Gastgewerbe Gedankensplitter



« Home | Zoll prueft Gaststaetten im suedlichen Alb-Donau-K... » | Beginn der Entgelttarifverhandlung im Bayerischen ... » | hogatec 2010 - Abschlussmeldung. » | Landesarbeitsgericht: Kuendigung einer langjaehrig... » | Gastronomie im Innviertel profitiert vom Rauchverb... » | Top-Event für das sueddeutsche Gastgewerbe: HOGA N... » | DGB-Ausbildungsreport 2010: Ausbildung im Hotel- u... » | Fraenkische Bierakademie: Wochenendkompaktseminar ... » | Neue Wege bei der Messung von Kundenzufriedenheit ... » | Inseratpreise, die abheben. »


Freitag, September 17, 2010

Smileys bundesweit?

Die Konferenz der Verbraucherschutzminister hat beschlossen, die Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen gastronomischer Betriebe zu veröffentlichen: "Symbole sollen über Restaurant-Hygiene aufklären", in: Focus vom 17. September 2010.

Auf den zweiten Blick zeigt sich, daß die Anforderungen an das Verfahren nicht miteinander vereinbar sind und auch nicht praktikabel:
  • Die Informationen sollen verständlich sein. Dazu müßte aber unterschieden werden, zwischen Mängeln, die für den Verbrauer relevant sind und Verstößen gegen bürokratische Vorschriften, die in keinem Zusammenhang mit der Lebensmittelhygiene stehen, z.B. wenn Zusatzstoffe falsch deklariert sind.
  • Die Informationen sollen aktuell sein. Tatsächlich werden gastronomische Betriebe durchschnittlich einmal pro Jahr kontrolliert. Ist den Prüfern bekannt, daß ein Betrieb solide arbeitet, wird eher oberflächlich kontrolliert, um mehr Zeit zu haben für solche Betriebe, die bereits negativ aufgefallen sind. Um aktuelle Informationen bereit zu stellen, müßte die Anzahl der Prüfern mindesten verzehnfacht werden. Die Kosten dafür müßten aber die Kommunen bzw. Landkreise bzw. Bezirke tragen. Die haben aber weder Geld noch Lust, die Personalkosten der zuständigen Abteilungen massiv auszustocken. Zudem gibt es nicht ausreichend Bewerber, die die Doppelqualifikation Ausbildung in einem lebensmittelverarbeitenden Beruf, z.B. Koch, und lebensmittelrechtliche Kenntnisse erfüllen.
Die von Berlin-Pankow veröffentlichten negativen Ergebnisse ("Negativliste geordnet nach Adressen mit Fotos 10. September 2010") täuschen mit der Datumsangabe 10. September 2010 über das wahre Alter der darin enthaltenen Prüfberichte. Monatealte Informationen über den Hygienezustand von gastronomischen Betriebe sind für die Katz.

Anders als in Berlin-Pankow würden in meiner Stadt Bamberg Betriebe mit solchen Befunden schlichtweg geschlossen und erst wieder aufgemacht, wenn die unhygienischen Zustände beseitigt sind.

Das Smiley-Kontrollsystem hilft den Prüfern nicht, sondern belästigt sie mit bürokratischen Pflichten, die sie von den Kontrollen und dem Vorgehen gegen Schmutzfinken abhalten.

Labels:


Kommentare:
"Dazu müßte aber unterschieden werden, zwischen Mängeln, die für den Verbrauer relevant sind und Verstößen gegen bürokratische Vorschriften"

Dazu kann ich als Verbraucher nur sagen: Für mich ist sehr relevant, ob ein Gastronom Zusatzstoffe korrekt deklariert oder nicht. Dabei bin ich noch nicht mal Allergiker, für den sowas auch gerne mal lebensbedrohlich sein könnte.

Es geht hier nicht um zu vernachlässigende "bürokratische Zettelwirtschaft" sondern schlicht darum, dass ich wissen will, was mir da an Essen verabreicht wird.
 
Wer die gastronomische Praxis kennt, weiß, daß es für kleine und mittlere Betriebe insbesondere bei wechselndem Angebot, z.B. Tagesgerichten, fast unvermeidlich ist, gelegentlich falsch oder unvollständig zu deklarieren.

Vermeidbar ist das nur, wenn man dauerhaft identische Waren bezieht, d.h. auf saisonale Produkte und lokale, kleine Lieferanten verzichtet.

Nur große Systemgastronomen mit zentralem Einkauf großer Mengen können das 100%ig leisten.

Bürokratische Vorschriften, bei denen der Gastronom, der Koch vor lauter Zettelwirtschaft nicht mehr zum Arbeiten kommt, sind ein Wettbewerbsvorteil für große Systemgastronomen. Wollen Sie wirklich in Zukunft nur noch die Wahl haben, ob sie bei McDonald's oder bei Burger Kind essen gehen?
 
Noch mehr Bürokratie und noch mehr Beamte, die sich Arbeit beschaffen? Sind Gastwirte wirklich nicht mehr in der Lage, sich selbst um ihre Gäste zu kümmern?
 
Kommentar veröffentlichen