Donnerstag, September 30, 2004

Nudel-Konzepte.

Nudel-Konzepte gibt es zuhauf in China und Japan. Nudel-Shops bzw. Nudelbars bieten dort eine große Auswahl von Nudeln und Suppen an. Siehe dazu auch Ramen, Soba und Udon, in: Japan-Guide.com.

Im Grunde handelt es sich bei solchen Straßenverkaufskonzepten um ein Überbleibsel gastronomischer Formen, wie sie auch in Europa vor der Entwicklung von Restaurants üblich gewesen sind. Der Name "Restaurant" kommt ja von einer Suppenbar (so würde man heute dazu sagen), einem Verkauf von Suppen bzw. Eintopf ueber die Straße. In Japan ist es zudem üblicher als bei uns, im Laufe eines Abends mehrere Gaststätten aufzusuchen und in Kneipenstrassen hier und dort ein paar Happen zu essen. Die Gäste essen jeweils bei Spezialisten fuer bestimmte Komponenten eines virtuellen Menüs.

Ob das in Deutschland auch so funktioniert, daran habe ich so meine Zweifel:
  • Wir ziehen ja auch nicht von einem Tapas-Restaurant zum nächsten sondern schlagen uns im ersten den Bauch voll.
  • Gegen solche produktbasierten Konzepte spricht auch, daß gerne in Gruppen essen gegangen wird. Mag dann jeder Nudeln essen? Oder spricht nicht vieles für Gaststättten, wo alle was zu essen auf der Karte finden.
  • Andererseits gibt es bei uns immer mehr Singles und Nudeln haben, zumindest bis zum Hochkochen der Atkins-Diät ihr Image als Dickmacher verloren und gelten eher als Sportlernahrung (was sie ja auch sind, wenn man intensiv Sport treibt).
Letzlich kommt es wie bei Suppenbars wohl auf die Lage an. Man braucht entweder viele Passanten oder Anwohner oder Arbeitsplätze in der Umgebung oder viele Parkplätze oder gar einen Drive-Thru- oder Drive-In-Schalter, wenn man Autofahrer ansprechen möchte. Günstig koennten sich andere spezialisierten Anbieter in der Nähe auswirken, im Sinne einer Freßstrasse oder Imbißmeile. In einigen großen Einkaufscentern wie dem Centro Oberhausen sind z.B. Ausgabestellen verschiedener gastronomischer Marken rund um Sitzplätze angeordnet, die allen Gästen gemeinsam zur Verfügung stehen.

Gute Chancen könnten auch für einen Nudel-Take-Away-Service bestehen und einen Lieferserivce. Zumindest sollten sich Imbiß-Planer darauf einstellen und dafür vorsorgen (Verpackungen für fertige, heiße Gerichte, aber auch kalte, die sich die Kunden zu Hause warm machen können, die mikrowellentauglich sind, evtl. auch Nudeln und Saucen getrennt verkaufen für alle, die mit eigenen Nudeln oder Saucen kombinieren wollen).

Nudelimbisse konkurrieren auf der einen Seite mit 5-Minuten-Terrinen oder frischen Nudeln und Fertigsaucen aus dem Einzelhandel, andererseits aber auch mit italienischen Restaurants.

Ein paar ausgewählte Konzepte:
  • Ambiente, Tschechien. Ein Konzept mit frischen Nudeln. Mit Objekten in Prag und Liberec. Franchise-Anbieter.
  • Pasta Bravo. Von Pizza Hut aufgekauft. Mehr darüber: "Neue Pizza braucht das Land".
  • Seit Februar 2004 gibt es in Köln das Konzept "Pasta-Bar". Man hat sich sogar eine italienische Domain zugelegt.
  • In Köln gibt es auch eine mobile Pasta-Bar.
  • "realfood" in Zürich vereint die asiatische und die europäische Küche. Es wird ohne Geschmacksverstärker gearbeitet, ohne künstliche Farb- und Aromastoffe. Angeboten werden japanische Buchweizen- und Weizennudeln. Die Saucen wie auch der Name des Konzepts stammen aus der Ideenküche von Martin Real, einem renommierten Schweizer Sternekoch (Restaurant Heuwiese in Weite).
  • Mosch Mosch, eine japanische Nudelbar in Frankfurt am Main mit zwei Outlets und Franchisegeber.
Zu guter letzt noch eine Konzeptempfehlung von Jörg Meyer (Meyer-Bünne Restaurantbetriebe GmbH in Dinklage; diese Website wird frühestens in zwei Wochen mit Inhalten gefüllt), der die Streits Lounge in Hamburg betreibt und einen Landgasthof und Cateringservice in Niedersachsen: Seiner Meinung nach ist das Nudelkonzept Vapiano in Hamburg sehr erfolgreich.
"Das Konzept ist eine "designte" mediterrane Pasta-Pizza-Bar. Es liegt in einer totalen B-Lage, versteckt in der Innenstadt und ist von extremen Erfolg gekrönt (zumindest gibt es jedes Mal, wenn ich eine schnelle Nudel essen möchte, fast keinen Platz mehr). Sie arbeiten mit Induktionswok und automatischen Pasta-Kochern (diese ziehen die Pasta im richtigen Moment aus dem Wasser, um diese al dente zu kochen). Es wird hausgemachte Pasta verwendet. Ich denke die Gäste (ich zumindest) lieben auch die Option, trotz der schnellen Zubereitung direkt mit dem Koch/der Köchin das Gericht nach eigenen Wünschen abzuwickeln. Trotz des "Designs" ist das Objekt meiner Meinung nach mit relative schlichten, einfachen Elementen realisiert worden... Ich denke diese Konzept wird überall Erfolg haben."