Mittwoch, Juli 21, 2004

Kostenlos fliegen.

Auf den ersten Blick verwundert es vielleicht den einen oder anderen Leser der morgigen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Zeit", wenn der Ryanair-Chef Michael O'Leary seine Erwartung ausdrückt, in zehn Jahren würde Ryanair alle Flugtickets verschenken und sein Geld mit Provisionen von Leistungsanbietern verdienen, denen die Fluggesellschaft Gäste und Kunden zufliegt wie Mietwagenverleihfirmen, Flughafenshops und Flughäfen und Hotels.

Doch kostenlose Services sind jetzt schon gang und gäbe, z.B. sind die Inhalte der Website, die Sie gerade lesen, kostenlos zugänglich. Unser Geld verdienen wir mit Anzeigenerlösen und Provisionen.

Der Eintritt in gastronomische Objekte ist in der Regel frei. Ausnahmen wie ein Fixum ("Gedeck") oder Eintrittsgebühren für Diskotheken bestätigen die Regel.

Daß bestimmte Leistungen im Gastgewerbe kostenlos abgegeben werden, kann Folge sein
  • von gesetzlichen Regelungen, z.B. eines Gebots, Gaststätten-Toiletten kostenlos zur Verfügung zu stellen.
  • mangelnder Zahlungsbereitschaft. So finden in Deutschland Gebühren für Gedecke und für Reservierungen von Tischen kaum Akzeptanz.
  • eines (zu) hohen Aufwandes des Abkassierens, abhängig auch von der technischen Entwicklung, z.B. von Spielgeräten mit Münzeinwurf. Zeitungen kann man z.B. kostenlos zur Einsicht auslegen oder zum Verkauf anbieten.
  • vom angestrebten Image, z.B. ist in der Szene-Gastronomie die Musikbeschallung von mit über den Erfolg entscheidender Bedeutung, so daß sich Musikautomaten, über welche die Gäste die Musik auswählen, fatale Wirkungen haben könnten. In Spitzenrestaurants erwarten Gäste ein Ameuse Geule, also eine kostenlose Appetithappen als Gruß aus der Küche, viele griechische Restaurants in Deutschland spendieren einen Ouzo nach dem Essen, etliche chinesische Restaurants einen Apertif (etwa Pflaumenwein). Ameuse Geule und ähnliche Angebote, die vor dem Essen gereicht werden, haben zudem die Funktion, die Wartezeit bis zum ersten Gang zu versüßen.
  • eines sozialen Engagements oder auch einem Versuch, sich in der Öffentlichkeit positiv darzustellen ("Sponsoring"), etwa die Abgabe von Restmengen an "Die Tafeln".
  • Oder es handelt sich um eine Zugabe, etwa eines Kekses zu einer Tasse Kaffee.
Doch genauso interessant wie die Frage, welche Leistungen man kostenlos anbieten und alternativ finanzieren kann, ist die Frage, für welche üblicherweise kostenlosen Leistungen man Preise verlangen kann. Siehe dazu auch unseren Beitrag "Erlöse im Gastgewerbe: Erlösquellen und Preispolitik".

Welche Turbulenzen zu erwarten sind, wenn man in einem Land wie Österreich, wo das kostenlose Glas Leitungswasser als Zugabe zum Kaffee traditionell dazu gehört, Geld verlangt, deutet ein Artikel der Wiener Tageszeitung "Der Standard" an: "Saft und Wasser ist erfrischend teuer" vom 1. Juli 2004.