Montag, Februar 16, 2004

Deutsches Maatwerk insolvent.

In einer polemischen Kritik an den Vorschlägen der Hartz-Kommission habe ich im August 2002 über die sogenannten "Personal-Service-Agenturen" geschrieben:

"Weil die PSA, wenn sie Tariflöhne der empfangenden Branche zahlen, gegenüber privaten Zeitarbeitsagenturen nicht konkurrenzfähig sind, sollen die privaten Wettbewerber, abweichend von der bisherigen Regelung, verpflichtet werden, ebenfalls Tariflöhne des empfangenden Betriebes zu zahlen.

Mit diesem Vorschlag werden private Zeitarbeitsagenturen beitragsfinanziert aus dem Markt gedrängt. Es handelt sich um eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für überflüssige Bürokraten, weil der neue Chef der Bundesanstalt für Arbeit seine großmaulige Ankündigung nicht wahrmachen darf, Zehntausende überflüssiger Bürokraten zu entlassen.

Da die Personalservice-Agenturen Tariflöhne und damit Löhne zahlen sollen, die über den Marktlöhnen liegen, besteht für die Arbeitslosen kein Anreiz, eine Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt zu suchen oder anzunehmen. Man könnte sie auch als virtuelle ABM bezeichnen, also als ABM, bei denen nicht gearbeitet wird. Was ja immerhin die sächlichen Kosten spart (zynisch formuliert). Ich seh sie schon vor mir: 4 Millionen, die auf dem Sofa sitzend in den Gedanken vertieft sind, Pyramiden zu bauen. Oder um in Deutschland zu bleiben: Autobahnen, jede Menge virtuelle Autobahnen. Und wenn genügend virtuelle Autobahnen gebaut sind, kann man die "Leiharbeitnehmer" ja mit virtuellen Lastkraftwagen in Gedanken hin und her fahren lassen. Dann verdirbt der hohe Anteil von Alkoholikern auch nicht den Spaß am umtriebigen Schaffen. Die richtigen LKW-Fahrer kommen aus dem Ostblock und fahren unter Tarif. Aber das sind ja nur Ausländer.

Der Staat als Arbeitgeber, diese Idee sollte spätestens seit 1990 aus dem Arsenal unserer Sozial- und Wirtschaftspolitiker verschwunden sein. Aber vielleicht sieht das ein Personalvorstandes eines Staatbetriebes anders?"


Heute meldet die "Welt": "BA: Rund 9500 PSA-Beschäftigte von Maatwerk-Insolvenz betroffen".

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