Sonntag, Februar 08, 2004

Nachbarn als Touristen und Gaeste.

Merkwürdigerweise wird bei der Entwicklung von Konzepten für touristische Destinationen, aber auch für gastronomische Konzepte, die im Grunde triviale Erkenntnis missachtet, daß die Masse der Besucher in den meisten Fällen aus der Nähe kommt. Ein Beispiel: Bei Überlegungen für die Entwicklung des Tourismussektors für Kirgisien hat man im Jahre 2001, obwohl vor dem Verfall der Sowjetunion Bade- und Kurtouristen dominierten, vor allem auf die unberührte Natur gesetzt, mit dem Bau eines internationalen Flughafens begonnen und davon geträumt, mit Nepal zu konkurrieren. In den letzten beiden Jahren kommen nun aber vor allem Badetouristen aus Kasachstan und Usbekistan (Quelle: Tourismus an der Großen Seidenstraße von der Kirgisischen Botschaft in Deutschland).

Um das Einzugsgebiet von Gaststätten zu ermitteln kann man z.B. Handwurfzettel mit Gutscheinen in die umgrenzenden Haushalte verteilen und die Rücklaufquote unterschiedlicher Zonen um den Standort ermitteln (z.B. durch differenziert gekennzeichnete Handzettel). Ich habe dies einmal gemacht und festgestellt, dass die Rücklaufquote im Postzustellbezirk (einem kleinen Gebiet, das von einem Briefträger bedient wird), in dem die Gaststätte ihren Standort gehabt hat, rund 25% betragen hat, in den angrenzenden Postzustellbezirken aber auf unter 5% gesunken ist.

Die Reichweite hängt vermutlich von der Art der Gaststätte ab und dürfte bei allen gastronomischen Konzepten, die einen nicht alltäglichen Bedarf befriedigen, weiter sein. Bei Stadtteilkneipen und ähnlichen Konzepten, die von Einwohnern und solchen Menschen leben, die im Stadtteil arbeiten, Sport treiben, Kulturveranstaltungen besuchen, zur Schule oder Hochschule gehen usw. dürfte sich das Einzugsgebiet in Städten auf vielleicht ein- bis zweitausend Haushalte begrenzen.

Werbung in regionalen Tageszeitungen oder im lokalen Rundfunk streut dann viel zu sehr. Angesagt sind: Außenwerbung, Handzettel, Direktwerbung in den benachbarten Betrieben, Werbung in Stadtzeilzeitungen oder in Broschüren, Veranstaltungskalendern von Vereinen oder Veranstaltern im Viertel, Kinowerbung, wenn ein Kino in der Nähe ist. Man sollte wenigstens beim erstmaligen Inserieren einen Gutschein verwenden, um die spezifische Rücklaufquote des Mediums zu ermitteln. Wir haben z.B. sehr gute Erfahrungen mit dem Programmheft des Uni-Sportclubs gemacht, weil die Sportstätten, in denen dessen Sportkurse stattfinden, in unserem Viertel liegen. Erfolgversprechend ist auch die Direktwerbung bei Volkshochschuldozenten, wenn Kurse im Stadtteil stattfinden. Man kann sie z.B. vor Semesterbeginn anschreiben, sie und ihre Teilnehmer auf ein Glas Sekt nach dem ersten Kurstermin einladen und einen Gutschein darüber beilegen.