Samstag, Juli 03, 2004

Mehr statt weniger Buerokratie fuer Unternehmen.

In ihrer Weisheit gibt sich die Bundesregierung die größte Mühe, die Lohn- und Gehaltsabrechnung ab 2005 noch ein klein wenig komplizierter zu machen:
  • Kinderlose über 23jährige sollen 0,25 Prozentpunkte bei der Pflegeversicherung mehr zahlen (Quelle: "Pflegeversicherung: Höhere Beiträge für Kinderlose", in: Die Welt vom 3. Juli 2004). Man kann zwar die Kinderfreibeträge den Lohnsteuerkarten entnehmen, nicht aber, ob ein beschäftigter Arbeitnehmer Kinder hat, die sich nicht in Freibeträgen niederschlagen. Deshalb werden die Arbeitgeber in Zukunft, wenn diese Unverschämtheit Gesetzeskraft erlangen sollte, regelmäßig ihre Mitarbeiter befragen und das Ergebnis dokumentieren müssen, ob der betreffende Arbeitneherm kinderlos ist oder nicht. Die Alternative wäre, daß die Pflegeversicherung sich selbst drum scheren, wie sie zu ihren Beiträgen bekommen. Doch dazu sind die Krankenversicherungen, welche die Pflegeversicherung administrieren, zu faul. Lieber überwälzt man noch mehr bürokratischen Aufwand auf die Unternehmen.
  • Bei der Krankenversicherung ist geplant, dem Arbeitnehmer die Wahl zu lassen, bei welcher Krankenkasse oder privaten Krankenversicherung er eine Pflicht-Zusatzversicherung für Zahnersatz abschließen will, egal bei welcher Krankenkasse oder bei welcher privaten Krankenversicherung er krankenversichert ist. Den Beitrag soll der Arbeitgeber vom Lohn einbehalten und an die auserwählte Krankenversicherung überweisen. Faktisch bedeutet dies, daß der Arbeitgeber seine Zeit damit totschlagen darf, von allen Mitarbeitern zu erfragen, für welche Versicherung sie sich entschieden haben, dies zu dokumentieren und jeden Monat den voraussichtlichen Betrag in Höhe von 8,50 Euro an diverse Krankenversicherungen zu überweisen. Allein die Kosten der Lohnabrechnung, der Überweisung und der späteren Verbuchung werden in kleinen und mittleren Unternehmen wohl höher sein als der Versicherungsbeitrag des Arbeitnehmers. Frecherweise hat der Gesetzgeber beschlossen, daß die Rentenversicherungsträger und die Bundesagentur für Arbeit für ihre Klientel (Rentner bzw. Arbeitslose) diese kostenlose Dienstleistung nicht erbringen muß. Das heißt, die Sesselfurzer wissen, wieviel Arbeit sie den Unternehmen ohne Kostenersatz aufhalsen und drücken sich selbst davor.
Warum zwingt man die Unternehmen eigentlich nicht gleich, die Kosten privaten Kfz-Haftpflicht-, Hausrats- und Haftpflichtversicherungen, Telefongebühren, Rundfunkgebühren, Leasing- und Kreditrate, die Miete und Mietnebenkosten der Wohnung des Arbeitnehmers usw. vom Lohn einzubehalten und an die Beitragsstellen zu überweisen, fragt ich mich genervt... Das wäre doch genauso sinnig (bwz. unsinnig), wie die bestehende Verpflichtung, Kirchensteuern, den Solidaritätszuschlag, Lohnpfändungsbeträge und die Arbeitnehmerbeiträge zur Arbeitslosenverischerung, Krankenversicherung, Renten- und Pflegeversicherung in der Lohn- und Gehaltsabrechnung zu administrieren. Aber mit uns kann man das ja machen, oder?