lebensmittelaufsicht sind eher positiv:
  • Sie sind fachlich kompetent, haben Koch gelernt und Berufserfahrung als Köche.
  • Sie verstehen sich nicht als jemand, der Gastronomen, die sich bemühen, alles richtig zu machen, das Leben schwer macht, sondern verstehen sich als Berater, die in einem jahrelangen Prozess im Gespräch mit der Gastronomie die Hygiene-Standards verbessern. Diese Standards sind ja auch gar nicht Weisheiten, die vom Himmel fallen, sondern Erfahrungswerte, subjektive Einschätzungen, Ergebnisse wissenschaflicher Forschung und auch abhängig vom Stande und der Entwicklung der Technik.
  • Und auch Kontrolleure haben nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen, sondern ringen argumentativ um gute Lösungen.
Kleine Mängel festzustellen, ist deshalb keine Staatsaktion und kein Verbrechen. Eine Mängelliste ist eine Liste von Hausaufgaben, die ein Gastronom zeitnah und so schnell es geht zu erledigen hat. Wenn ein Kontrolleur sich entscheiden muß, ob er einen Betrieb in einer Negativliste aufnimmt und damit möglicherweise wirtschaftlich ruiniert, belastet dies das Beratungs- und Vertrauensverhältnis zwischen Kontrolleur und gutwilligem Gastronom enorm. Dann redet man nicht mehr miteinander, sondern nur noch vor Gericht.

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