Mittwoch, November 19, 2003

Gaeste 2003 mit Hotelkongress: Reifere Semester bilden bald die lohnendste Hotelkundschaft.

Leipzig, 18. November 2003. Der neuer Kongress "Marktplatz Hotel" auf der GÄSTE 2003 in Leipzig lieferte hochkarätige Marktstudien und Analysen sowie einen interessanten Ausblick auf Leipzigs Olympiapläne.

Der Hotelgast der nächsten Jahre wird
  • immer älter sein,
  • mehr genuss- und erlebnisorientiert und
  • zugleich preisbewusster buchen,
  • Sicherheitsaspekten eine größere Rolle beimessen und
  • sich verstärkt den eingeführten Marken zuwenden.
Damit erwächst vor allem jenen Segmenten im Beherbergungsmarkt eine günstige Zukunft, die vom wachsenden Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung partizipieren. Zu dieser Kernsentenz lassen sich Keynote-Aussagen verdichten, mit denen der Trendforscher und Geschäftsführungsvorsitzende der Baseler Prognos AG, Christian Böllhoff, zur GÄSTE 2003 am 18. November in Leipzig den Kongress "Marktplatz Hotel" einleitete. Das verheißungsvolle Erstlingswerk, wie der Vorsitzende des einladenden Hotelverbandes Deutschland (IHA), Fritz G. Dreesen, den Kongress nannte, fand als gemeinsame Veranstaltung für Hoteliers und Zulieferer statt. Mit dieser neuen Form des Fachdialogs, zu der fortan alle zwei Jahre der Hotelverband, die ostdeutschen DEHOGA-Landesverbände und die Messe Leipzig zur Internationalen Messe für Gastronomie, Hotellerie und Gemeinschaftsverpflegung bitten, werde man laut Dreesen konstruktiv "Wege aus der Krise der Hotellerie" beschreiten.

"Bach, Bastei und leere Betten?"

Die Analyse des neuen Prognos-Chefs beleuchtete hierzu unter der etwas provokanten Überschrift "Bach, Bastei und leere Betten?" Chancen und Erfolgsvoraussetzungen nicht nur der ostdeutschen Hotellerie. Böllhofer wies daraus hin, dass sich immer schwerer konkrete Zielgruppen fassen ließen, da Individualisierung, Bildungsniveau und persönliche Reiseerfahrung innerhalb der Gesellschaft latent zunähmen. Erkennbar sei jedoch, dass auch für das Reisen Aspekte wie gesünderes Leben, bewusste Ernährung und Sport eine größere Rolle spielen werden. Gute Wachstumsvoraussetzungen sieht der Marktbeobachter auch bei Städte-, Kultur- und Bildungsreisen, bei Wanderurlaub, Rundreisen sowie im Bereich Wellness- und Fitnessurlaub.

Vor allem deutsche Destinationen dürften davon profitieren, da Terroranschläge selbst in beliebten Ferienländern eine Rückbesinnung auf Inlandreisen bewirkten. Auch ostdeutsche Städte und Regionen - namentlich erwähnte er Dresden, Leipzig, Rostock, Meißen, Wittenberg und die Sächsische Schweiz - könnten daraus einen Nutzen ziehen. Denn hier träfen hoher Kultur- und Landschaftswert, gute Sicherheitsbedingungen und Chancen für eine relative Verbrauchersparsamkeit zusammen. Allerdings müssten die meisten ostdeutschen Regionen noch ihre Werbung intensivieren. Laut Prognos entfallen derzeit 60 Prozent aller Städtereisen in den Neubundesländern allein auf Leipzig, Dresden und Rostock. Hoteliers in weniger bekannten Regionen empfahl er dringend, Marketinggemeinschaften zu bilden, neue Marken zu entwickeln sowie den werblichen Schulterschluss mit Kommunen zu forcieren.

Olympia 2012 und das Hotel- und Gaststättengewerbe

Leipzigs Olympiabeauftragter Dr. Engelbert Lütke-Daldrup, der auch den Olympiaplanungsstab im Rathaus leitet, informierte, dass in der Stadt bei einer erfolgreichen Bewerbung dennoch nur 2.000 Hotelzimmer bis 2012 neu entstehen sollen. Dies entspräche einem jährlichen Zuwachs von lediglich 1,5 Prozent. Das Gros der 500.000 bis 700.000 Besucher, die während der Spiele täglich in Leipzig zu erwarten seien, solle stattdessen in der gesamten Großregion zwischen Berlin, Dresden, Chemnitz, Erfurt und Magdeburg schlafen und morgens mit Bussen anrollen. Die vom IOC geforderte Zahl von 42.000 Zimmern gehobenerer Ausstattung unmittelbar in Leipzig will die Stadt großteils in Form von 9.500 "Residenz-Hotels" schaffen. Hierbei handele es sich zumeist um individuell zugeschnittene Gründerzeitvillen, City-Appartements oder Lofts, die gemeinsam mit Leipziger Hoteliers betrieben und nach den Spielen in Eigennutzerwohnungen umgewandelt würden, erläuterte der Planungschef.

TNS Emnid präsentierte neue Studie zu Erwartungen der Hotelgäste

Brandaktuell und damit erstmals in der Branche stellte auf dem Leipziger Kongress das Bielefelder Institut TNS Emnid die Ergebnisse seiner neuen Studie zu Erwartungen von Hotelgästen vor. Laut Dr. Adi Isfort, Direktor für Verkehr & Tourismus, wurden dazu unter über 3.000 repräsentativ ausgewählten Hotelbesuchern all jene 60 Ausstattungsmerkmale abgefragt, die auch für die Sterneklassifizierung Anwendung finden. Auf den ersten drei Rängen festigten dabei jene Kriterien ihre Favoritenstellung bei potenziellen Hotelsuchern, die sie bereits in einer Vorgängeranalyse 1998 eingenommen hatten:
  • Dusche/Bad und WC,
  • ruhiges Schlafen und
  • Frühstücksbüfett.
  • Auf Rang vier kletterte das Merkmal "TV auf Zimmer ", während
  • "Telefon im Zimmer" klar an Bedeutung einbüßte.
Überdurchschnittlich an Gewicht bei der Auswahl von Hotels gewannen in den letzten fünf Jahren laut TNS Emnid folgende Kriterien:
  • Internet/E-Mail-Anschluss im Zimmer (vor allem bei Dienstreisenden),
  • Verfügbarkeit an Hygieneartikeln,
  • Wellness-Angebote,
  • Satelliten/Kabel-TV,
  • Buchungsmöglichkeiten über Reisebüros und
  • Pauschalangebote (überwiegend Freizeitreisende) sowie eine
  • großzügige Badausstattung
Weniger wichtig als 1998 betrachten Leute auf Hotelsuche dagegen
  • einen Shuttle-Dienst,
  • Frühstücksservice im Zimmer,
  • Angebote für Wäsche und Reinigung sowie das
  • Vorhandensein von vegetarischer bzw. Diätküche.
Auffällig sei jedoch, so Isfort, dass sich nur in wenigen, sehr speziellen Punkten markante Unterschiede zwischen Geschäfts- und Urlaubsreisen zeigten. Als gleichermaßen wichtig, sowohl für Nutzer von 4- und 5-Sterne-Häusern wie von 1- bis 2-Sterne-Hotels, werde dagegen eine persönliche Begrüßung durch das leitende Personal gewertet. Danach befragt, ob sie Sterne-Angaben bei Hotels für nötig halten, hätten rund 85 der Gäste geantwortet, sie hielten dies für wichtig bis sehr wichtig, konstatierte Isfort abschließend.

Bettenburgen und kein Ende?

Trotz schwieriger wirtschaftlicher Situation fließen bundesweit nach wie vor Milliardensummen in Neu-, Um- und Ausbau von Beherbergungsbetrieben. Das Bauvolumen an im Bau befindlichen oder bis 2004 geplanten Hotels und Pensionen beläuft sich gegenwärtig auf 4,6 Milliarden Euro, informierte Rolf W. Schmidt, Geschäftsführer der Marktplatz Hotel GmbH in Scheeßel. Aus dem von ihm vorgestellten Investitionsspiegel für den deutschen Hotelmarkt lässt sich zudem ablesen, dass im gleichen Zeitraum 1,3 Milliarden Euro in neue oder verbesserte Ausstattung fließen. Vornan rangierten dabei Modernisierungen bei Inneneinrichtung, Ausstattung und Design sowie eine zeitgemäße technische Nachrüstung der Häuser.

In Sachsen, wo sich derzeit vier Prozent aller deutscher Hotelbetten sowie jedes zwanzigste Hotelzimmer der Republik befinden, falle die Summe bei geplanten Aufwertungsmaßnahmen mit 43 Millionen Euro allerdings vergleichsweise gering aus, informierte Schmidt. Überraschung lösten zugleich andere von ihm präsentierte Zahlen aus. Demnach liegt der Anteil an First-Class-Häusern von zwölf Prozent innerhalb der sächsischen Hotellandschaft über dem Bundesdurchschnitt (10 Prozent), während das bevölkerungsreichste Neubundesland bei einfachen Häusern mit 62 Prozent unter dem deutschen Branchenwert (65 Prozent) rangiert.

Nachholbedarf ganz anderer Art signalisierte der deutschen Hotellerie der Vorstandsvorsitzende der Münchener RS Rating Services AG, Hans J. Loges. Die Chance, sich über ein "unabhängiges Expertenurteil" mehr wirtschaftliche Transparenz und damit eine weit höhere Bonität gegenüber Banken zu schaffen, werde derzeit nur von einem Bruchteil aller mittelständigen Beherbergungsbetriebe genutzt, sagte er. Ein Rating biete jedoch auch eine günstige Chance, die eigene Kapitaldecke bei Investitionen deutlich zu erhöhen. Gegenwärtig erreicht der Eigenmittelanteil in der mittelständischen deutschen Hotellerie laut Loges nicht einmal zehn Prozent. Nach seiner Überzeugung ist das Rating gerade in Zeiten knapper Bankkredite "eine Schlüsselgröße alternativer Finanzierungsmodelle". (Quelle der Mitteilung der Leipziger Messe).