Donnerstag, Februar 12, 2004

Noch mehr Wasserkoepfe.

Der stellvertretende Generalsekretär des Bundesinstituts für Berufsbildung, Walter Brosi, leidet offensichtlich unter einem schlechten Gedächtnis. Laut Netzeitung von heute hat er zu den Plänen, das BiBB mit der Verwaltung einer von Rot-Grün geplanten Ausbildungsplatzabgabe zu beauftragen: "Das könnte reizvoll für das Institut sein".

In einer Stellungnahme des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung zum Entwurf des Berufsbildungsberichtes 1999 der Bundesministerin für Bildung und Forschung hatte man gegen eine Ausbildungsabgabe argumentiert:
  1. Mit einer Ausbildungsabgabe ist ein Rückzug der Betriebe aus der Ausbildung, zumindest aber die Reduzierung des Lehrstellenangebots auf den jeweiligen betrieblichen Bedarf, vorprogrammiert. Dieser Prozeß führt zu einer schleichenden Verlagerung weg von echter betrieblicher Ausbildung hin zu fondsfinanzierter Ausbildung vorwiegend in außerbetrieblichen Einrichtungen, die vergleichsweise teuer, qualitativ schlechter sowie mit einer überdurchschnittlich hohen Arbeitslosigkeit beim Übergang der Absolventen in die Berufstätigkeit verbunden sein wird.
  2. Eine Ausbildungsabgabe verursacht einen extrem hohen zusätzlichen Verwaltungsaufwand sowie finanzielle Lasten und verschlechtert die Wettbewerbssituation der Unternehmen im internationalen Vergleich.
  3. Die Ausbildungsabgabe ist ein Rückfall in planwirtschaftliches Denken. Der Regelungs- und Ausgleichsmechanismus von Angebot und Nachfrage auf dem Ausbildungsmarkt wird weitgehend außer Kraft gesetzt.
  4. Keine Ausbildungsabgabe führt zu mehr Gerechtigkeit. Es wären auch Betriebe von dieser Abgabe betroffen, die keine geeigneten Bewerber für ihre Ausbildungsplätze finden sowie Betriebe, die aufgrund ihrer Spezialisierung oder aufgrund fehlender Anerkennung ihrer Ausbildungsbefähigung gar nicht ausbilden können.
  5. Eine Abgabe zur Ausbildungsfinanzierung führt zu neuen Wettbewerbsverzerrungen, weil z.B. im Fall der Lohn- und Gehaltssumme als Bemessungsgrundlage lohnintensive Betriebe und im Fall des Umsatzes als Bemessungsgrundlage kapitalintensive Betriebe Wettbewerbsnachteile erleiden.
Vor allem, daß man selbst darauf hinweist, daß eine Ausbildungsabgabe einen extrem hohen zusätzlichen Verwaltungsaufwand sowie finanzielle Lasten verursacht, und dann diese Abgabe nutzen will, um den ohnehin horrenden bürokratischen Wasserkopf des BiBB weiter aufzublähen, ist schon ein starkes Stück. Siehe dazu auch unseren Beitrag: "Die geplante Ausbildungsplatzabgabe und ihre Umsetzung im Gastgewerbe".