Montag, November 24, 2003

Saure Gurken.

Laut einer Meldung der Financial Times Deutschland vom 24. November 2003 erwägt die Bundesregierung eine Steuer auf Alcopops, die den Preis (im Einzelhandel) verdoppeln soll: "Bundesregierung erwägt Strafsteuer gegen alkoholische Mixgetränke".

Nun muß man wissen, daß sowohl die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk wie auch die Verbraucherschutzministerin Renate Künast für Vorschläge bekannt sind, die zwar für Pressewirbel sorgen, denen es aber an einem wirklichen Problem, das es zu lösen gäbe, und an einem praktikablen Vorschlag mangelt, dieses vermeintlche Problem zu lösen. Erinnert sei an das lächerliche Preis-Wert-Forum von Künast sowie ihre "Agrarwende" und ihr "Anti-Spam-Gesetz" (siehe dazu ein früheres Posting).

Zur Sache:
  • Der Alkohol in den Alcopops unterliegt bereits der Alkoholsteuer - im Gegensatz zum Alkohol in Weinen, den unsere Politiker bevorzugen, wenn sie nicht lieber volkstümelnd nach "einer Flasche Bier" greinen.
  • Der Verkauf von Alcopops an Kinder und Jugendliche ist gesetzlich untersagt.
  • Meiner Einschätzung nach sind Alcopops bei jungen Erwachsenen ohnehin schon wieder out. Angesagt sind stattdessen zumindest bei uns vor Ort Bockbiere, also Biere mit einem Stammwürzegehalt von mindestens 16%. Der Alkoholgehalt beträgt etwa ein Drittel davon, also in etwa dem von Alcopops.
  • Eine zusätzliche Steuer von rund 1,50 Euro je Flasche zuzüglich 16% Mehrwertsteuer würde Alcopops so stark verteuern, daß junge Gäste ab 18 wieder verstärkt zu alkoholischen Mixgetränken greifen würden, die in den Gaststätten aus Spirituosen und einer verlängernden Zutat gemischt werden. Damit läßt sich ohnehin ein höherer Deckungsbeitrag erwirtschaften.
  • Die Forderung nach einer Strafsteuer auf Alcopops kommt mir sehr vertraut vor. Vor wenigen Minuten wurde schon einmal eine Erhöhung der Alkoholsteuer gefordert. In beiden Fällen ging es weniger um den Schutz von Verbrauchern als um Einnahmen für Verbraucherschutzverbände. In Zeiten knapper Länderhaushalte werden Zuschüsse an solche Verbände mangels Erfolgsnachweis bevorzugt gestrichen. Die Verbandsfunktionäre kämpfen auf Teufelkommraus für ihre Jobs.