Dienstag, Oktober 19, 2004

BRAU Beviale 2004: Getraenketrends - Trendgetraenke.

Log Brau Beviale 2004 in NürnbergDie BRAU Beviale 2004 ist auch in diesem Jahr das wichtigste Messeereignis für die europäische Getränkewirtschaft. Vom 10. bis 12. November dreht sich im Messezentrum Nürnberg wieder alles um Rohstoffe, Technologien, Logistik und Marketing. Dazu werden gut 1.400 Aussteller und rund 38.000 Fachbesucher erwartet. Als klassische Investitionsgütermesse widerspiegelt die BRAU Beviale die Tendenzen auf den internationalen Getränkemärkten. Und da tut sich im Moment jede Menge...

Vorbei die Zeit, als ein Getränk ganz einfach Getränk war, schlichter Durstlöscher sozusagen - als Verbraucher noch "ein Wasser" oder "ein Pils" orderten. Die Getränkebranche hat jede Menge an Aufklärung geleistet, Markenphilosophien vermittelt, dem Konsumenten anhand umfassender Kampagnen klar aufgezeigt, warum Produkt X überhaupt nicht mit Produkt Y zu vergleichen ist - und ist dabei gleichzeitig unheimlich innovationsfreudig. Weg von dem ehemals angestaubten Image stets wiederkehrender Getränkekategorien geht es hin zu immer neuen Produkt- und Verpackungsentwicklungen. Ständig auf der Suche nach Innovationen, die dem Verbraucher einen erkennbaren Zusatznutzen und vor allem ein echtes Geschmackserlebnis bieten.

Wellness und Gesundheit nicht nur für Frauen

Altbekannt und dennoch neu entdeckt - das gilt beispielsweise für Soja-Drinks. In Asien seit Jahrhunderten populär, haftet Soja in Europa immer noch eine gewisse Exotik an. Speziell in Bezug auf Sojagetränke. Vielfach wird mit dem Sojagetränk der bohnige Geschmack klassischer Soja-Produkte verbunden - wem sollte das auf flüssiger Basis wohl schmecken? - Gesundheit und Geschmack in ein stimmiges Konzept gepackt - so lautet bei Sojagetränken die Devise. Soja kombiniert mit Fruchtgeschmack - des Rätsels Lösung. Orange/Passion, Erdbeere/Banane, Maracuja, Mango, Mehrfrucht oder auch Vanille und Schoko sind u. a. am Markt, oft mit Vitaminen, Folsäure und Biotin angereichert.

Experten bescheinigen Sojagetränken weltweite Karrierechancen. 2004 wird von einem Anstieg des Verbrauchs auf vier Milliarden Liter Sojagetränke weltweit ausgegangen. Während Amerika den Durchbruch der Getränke auf Soja-Basis bereits erlebt hat, geht es für die Getränkeindustrie in Deutschland und Europa um ein rasches Aufgreifen des Trends und die frühzeitige Sicherung von Marktanteilen.

"Uralt" und dennoch trendy - das gilt in gleichem Maße für Aloe Vera. Die ersten Aufzeichnungen zum nährenden Saft der Aloe-Vera-Pflanze wurden vor etwa 6.000 Jahren in Ägypten gemacht. Sie galt als Pflanze, deren "Blut" Schönheit, Gesundheit und Unvergänglichkeit verleiht. Cleopatra und Nofretete schätzten den wohltuenden Saft und verwendeten ihn zur täglichen Haut- und Schönheitspflege. Für die Kaiser des antiken Chinas symbolisierten die heilkräftigen hornigen Randstacheln der Aloeblätter die heiligen Nägel der Gottheit. In den asiatischen Ländern war die Aloe Vera ein fester Bestandteil der medizinischen Behandlungen. Wellness, Wohlfühlen, Schönheit - die Positionierung scheint bei Betrachtung blanker Aloe-Vera-Theorie für den Getränkebereich so gut wie vorgegeben.

Neben genannten Trends im Bereich "Wellness-Getränke" greift nach wie vor das Wellness-Getränke-Konzept "Wasser mit Zusatznutzen". Kombination aus Mineralwasser, fruchtiger Geschmacksvielfalt und funktionalem Zusatznutzen - ein Rezept für Erfolg, das durchaus äußerst kreativ umgesetzt werden kann, neuerdings zum Beispiel mit Aloe Vera-Pflaume-Blüte oder Ginseng-Birne-Kräuter.

Mit Hilfe von Trend- und Zukunftsforschung entstand in Österreich nach einjähriger Forschungsarbeit ein prototypisches Produkt für morgen - speziell für Frauen. Das Functional-Lifestyle-Getränk basiert gleich auf mehreren Mega- und Konsumententrends. Die 21 Inhaltsstoffe der Drinks sind reine Naturprodukte, überwiegend Kräuter- und Wurzelextrakte - exakt auf den Organismus der Frau abgestimmt. Kernwirkstoff ist die chinesische Wurzel Dong Quai, die auf die wichtigsten Körperfunktionen, zum Beispiel den Hormonhaushalt, harmonisierend wirkt. Die Getränkeidee stammt aus Japan. Vor etwa fünf Jahren startete dort eine reine Frauen-Marke, die unterschiedlichste Produktgattungen vereint, darunter Bier, aber auch Kosmetik, Kleidung, Autos usw.

Extreme und Markenkult für die Jugend

Ein weiteres interessantes Konzept, das sich von den Niederlanden den Weg gen Belgien, Frankreich, Großbritannien, Schweiz, USA und Neuseeland bahnt: extreme Drinks, das heißt innovative Getränkeprodukte für junge, aktive Zielgruppen. Wasser ohne Kohlensäure in einer individuell gestalteten Flasche mit Clip in Snowboard-Optik lässt sich mit diesem Clip leicht an der Kleidung anbringen. Das Konzept kommt hervorragend an - nicht zuletzt aufgrund der Verpackung, die bereits mit dem "Best Packaging Innovations Preis" in Großbritannien belohnt wurde.

Dass Innovationen insbesondere bei der Jugend auch oder vielleicht gerade wegen ihrer trendigen Verpackung gefragt sind, bestätigt Alexander Homeyer, Geschäftsführer der Münchner Agentur für integrierte Jugendkommunikation Youngcom: "Gebinde ist für die Jugend äußerst wichtig und hat viel mit positiver Selbstdarstellung zu tun. Eine Einheitsflasche verzeichnet lange nicht die gleiche Wirkung wie eine Flasche, die unique ist, die stylish daherkommt." Laut Homeyer genießen Getränkemarken bei der Jugend generell eine hohe Aufmerksamkeit. Was den Markenkult angeht, sind sie von der Wertigkeit her international ganz oben angesiedelt. Ebenfalls interessant: so groß sind die Unterschiede im Konsumverhalten der Jugendlichen laut Homeyer weltweit gar nicht. Amerika ist seit langem in. Fernost kommt mehr und mehr. Künftig könnten laut Homeyer auch Getränkeentwicklungen aus Osteuropa international großes Interesse finden.

Softdrinks weltweit beliebt: Deutschland europäischer Spitzenreiter

Sowohl im klassischen als auch im Trendbereich werden Softdrinks weltweit interessante Wachstumsraten bescheinigt. Zenith International, Großbritannien, prognostiziert im Global Soft Drinks Report 2003 einen jährlich steigenden Absatzzuwachs von weltweit 5 %. 2003 lag der internationale Softdrink-Konsum bei 4,67 Mrd. hl, was einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 75 Litern entspricht. Zurzeit ist der größte Markt für Softdrinks mit einem Weltmarktanteil über 24 % die USA. Eine äußerst dynamische Entwicklung des Softdrink-Konsums ist unter anderem in Asien, Osteuropa und dem Mittleren Osten spürbar.

Auf dem europäischen Markt ist Deutschland mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von 292,3 Litern Spitzenreiter beim AFG-Konsum, so die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke, Deutschland. Platz zwei teilen sich Belgien und Luxemburg ? dicht gefolgt von der Schweiz. Was den Konsum der Erfrischungsgetränke angeht, liegt Deutschland nur im Mittelfeld. Hier führt Irland mit 168 Litern. Beim Wasserkonsum nimmt Italien mit 174 Litern die führende Rolle ein. Dafür sind die Deutschen mit einem Konsum von 43 Litern wiederum die Safttrinker Nummer Eins.

Kreativität kennt keine Grenzen - auch beim Bier

Für das Jahr 2003 verzeichnet der Global Alcoholic Drinks Report von Zenith International bei einem Plus von 1,7 % ein Wachstum auf 1,95 Mrd. hl. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Alkoholika liegt bei ca. 31 Litern. Weltweit führt Bier mit einem Anteil von 74 % weit vor Wein mit 13 %, Spirituosen mit 10 % und sonstigen alkoholischen Getränken mit 3 %. Bis zum Jahr 2007 liegen die Prognosen für alkoholische Getränke bei rund 2,1 Mrd. hl. Mit den höchsten Zuwachsraten wird bei Bier gerechnet.

Im Gegensatz zu den Herstellern alkoholfreier Getränke tun sich die Brauer gerade in Hinblick auf trendige Bierkreationen manchmal noch etwas schwer. Dennoch - es gibt sie die kreativen Beispiele aus der Branche, die über die Einführung von Bier in der PET-Flasche hinausgehen. Eine deutsche Brauerei präsentierte erst kürzlich das erste Anti-Aging-Bier der Welt, dem Sole, Spirulina (Algen) und Flavonoide zugesetzt sind. Ähnlich wie probiotischer Joghurt soll das präbiotische Spezialbier auch die Darmflora unterstützen.

Eine weitere Entwicklung, die bereits vor einiger Zeit von sich reden gemacht hat und zeigt, dass Biergenuss durchaus kreativ sein kann, ist die alkoholfreie Bierentwicklung der Russian Academy of Agricultural Science. Hierbei handelt es sich um ein alkoholfreies Bier, das speziell für den Genuss im Weltraum entwickelt wurde. Mit zusätzlichen Vitaminen und Mineralien angereichert.

Ebenfalls interessant: die Vermittlung von Biergeschmack - ohne Biergenuss. So stellten die beiden Forscher Michelle Kelly und Luke Meyers an der Universität Purdure, Indiana, USA, ein Biergewürz her. Die Produktion des Biergewürzes ist aus hellem und dunklem Bier möglich. Der Alkoholgehalt wird durch den Herstellungsprozess entzogen. Das Gewürz ist für Dips, Saucen, als Zugabe für Brot oder auch als Gewürz für Popcorn und Kartoffelchips gedacht. Was wieder einmal deutlich aufzeigt, dass bei Bier die Grenzen der Kreativität stets die individuell definierten sind. (Quelle: Pressemitteilung der Nürnberg Messe).