Montag, Oktober 25, 2004

Bockbieranstiche.

Bockbier kann als saisonales Produkt in jedem Jahr (genauer: mit jedem Sud) etwas anders schmecken. Biertrinker in Bamberg sind dies von den kleinen Brauereien das ganze Jahr über auch bei den "normalen" Bieren gewohnt. Und das macht ja in der Tat den besonderen Reiz aus: Wie schmeckt er in diesem Jahr, der Bock?

Von der Qualität des neuen Bockbieres überzeugen sich in den Braureigaststätten in und um Bamberg jährlich Abertausende, darunter auch viele jüngere und sehr viele weibliche Gäste, denen gemeinhin nachgesagt wird, sie würden lieber Alcopops statt Bier trinken. An diesen sogenannten Bockbieranstichen werden an einem Abend in einer Brauereigaststätte bis zu 30 Hektoliter Bockbier ausgeschenkt. Da in Franken Bier traditionell in "Seidla" (0,5 l-Krügen) ausgeschenkt wird, macht das bis zu 6.000 Seidla. Den Reigen der Bockbieranstiche in Bamberg eröffnet traditionell die Brauerei Maisel. Aber so richtig angesagt ist der Bockbieranstich der Brauerei Schlenkerla. Schauen Sie sich einmal Bilder an vom Bockbieranstich der Bamberger Brauerei Schlenkerla am 7. Oktober 2004.

Mittlerweile kommt diesen Bockbieranstichen sogar eine gewisse Bedeutung als Touristenattraktion zu, wenn auch spontan, ohne daß die offiziell für den Bamberg-Tourismus Verantwortlichen darauf bereits mit speziellen Angeboten reagiert hätten. Zumindest reisen nicht wenige Bierliebhaber aus Ober- und Mittelfranken deswegen an.

In diesem Ausmaß populäre Bockbieranstiche sind andernorts wenig bekannt. Eine der wenigen Ausnahmen habe ich mit dem Kloster Weltenburg aufgestöbert. Und natürlich kennt ganz Deutschland den Bockbieranstich des Salvators der Paulaner im Münchner Nockherberg, der im Fernsehen übertragen wird wegen des Politiker Derbleckens. Die Klosterbrauerei Weltenburg hat sogar Gastro-Pakete geschnürt, mit denen sie Gastronomen, die bei sich Bockbieranstiche inszenieren wollen, unter die Arme greift. Auf diese Idee sind die in ihrem Marketing eher behäbigen Bamberger Brauereien noch nicht gekommen sind.

In unserem Bamberger Café Abseits bieten wir alljährlich eine "Bockbier-Saison", bei der von Mitte Oktober bis Ende Dezember bis zu zehn wechselnde Bockbiere vom Faß und aus der Flasche Bockbiere, Doppel- und Eisbock angeboten werden.

Bockbiere, auch Starkbiere genannt, sind ober- oder untergärige Biere, deren Stammwürzegehalt über 16% liegt. bestehend aus Maltose, Mineralien, Vitaminen und Proteinen. Beim Eisbock wird Doppelbock ist ein Bockbier, welches mit einem Stammwürzegehalt von über 18 % eingebraut wird. Als Stammwürze bezeichnet man den Extrakt des Bieres, das Bockbier gekühlt und das gefrorene Wasser teilweise entfernt. So lassen sich auch höhere Alkoholgehalte erzielen, ohne gegen das Reinheitsgebot zu verstoßen.