Gastgewerbe Gedankensplitter



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Samstag, Juli 04, 2009

Mogel-Schinken aus Staerke-Gel und Fleischstuecken.

Die Ergebnisse von Stichproben der letzten drei Jahren machen zur Zeit Wirbel. Bei insgesamt528 Proben bei Gastronomen, Herstellern und Händlern seien bei rund 68 Prozent aller Proben statt Kochschinken kochschinkenähnliche Produkte und Schinken-Imitate verarbeitet worden. Die Pressemitteilung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vom 3. Juli 2009 im Wortlaut:

"Staatssekretär: Mogel-Schinken besteht aus Stärke-Gel und Fleischstücken

In seinem Kampf gegen falsch gekennzeichnete Lebensmittel-Imitate hat der hessische Agrarstaatssekretär Mark Weinmeister vor Verbrauchertäuschung durch falschen Kochschinken gewarnt. Immer häufiger sei festzustellen, dass vor allem in der Gastronomie ein minderwertiges Produkt als angeblicher Kochschinken serviert werde, das jedoch nichts mit echtem Schinken zu tun habe, sagte Weinmeister am Freitag dem Hessischen Rundfunk.

Hessische Lebensmittelkontrolleure haben nach seinen Worten seit 2006 insgesamt 528 Proben Kochschinken, kochschinkenähnliche Produkte und Schinken-Imitate genommen. Davon bezog sich bei 106 Proben die Entnahme gezielt auf die in der Gastronomie bei der Herstellung von Speisen (z. B. Pizzen oder Salate) verwendete Ware und deren Auslobung in der Speisekarte. Von diesen 106 Proben wurden 72 Proben (67,9%) wegen irreführender Bezeichnung oder Wertminderung ohne Kenntlichmachung beanstandet. Die übrigen Proben (422) wurden bei Herstellern und im Handel gezogen. Bei diesen Proben lag der Anteil an entsprechenden Beanstandungen mit 19% (80 Proben) deutlich niedriger.
"Hierbei handelt es sich um Mogel-Schinken! Die Produkte bestehen aus einem großen Anteil von schnittfestem Stärke-Gel, in das kleine Fleischstücke eingebettet sind"
sagte der Staatssekretär. Der Gehalt an Fleisch-Eiweiß liege dabei im Vergleich zu echtem Schinken sehr niedrig, der Fremdwassergehalt dagegen sehr hoch. Der Kunde merkt den Schwindel bestenfalls erst dann, wenn der Mogel-Schinken auf dem Teller liegt.
"Die Abweichungen sind oft so groß, dass die Verwendung der Bezeichnung Schinken auch in Wortverbindungen und mit einschränkenden Erläuterungen nicht geeignet ist, den Verbraucher hinreichend zu informieren. Das ist üble Verbrauchertäuschung."
Ein Beispiel dafür sei die Bezeichnung "Spalla Cotta – Vorderschinken nach italienischer Art aus Vorderschinkenteilen". Weinmeister:
"Auch hier gilt: Vorsicht Mogelschinken!"
Analog zum Schummel-Käse: Wer zweimal mogelt, kommt ins Internet

Weinmeister will nach eigenen Worten beim falschen Schinken genauso hart durchgreifen wie beim so genannten "Schummel-Käse" aus Pflanzenfett, der keine Milch enthält. Wer von hessischen Lebensmittelkontrolleuren zum zweiten Mal dabei erwischt werde, dass er ein Imitat ohne korrekte Kennzeichnung verwendet, dem drohe die Veröffentlichung seines Namens im Internet. Die Vollzugsbehörden wurden entsprechend angewiesen.

Hessen hat laut Weinmeister seine Hausaufgaben gemacht. So hat sich Hessen im Rahmen eines nationalen Kontrollprogramms bereit erklärt, von bundesweit insgesamt 882 vorgesehenen Kontrollen 302 Betriebskontrollen im Jahr 2009 durchzuführen.
"Wir machen Ernst, denn es handelt sich hierbei nicht um ein Kavaliersdelikt. Wer Mogelschinken ohne ausreichende Kennzeichnung in Verkehr bringt, begeht zumindest eine Ordnungswidrigkeit. Bei nachgewiesenem Vorsatz liegt sogar eine Straftat vor."
Mein Kommentar: Jenseits des Wirbels ist festzustellen:
  • Gastronomen sollten aufpassen, daß ihnen von ihren Lieferanten keine minderwertige Ware untergeschoben wird.
  • Es handelt sich nicht um Fälle von gesundheitsschädlichen oder ekelerregenden Zutaten, sondern um eine Verbrauchertäuschung, bei denen preisgünstigere Zutaten untergeschoben werden. Vergleichbar ist dies mit Fällen, wo etwa statt Seezung Pangasius ausgegeben wird. Siehe dazu meinen früheren Beitrag "Pangasius".
  • Kochschinkenähnliche Produkte wie der Vorderschinken (wie Kochschinken verarbeitetes Fleisch der Schweineschulter) darf verwendet werden, muß aber als solcher ausgewiesen werden. Bei Pizza wird in der Regel kein Hinterschinken verwendet, sondern Vorderschinken.

Kommentare:
Ich frage mich allen ernstes welcher Gastronom seinen Gästen sowas antut. Das ist das letzte. Desweiteren frage ich mich wo hier die EU ist die sonst doch überall die Finger drin hat, warum darf sowas überhaupt hergestellt und in den Verkauf gebracht werden?
 
Diese Pordukte sind weder gesundheitsschädlch noch Ekel erregend. Es geht allein um die Verbrauchertäuschung, etwas anderes als ausgelobt als Zutat zu verwenden.

Beim "Analogkäse" kann ich mir sogar vorstellen, auch wenn ich keine Analysen kenne, daß er gesünder ist als Käse, vergleichbar der Diskussion, ob Butter oder Margarine gesünder sei (worüber sich wohl streiten läßt). Analogkäse substituiert ja tierisches Fette durch pflanzliche Fette, was man z.B. bei Fritierfetten als vorteilhaft ansieht. Aber man darf natürlich auch nicht auf einer Speisekarte schreiben, daß man Butter vewendet und dann stattdessen Margarine verwenden.
 
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