Dienstag, August 10, 2004

Tourismus im ersten Halbjahr leicht im Aufwind.

Nach deutlichen Rückgängen der Übernachtungszahlen in den beiden letzten Jahren fasste das heimische Tourismusgewerbe im ersten Halbjahr 2004 langsam wieder Tritt, teilt das Statische Landesamt Baden-Württemberg mit. Zwar gingen die Übernachtungen der Gäste aus Deutschland in Beherbergungsbetrieben mit mehr als acht Schlafgelegenheiten (einschließlich Camping) von Januar bis Juni dieses Jahres weiter um 1,3 Prozent zurück. Da aber gleichzeitig die Nachfrage aus dem Ausland um stattliche 10,3 Prozent zunahm, ergab sich insgesamt noch ein leichtes Plus von 0,3 Prozent. Wenn man von den stabilen Zunahmen bei den ausländischen Übernachtungsgästen absieht, lässt sich die Situation des Gewerbes aber immer noch als recht labil charakterisieren. Dies zeigt sich insbesondere auch in einer sehr uneinheitlichen Entwicklung in den einzelnen Monaten (hier reicht die Spanne von - 1,7 Prozent im Juni bis + 2,5 Prozent im Februar), bei den verschiedenen Betriebskategorien sowie in regionaler Hinsicht.

Einerseits konnte die klassische Hotellerie (Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe und Pensionen) ihr Übernachtungsergebnis gegenüber dem ersten Halbjahr des letzten Jahres um 4,1 Prozent deutlich verbessern. Andererseits büßte die Parahotellerie, die verschiedene Betriebsarten wie Jugendherbergen, Ferienwohnungen, Schulungsheime oder Campingplätze umfasst, 0,7 Prozent ihrer Übernachtungen ein. Weiterhin nachhaltig negativ ist die Entwicklung bei den Vorsorge- und Reha-Kliniken, die vor allem für viele Kurorte in Baden-Württemberg eine ganz wesentliche Bedeutung haben. Bei diesen Kurbetrieben gingen die Übernachtungen seit Mitte 2001 nahezu stetig zurück. Im ersten Halbjahr 2004 war der Rückgang mit 9,2 Prozent so stark, dass sogar das Übernachtungsergebnis aus dem Krisenjahr 1997 unterschritten wurde.

Unter den Reisegebieten reichte die Spanne im ersten Halbjahr 2004 von Übernachtungszuwächsen im Weinland zwischen Rhein und Neckar um stattliche 8 Prozent bis zu Rückgängen um 4,9 Prozent im benachbarten Neckartal-Odenwald-Madonnenländchen. Das weiterhin bedeutendste Reiseziel des Landes, der Schwarzwald, blieb aufgrund einer rückläufigen Entwicklung im mittleren (- 0,7 Prozent) und südlichen (- 2,5 Prozent) Teil mit einem Rückgang um 1 Prozent ebenso hinter der Landesentwicklung zurück wie der Raum Bodensee-Oberschwaben mit einer Abnahme um 2 Prozent. Dagegen verbesserten die württembergischen Reisegebiete Neckar-Hohenlohe-Schwäbischer Wald (+ 3,6 Prozent) und Mittlerer Neckar (+ 3,1 Prozent) ihr Übernachtungsergebnis aus dem ersten Halbjahr 2003 überdurchschnittlich. Insgesamt war die Entwicklung in den mittleren und größeren Städten ab 20 000 Einwohnern mit Zuwächsen um 4 und mehr Prozent wesentlich günstiger als in den kleineren Gemeinden, die durchweg Übernachtungsrückgänge hinnehmen mussten. Dies gilt auch für die im Regelfall zu den kleineren Orten zählenden prädikatisierten Gemeinden. Hier reichte die Spanne von einer Abnahme um 0,5 Prozent in den Kneippkurorten bis zu einem Rückgang um 4,7 Prozent bei den besonders vom Kurwesen geprägten Mineral- und Moorbädern. Die Gemeinden ohne touristisches Prädikat dagegen, zu denen die meisten mittleren und größeren Städte gehören, konnte ihr Übernachtungsergebnis aus dem Vorjahr um 4,9 Prozent deutlich verbessern.