Gastgewerbe Gedankensplitter



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Dienstag, März 09, 2010

Europaeische Getraenkewirtschaft vor grossen Herausforderungen.

Vom 10. bis 12. November trifft sich in Nürnberg die europäische Getränkewirtschaft auf der Brau Beviale 2010 zu ihrem wichtigsten Messetermin des Jahres. Mit dabei sind rund 1.400 Aussteller von Getränke-Rohstoffen, Technologie, Logistik, Vermarktungsideen und 34.000 investitionsfreudige Besucher. Nach ihren Besuchsgründen befragt, nutzte 2008 die Hälfte der "Brau Beviale-Community" ihre Messe, um sich über Neuheiten zu informieren. Erfahrungsaustausch, Kontaktpflege, Weiterbildung, Marktorientierung und Vorbereitung von Investitionsentscheidungen waren ebenso wichtig. Und bei aller Business-Hektik pflegt die Branche in Nürnberg ein eher seltenes Ritual: Sie nimmt sich Zeit füreinander, für ein gutes Gespräch unter Partnern, Kollegen, Freunden, Wettbewerbern, um Kontakte lebendig zu halten, Erfahrungen weiterzugeben.

So bieten auch die Herausforderungen des neuen Jahrzehnts ausreichend Gesprächsstoff während der Messe. Selten ist mehr geschehen als im vergangenen Jahrzehnt, das mit einer weltweiten Wirtschaftkrise - dem Platzen der dot.com Blase – begann und mit einer weiteren endete. Für die Europäer war der Milleniumwechsel allerdings nur eine kalendarische Zäsur: ein Zeitenende, keine Zeitenwende. Denn streng historisch betrachtet, stellen die Entwicklungen in Europa seit dem Fall des Eisernen Vorhangs und dem Ende des Kalten Krieges bis heute ein Kontinuum dar.

Der europäische Integrationsprozess der vergangenen zwei Jahrzehnte hat den größten Binnenmarkt der Welt hervorgebracht. Trotz so mancher Kritik kann sich das bisher Erreichte sehen lassen: Die Europäische Union mit ihren 27 Mitgliedsstaaten verfügt mit dem Euro über eine der stärksten Währungen. Sie ist ein wichtiger Akteur der internationalen Krisenbewältigung und sie bietet ihren 500 Mio. Bürgern ein hohes Maß an rechtlicher und sozialer Absicherung. Nicht zu vergessen: Die heute 20-Jährigen sind die erste Generation junger Europäer, die nicht nur mit den großen EU-Erweiterungen, sondern auch mit den vier Freiheiten im Binnenmarkt aufgewachsen sind: dem freien Verkehr von Personen, Gütern, Dienstleistungen und Kapital.

Nach der Zeitenwende 2009 erster Silberstreif am Horizont

Wenn es in der jüngeren europäischen Geschichte eine Zeitenwende gibt, dann 2009. Mit der tiefen und schmerzvollen weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise fand auch die europäische Sonderkonjunktur ein Ende, die gerade den Volkswirtschaften in Mittel- und Osteuropa über zwei Jahrzehnte hinweg große Wachstumszahlen bescherte. Kaum einer weiß dies besser als die Brauer und Getränkehersteller. Beinahe zwanzig Jahre lang kletterte der Bier- und Getränkekonsum in Europa nach oben. Doch wer genauer hinsah, erkannte: Die insgesamt positive Entwicklung war einer beispiellosen Aufholjagd der Konsumenten in Mittel- und Osteuropa zu verdanken. Während in vielen Märkten Westeuropas der Trend beim Getränkeabsatz häufig nach unten wies, schien dem Bedarf an alkoholfreien Getränken und Bier in den Märkten Mittel- und Osteuropas keine Grenze gesetzt zu sein. Davon profitierten auch die Zulieferindustrien, die sich auf der Brau Beviale präsentieren. Ihnen bescherten die Investitionen der weltweit operierenden Brau- und Getränkekonzerne jahrelang gut gefüllte Auftragsbücher. Die gegenläufigen Entwicklungen im europäischen Getränkekonsum fanden jedoch 2009 ein jähes Ende: Plötzlich gerieten alle Märkte unter Druck. Die Zeichen standen auf Rezession und die Talfahrt begann. Da der private Konsum, insbesondere die Ausgaben der Europäer für Getränke, nicht losgelöst von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung gesehen werden darf, hängt vieles davon ab, wie sich die Volkswirtschaften in diesem und in den kommenden Jahren erholen und wie schnell sie ihre Wachstums- und Beschäftigungspotentiale wieder erreichen.

Die Weltbank warnt in ihrem Report Global Economic Prospects 2010, die schlimmste Phase der Finanzkrise sei zwar möglicherweise vorüber, die Erholung der Weltwirtschaft sei aber labil. Das weltweite Bruttoinlandsprodukt (BIP), das 2009 um 2,2 % sank, soll um 2,7 % in diesem und 3,2 % im Jahr 2011 steigen. Das ist zwar das wahrscheinlichste Szenario, dennoch trüben erhebliche Ungewissheiten den Ausblick. Je nachdem wie sich Konsum- und Geschäftsklima in den nächsten Quartalen entwickeln und abhängig vom Zeitplan für das Auslaufen der fiskal- und geldpolitischen Anreizprogramme könnte das Wachstum im Jahr 2011 nur 2,5, aber auch bis zu 3,4 % betragen. Für die Entwicklungsländer wird eine relativ robuste Erholung erwartet: 5,2 % in diesem und 5,8 % im nächsten Jahr, nach 1,2 % im Jahr 2009. Das BIP in reichen Ländern, das 2009 um 3,3 % sank, soll weniger stark steigen, nämlich um 1,8 % im Jahr 2010 und 2,3 % im Jahr 2011.

Die EU-Kommission ist in ihrer BIP-Prognose allerdings weniger optimistisch als die Weltbank. Sie erwartet in diesem Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung in den 27 Ländern der Europäischen Union um 2 %.

Getränkekonsum: Leichte Steigerungsraten prognostiziert

Glaubt man den britischen Marktforschern von Canadean, wird sich in diesem Jahr die Schere zwischen Westeuropa und Mittel- bzw. Osteuropa wieder öffnen. Sie gehen davon aus, dass die Rezession in Westeuropa viel deutlich ausfällt als in vielen Staaten Mittel- und Osteuropas, wo sie nur zu einem vorübergehenden Absatzrückgang führen wird. Schon in diesem Jahr soll der Getränkeabsatz in Mittel- und Osteuropa wieder steigen und 2011 deutlich an Fahrt gewinnen. Für den Bierabsatz in diesen Märkten prognostiziert Canadean Steigerungen für 2010 um 0,1 % und für 2011 um 1,6 % im Vergleich zu 2010. Deutlicher soll die Aufwärtsentwicklung bei den alkoholfreien Getränken ausfallen. 2010 könnte sie um 1,1 % nach oben zeigen, 2011 um 2 %. Diese Prognosen setzen jedoch voraus, dass sich 2010 die wirtschaftliche Lage in diesen Märkten deutlich verbessert und der Einbruch beim Getränkekonsum aufgrund des lang anhaltenden Winters durch einen warmen Sommer kompensiert werden kann.

Betrachtet man Europa als geographische Einheit und bezieht Russland (142 Mio. Einwohner) sowie die Ukraine (46 Mio.) in die Betrachtungen mit ein, so ergibt sich folgendes Absatzvolumina-Ranking: Russland, Deutschland, Großbritannien, Polen, Spanien, Ukraine, Niederlande, Tschechien, Rumänien und Belgien. Wenn auch niemand in diesem Jahr die Tiefe der russischen Rezession vorhersagen mag, so könnte der Pro-Kopf-Konsum bei alkoholfreien Getränken in Russland, nach dem 2009er Rückgang auf 434 dieses Jahr dennoch bei 438 und 2011 bei 446 Litern liegen. Der Bierkonsum hingegen dürfte 2010/11 auf dem 2009er Niveau von 79 Litern/Kopf stagnieren. In der Ukraine brach der Konsum von alkoholfreien Getränken 2009 nur leicht ein: Er lag bei 399 Litern/Kopf. 2010 wird eine Steigerung auf 404 und 2011 auf 419 Liter/Kopf erwartet. Der Bierkonsum, der 2009 nur minimal auf 62 fiel, könnte sich 2010 erholen und wieder auf 65 Liter/Kopf steigen.

Innerhalb der EU sind Polen und Rumänien die größten Hoffnungsträger, schon allein wegen der Größe dieser Märkte. Für Polen wird eine Steigerung des Pro-Kopf-Konsum an alkoholfreien Getränken von 213 Litern im Jahr 2009 auf 223 in diesem und 232 im nächsten Jahr erwartet. Langsamer verläuft die Entwicklung beim Bier: von 90 Litern 2009 auf 92,7 Liter 2011. Für Rumänien sind die Schätzungen ähnlich positiv: Der Pro-Kopf-Konsum bei alkoholfreien Getränken steigt von 228 Litern 2009 auf 238 in diesem und 249 Liter im kommenden Jahr. Der Bierkonsum dürfte nach dem 2009er Einbruch auf 91 dieses Jahr auf 94 und 2011 auf 96 Liter/Kopf klettern (Canadean).

Hoher Kostendruck - Schonender Umgang mit Ressourcen

Viele Unternehmen der Zulieferindustrien sehen erste Hoffnungszeichen. Nach einer Geschäftsbelebung Ende 2009 zeigen sich die Betriebe zunehmend optimistisch für das laufende Jahr. In einigen europäischen Staaten gibt es Erholungstendenzen. In anderen wichtigen Märkten, etwa in Osteuropa, bleibt die Lage dagegen schwierig.

Die börsennotierten Getränkekonzerne, die in diesen Märkten das Sagen haben, sind auch künftig gezwungen an der Kostenschraube zu drehen, um die quartalsmäßigen Gewinnsteigerungen zu erzielen, die Finanzmärkte und Aktionäre von ihnen erwarten – Rezession hin oder her. So wird der europäische Markt auch in den kommenden Jahren alle Akteure vor größte Herausforderungen stellen. Nur wer es in Europa schafft, den widrigen Entwicklungen zu trotzen – die da lauten: Voranschreiten des Discounts, erhöhter Preisdruck, Konsumzurückhaltung, Nachfragerückgang bei gleichbleibend hohen Ansprüchen der Konsumenten an Marken- und Verpackungsvielfalt – darf sich Hoffnungen machen, von den Aktionären nicht abgestraft zu werden. Eines ist sicher: In Europa werden die Brauer und Getränkeproduzenten bei ihren Kosten verstärkt den Rotstift ansetzen. Das bedeutet weitere Konzentration, sprich Standortschließungen und Rationalisierung.

Besonders öffentlichkeitswirksam lassen sich vor allem Einsparungen beim Energie- und Wasserverbrauch vermarkten, da sie auch dem Schutz der Umwelt dienen, der in den Nachhaltigkeitsberichten der Unternehmen eine zentrale Rolle spielt. Der Wasserverbrauch eines Getränkekonzerns ist zurzeit noch nicht mit großen Kosten verbunden, doch in der Summe schlägt er bei einem Konzern wie SABMiller weltweit mit jährlich mehr als 94,5 Mrd. Liter zu Buche. Dies bedeutet: Für einen Liter Bier werden mehr als 4,5 Liter Wasser benötigt. Wasser und Energie kombiniert machen fünf Prozent der Kosten für das Unternehmen aus, so SABMiller. Weitaus höher noch seien die Ausgaben für Rohstoffe, Verpackungen und Arbeitskräfte.

Damit sind wichtige Themen der Brau Beviale angesprochen. Innovative Ideen, wie das betriebliche Energie- und Wassermanagement optimiert werden kann, vermittelt auch der Themenpavillon "Energie & Wasser" mitten im Messegeschehen, den die NürnbergMesse in Kooperation mit dem Competence Pool Weihenstephan (CPW) der Technischen Universität München organisiert.

Auch das Thema Verpackung wird brisanter. Die ökologischen Aspekte von Verpackungen wie Ressourcenverbrauch, Emissionen oder Abfall sind Diskussionsgegenstand zwischen Getränkeproduzenten und Zulieferern. Zu entsprechenden Erfolgen haben der Wettbewerbsdruck und gesetzgeberische Maßnahmen beigetragen, aber auch Anstrengungen der Brau- und Getränkeindustrie selbst. Innovationsbemühungen zielen auf Verminderung und Vermeidung von Verpackung sowie auf Ressourcenschonung und Kreislauffähigkeit. Nun gilt es, neue und optimierte Lösungen zu finden, die unter den geänderten Bedingungen vielfachen Ansprüchen gerecht werden.

(Quelle: Pressemitteilung der NürnbergMesse).

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