Dienstag, Juni 22, 2004

Baden-Wuerttemberg: Uebernachtungszuwachs in der Hotellerie, deutlicher Rueckgang im Kurwesen.

Das Geld für Reisen sitzt bei den Deutschen immer noch nicht sehr locker in der Tasche. Zwar konnten die Beherbergungsbetriebe mit mehr als acht Schlafgelegenheiten (einschließlich Camping) im vergangenen Winterhalbjahr (November 2003 bis April 2004) 1,7 Prozent mehr Gäste aus Deutschland begrüßen als im Winter zuvor, ihre Übernachtungen gingen aber um 1,4 Prozent zurück. Dies lag daran, dass sie in diesem Winter bei einem Aufenthalt nur noch durchschnittlich 2,8 statt 2,9 Tage blieben. Da aber gleichzeitig aus dem Ausland 9,6 Prozent mehr Gäste kamen, die sogar 10 Prozent mehr Übernachtungen buchten, ergab sich insgesamt bei den Gästen ein Plus von 3,1 Prozent. Auch bei den Übernachtungen wurde das Ergebnis aus dem vorhergehenden Winter um 0,1 Prozent leicht übertroffen. Nach Rückgängen um 3,5 bzw. 2,3 Prozent in den beiden vorhergehenden Winterhalbjahren scheint die Branche also langsam wieder Tritt zu fassen. Abgesehen von den stabilen Zunahmen bei den Auslandsgästen ist die Lage aber immer noch recht labil, denn in den einzelnen Monaten des Winterhalbjahres wechselten sich im Gesamtergebnis der Übernachtungen leichte Abnahmen (November und Dezember 2003 sowie April 2004) und Zunahmen (Januar bis März 2004) ab.

Dies ist nicht zuletzt die Folge einer sehr uneinheitlichen Entwicklung in den verschiedenen Teilbereichen:
  • Die klassische Hotellerie (Hotels, Gasthöfe, Pensionen und Hotels garnis) konnte ihr Übernachtungsergebnis im vergangenen Winter um 3,7 Prozent verbessern, und zwar vor allem wegen stattlicher Zuwächse bei den Hotels und Pensionen um jeweils 5,4 Prozent. Da zu diesem Hotellerieergebnis nicht nur die Auslandsgäste (+ 11 Prozent), sondern auch die Reisenden aus Deutschland (+ 1,9 Prozent) beitrugen und die Veränderungen seit letztem Dezember stets deutlich im positiven Bereich lagen, kann hier inzwischen von einer Stabilisierung der Aufwärtsentwicklung ausgegangen werden.
  • Die Parahotellerie, die verschiedene Betriebsarten wie Jugendherbergen, Ferienwohnungen, Schulungsheime oder Campingplätze umfasst, konnte im Winterhalbjahr 2003/2004 zwar auch leicht um 0,6 Prozent zulegen. Hier wechselten sich aber Licht und Schatten ab, so dass noch nicht von einer nachhaltigen Stabilisierung gesprochen werden kann.
  • Weiterhin nachhaltig negativ ist die Entwicklung dagegen bei den Vorsorge- und Reha-Kliniken, die vor allem für viele Kurorte in Baden-Württemberg eine ganz wesentliche Rolle spielen. Bei diesen Kurbetrieben gingen die Übernachtungen im dritten Winter hintereinander zurück, und zwar mit ? 9,4 Prozent so stark wie seit der letzten großen Kurkrise in den Jahren 1996 bis 1998 nicht mehr.
Auch regional klaffte die Entwicklung im vergangenen Winter deutlich auseinander:
  • So reichte unter den Reisegebieten die Spanne von Übernachtungszuwächsen im Weinland zwischen Rhein und Neckar um stattliche 5 Prozent bis zu Rückgängen um 9,9 Prozent im benachbarten Neckartal-Odenwald-Madonnenländchen.
  • Das weiterhin bedeutendste Reiseziel des Landes, der Schwarzwald, blieb aufgrund einer rückläufigen Entwicklung im mittleren (? 2,1 Prozent) und südlichen (? 1,6 Prozent) Teil mit einem Rückgang um 0,9 Prozent ebenso hinter der Landesentwicklung zurück wie der Raum Bodensee-Oberschwaben mit einer stärkeren Abnahme um 2,1 Prozent.
  • Dagegen übertrafen die württembergischen Reisegebiete Mittlerer Neckar (+ 1,6 Prozent), Schwäbische Alb (+ 1,9 Prozent) und Neckar-Hohenlohe-Schwäbischer Wald (+ 3,2 Prozent) ihr Übernachtungsergebnis aus dem vorhergehenden Winter klar.
(Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes Baden-Württemberg).