Dienstag, November 25, 2003

Alcopops - zum Zweiten.

Warum käuen eigentlich Journalisten jeden Mist wider, den ihnen Politiker vorquatschen, ohne die abstrusesten Behauptungen zu checken? Oliver Havlat von der TAZ gibt in einem Artikel "Strafsteuer gegen den riskanten Mix" vom 24. November 2003 Aussagen der Drogenbeauftragten wieder: "Schon 13-Jährige besorgten sich die Getränke regelmäßig. In einer durchschnittlichen Diskonacht könnten schon einmal sechs bis acht Flaschen getrunken werden, die zusammen den Alkoholgehalt von 12 bis 16 Schnäpsen hätten."

Dazu hätte er meines Erachtens anmerken müssen:
  • 13jährige können keine Disconächte durchmachen, denn sie dürfen nach dem Jugendschutzgesetz ohne Begleitung Erwachsener an öffentlichen Tanzveranstaltungen überhaupt nicht teilnehmen. Wenn das in Berlin anders ist, würde mich dies bei einem Regierenden Bürgermeister wie Wowereit nicht wundern. Das wäre dann aber ein ganz anderes Thema.
  • Selbst wenn man den Preis für eine Flasche mit 3,50 Euro in einer Diskothek niedrig anssetzt, müßte unser 13jähriger für diesen Rausch 28 Euro hinlegen. Das ist das übliche Taschengeld für einen oder gar zwei Monate für Kinder im 7. und 8. Schuljahr. Andere Ausgaben wie Eintritt in die Diskothek oder Fahrtkosten mal gar nicht berücksichtigt.
Die Drogenbeauftragte beweist mit solchem Schmarrn nicht mehr als daß sie in ihrem Wandlitz jeden Kontakt zur Lebenswirklichkeit verloren hat.

Wen man wirklich ernsthaft in eine Diskussion einer Sondersteuer auf Alcopops einsteigen will, sollte man sich die Argumente durchlesen, die in einer Sitzung des Schweizer Nationalrates am 29. September 2003 ausgetauscht worden sind. Sie offenbaren auch die Schwierigkeiten, "Alcopops" gesetzlich so eindeutig zu definieren, daß die erwünschte Wirkung erzielt wird. Ansonsten werden Alternativen auf den Markt kommen, etwa auf Bier- oder Weinbasis oder auf der Basis von gegorenem Most statt mit Spirituosen gemixt. Die Verwendung von Spirituosen (Wodka bei Smirnoff Ice und Rum bei Bacardi Rigo) ist ja eher den Marken der Anbieter geschuldet. Süße Getränke mit einem niedrigen Alkoholgehalt lassen sich leicht aus allen möglichen alkoholhaltigen Getränken zaubern. Und will der Gesetzgeber diese Sondersteuer auch auf Wermut, Port oder Süßwein erheben? Er ist ja sogar zu feige, den Alkohol im Wein der Alkoholsteuer zu unterwerfen.