Donnerstag, September 23, 2004

Bauern und Studenten nackt und ungehemmt.

Öffentlichkeitsarbeit bewegt sich auf einem schmalen Grat und kann leicht ins Lächerliche abstürzen.

Ein eher gelungenes Beispiel ist der Jungbauern-Kalender der Jugend des österreichischen Bauernbundes. Professionelle Fotografen schießen Fotos von feschen, leicht bekleideten Bäuerinnen und Bauern. Der Andrang von Jungbäuerinnen und -bauern ist so groß, daß man nicht auf halbseidene Modelle zurückgreifen muß.
  • Der erste Jungbauernkalender erschien für das Jahr 2001 ausschließlich in einer Girls-Edition und hatte eine Auflage von 2.000 Stück. Der Kalender war in 3 Tagen ausverkauft. Die einzelnen Kalenderblätter waren von Anfang an im Internet auf der Homepage der Jungbauern (www.jungbauern.at) abrufbar. Im ersten Jahr wurden 400.000 Internetzugriffe registriert.
  • Der zweite Jungbauernkalender erschien für das Jahr 2002 erstmals in einer Men- und einer Girls-Edition in einer Auflage von 5.000 (Girls) bzw. 2.000 (Men) Stück. Der Kalender erreichte bereits in diesem Jahr des Erscheinens den Status des ersten und einzigen erotischen Kultkalenders.
  • Für die dritte Ausgabe im Jahr 2003 bewarben sich bereits 400 Mädls und Burschen als Model. Der Kalender war bereits vor Abschluss der ersten Fotoshooting-Runde im März zu 80% und dann im Herbst für das darauffolgende Jahr restlos ausverkauft.
Die Wirkung des Kalenders wird von den Jungbauern so eingeschätzt: "Der Kalender ist das nach außen getragene Zeichen eines fundamentalen Wandels in der jüngeren Bauernschaft und gleichzeitig Start in ein neues Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Er spiegelt damit die massiven Veränderungen der Branche wider."

Eher peinlich berührt hingegen eine Stellungnahme des Deutschen Bauernverbandes gegen eine im Sommer laufende Pro-Sieben-Sendung mit C-Prominenten: "ProSieben bleibt eine Woche länger auf der 'Alm'", in: Spiegel Online vom 23. Juli 2004. Die Wortwahl der Bauernfunktionäre mit "verwerflich", "verzerrtes und beleidigendes Bild der Landwirtschaft", "unpassend", "moralisch fragwürdig", "verhaltensauffällige Exhibitionisten" erinnert mich an eine Szene in der "Alm", in der die Teilnehmer mit ihren Händen Kuhfladen aufsammeln mußten, um damit zu heizen.

In Bamberg, wo die Studentenvereinigung Feki (eine umgangssprachliche Abkürzung für den Universitätsstandort Feldkirchenstraße), die Idee des Jungbauern-Kalenders aufgegriffen hat, um mit einem eigenen Kalender die leeren Kassen der Bamberger Universität zu füllen, hatten die Studenten wohl den klerikalen Einfluß auf die Hochschule unterschätzt. Die Unileitung, die sich nicht zu fein gewesen ist, überhaupt zu einer solchen Nebensächlichkeit Stellung zu nehmen, lehnte "eine solche Kommerzialisierung des nackten Körpers" ab (Quelle: Printausgabe der Lokalzeitung Fränkischer Tag vom 23. September 2004), was die Studenten natürlich nicht hinderte, den Kalender herauszugeben. Oder handelte es sich nur um eine gelungene PR-Aktion der Hochschulleitung, um den Abverkauf zu fördern, indem man die Mundpropganda ankurbelt?

Falls die Stellungnahme der Hochschulleitung ernst gemeint sein sollte, kann man nur noch auf die Einführung von Studiengebühren hoffen. Studiengebühren dürften Hochschulmanager motivieren, sich auf die Lebenswelten ihrer Kunden auszurichten statt sich für ein paar Tropfen Weihwasser zu prostituieren.