Samstag, August 14, 2004

Ami go home.

Die "Welt" meldet um 15:31 Uhr, am kommenden Montag wolle US-Präsident George W. Bush einen Plan zum Abzug von 70 000 bis 100 000 Soldaten aus Europa und Asien bekannt geben. Zwei Drittel des Truppenabzugs solle Europa und vor allem Deutschland, betreffen. In Deutschland sind derzeit etwa 70 000 US-Soldaten stationiert.

Ich nehme dies zum Anlaß, der Frage nachzugehen, ob und wie die Anwesenheit amerikanischer Truppen die Entwicklung der Gastronomie in Deutschland beeinflußt hat.
  • Das Aufkommen der Milchbars in den USA ist in erster Linie der Prohibition zu verdanken, also dem Verbot, Alkohol auszuschenken. Die verringerten Umsatzschancen versuchte man mit dem Ausschank alkoholfreier Getränke zu kompensieren und erfand so nebenbei die Milchbar aber auch Coca Cola. Oft genug reicherte man aber auch Milch, Kaffee und andere alkoholfreie warme und kalte Getränke mit einem Schuß oder auch mehr Alkohol an. Eine Gruppe dieser Mixgetränke ist heute noch als Milkshakes bekannt. So ähnlich ist ja auch in Wien der "Pharisäer" entstanden: Alkoholkonsum, getarnt durch eine Sahnehaube (Rezept: heißer gesüßter gestreckter Mocca im Einspännerglas mit Schlagobers und 4 cl Rum). Die ersten Milchbars außerhalb der USA wurden im Umfeld amerikanischer Truppen in Neuseeland in den 30er Jahren eröffnet ("Black and White" in Wellington 1936). Im Unterschied zu den "Tea Rooms", die von den englischen Einwanderern mitgebracht worden sind, waren sie eine Imitation der in den USA aufblühenden Milchbars. Während des Zweiten Weltkrieges, als in Neuseeland amerikanische Soldaten stationiert gewesen sind, entwickelten sich dort Milchbars zu Treffpunkten von Soldaten und den von ihnen angelockten jungen Frauen und Männern (siehe dazu: "Café Culture in Wellington: 1920 - Present"). Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden auch in Deutschland solche Milchbars, sie wurden aber schnell von italienischen Eisdielen abgelöst. Die allererste deutsche Milchbar wurde jedoch bereits 1937 auf dem XI. Internationalen Milchwirtschaftlichen Weltkongreß in Berlin von Hans Krönlein präsentiert. Gegenüber den Faschisten, die amerikanischen Ideen und Produkten ablehend gegenüberstanden, wurde argumentiert, der Konsum von Milch diene der Volksgesundheit.
  • Entstanden als ein Snack in den Straßen Neapels, wurde die Pizza von italienischen Auswanderen zuerst in die USA und ab den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts nach Mitteleuropa verbreitet. Die erste Pizzeria in Deutschland ist das "Sabbie di Capri" in Würzburg gewesen. Sie wurde 1952 eröffnet. Lesen Sie seine Geschichte: "Wie der Vater, so der Sohn". Die deutschen Pizzerien sind entstanden als Ergebnis eines zufälligen Zusammentreffen italienischer Gastarbeiter (genauer: Gastunternehmer) als Anbieter und amerikanischer Besatzer als Nachfrager. Das Produkt ist kein eigentlich italienisches Produkt, sondern eine Kopie eines für den amerikanischen Markt entwickelten pseudo-italienischen Produktes. Klassische Bestandteile sind der Teig aus Hefe, Salz, Olivenöl, Wasser und Weizenmehl und Mozzarella-Käse (ersatzweise Edamer) und Tomaten, gewürzt mit Knoblauch, Zwiebeln, Basilikum, Salz und Pfeffer als Beleg.
Weitere amerikanische Konzepte sind weniger der Anwesenheit amerikanischer Truppen zu verdanken denn der Suche deutscher Investoren nach erfolgreichen Konzepten in den USA und deren Adaption auf deutsche Verhältnisse (etwa: Bagel, Donuts, Subs, Saftbars, Dinner-Theater, Smoothies, Wraps, Suppenbars), oder dem Vordringen amerikanischer Konzerne und Franchise-Geber auf deutsches Territorium (etwa McDonald's, Burger King, Pizza Hut, Kentucky Fried Chicken, Subway, Starbucks), wobei teilweise Standorte in der Nähe amerikanischer Wohnsiedlungen und Kasernen oder gar innerhalb der Barracks bevorzugt worden sind.