Gastgewerbe Gedankensplitter



« Home | "Es geht nicht um ueble Nachrede..." » | Mittagstisch-Gestapo konfisziert ungesundes Essen.... » | Wein mit Ei und Milch. » | Wie komme ich von A nach B? » | Coca-Cola: Verkaufsfoerderungsprogramme für die Ga... » | frischli "Edel-Schoko 50%". » | AHGZ Leaders Day 2009. » | NGG will elektronische Kassensysteme vorschreiben.... » | Bionade: Eine Limo veraendert die Welt. » | Casting fuer Speisekarten-Polizei. »


Mittwoch, März 18, 2009

Wolfgang Twardawa und die Krise der Gastronomie.

Wolfgang Twardawa, Marketing-Chef der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung, behauptet, die Umsätze der Gastronomie seien im Januar 2009 um fünf Prozent eingebrochen: "Wenn Schmalhans die Küche regiert - Suppen-Absatz boomt", in: Proplanta vom 18. März 2009.

In anderen Zeitungen, etwa der "Wiener Zeitung" vom 7. Närz 2009 ("Es naht der Rückzug in den Kokon") findet man ein Interview mit diesem Experten, in dem er eine tiefe Krise der Gastronomie prognostiziert:
"In Krisenzeiten verlagert sich der Konsum von den Außer-Haus-Aktivitäten ins Haus. Statt des Besuchs eines Freizeitparks oder Restaurants verbringen Familien lieber einen Tag daheim und beschäftigen sich mit Gesellschaftsspielen. Es tritt der Kokon-Effekt ein: Man zieht sich in die eigenen vier Wände zurück, weil man sich dort sicher fühlt. Man sucht die Flucht aus der Realität."
Na ja. Dieser Cocooning-Effekt wird seit vielen Jahren beschrieben. Aber vielleicht verstärkt er sich tatsächlich in der Krise. Aber trotzdem erwidere ich darauf:
  • Auch zu Hause essen Menschen gerne Speisen, die andere für sie zubereiten. Deshalb boomen Take-Away, Mietköche, Partyservice und Catering. Einen großen Teil dieser Nachfrage können Gastronomen im Wettbewerb mit anderen Branchen attrahieren.
  • Auch die Gastronomie kann eine Wohnzimmer-Atmosphäre bieten.
In einem Artikel der "taz" vom 21. Februar 2009 ("Die Aldisierung des Essens") finden sich weitere Äußerungen von Wolfgang Twardawa, die der Gastronomie wenig Gutes verheißen:
  • Die "getränkeorientierte Gastronomie" habe im Dezember 2008 einen Rückgang von 8 Prozent verzeichnet.
  • Zu Hause ließe sich billiger Bier trinken und speisen.
  • Allenfalls gönne man sich mal einen Besuch im Burgerrestaurant: In der Systemgastronomie mit weltweit standardisiertem Essen gebe es keine unangenehmen Überraschungen, die einem das Leben weiter erschweren könnten. Eltern und Kinder seien zufrieden mit Pommes und Co.
  • Sich bedienen lassen sei weniger angesagt. Die klassischen Gastronomen hätten deutliche Einbußen.
  • Auch die Kantinen blieben leer wegen der Kurzarbeit in vielen Betrieben. Betriebscaterer würden teilweise selbst Kurzarbeit anmelden.
  • Bei Familien mit mehreren Kindern, Alleinerziehenden, Arbeitnehmern mit befristeter Anstellung werde selbst der Imbiss zwischendurch gestrichen.
Irgendwie passen diese Horrorszenarien nicht mit den zur Zeit steigenden Umsätzen in meinem Bamberger "Café Abseits" zusammen. Siehe dazu auch: "Warum es McDonald's trotz Krise gut geht", in: Basler Zeitung vom 12. März 2009.

Nebenbei: Der Konsumklimaindex der GfK ist im März 2009 auf 2,6 gestiegen: "FTD: Ökonomen jubeln über Abwrackprämie", in: Financial Times Deutschland vom März 2009.

Labels: