Samstag, Oktober 09, 2004

PDF als Paid Content.

Frankfurt Buchmesse - LogoGestern nachmittag diskutierte man im Forum Innovation ueber "PDF als Paid Content" (Veranstalter: Arbeitskreis Geschaeftsmodelle eContent/eServices im Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V.). Im Rahmen von Vortraegen und Fallstudien wurde die Entwicklung im Markt der digitalen Distribution von Printprodukten diskutiert. Als Themen waren vorgesehen:
  • PDF Grundlage & Geschaeftsmodelle.
  • PDF News & Zeitschriften.
  • PDF e-Buecher.
  • Buecher in Happen.
Diskussionsteilnehmer sind gewesen:
  • Dr. Ziegeler Diebold
  • Werner-Christian Guggemos
  • Willi Kaiser, Leiter Marketing-Kommunikation der Cocomore AG,
  • Kathrin Weber, Genios Wirtschaftsdatenbanken
Christian Hoffmann, der über Business Village berichten sollte, erschien nicht.

Willi Kaiser stellte Vericon vor. Vericon Ratgeber beinhalten je nach Thema zwischen 25 und 70 Seiten im DIN-A4-Format und werden auf der eigenen Website Vericon.de, über T-Online.de und RTL.de vertrieben. Um die Kosten des eigens erstellten Contents zu decken, sind bei einem Preis von 5,90 Euro Auflagen von einigen Tausend Exemplaren notwendig, also weniger als bei Büchern, bei denen die Gewinngrenze meist bei fünfstelligen Auflagen liegt. Die nutzwertigen Themen drehen sich um Karriere und Bewerbung, Gesundheit und Wellness, Diät- und Ernährungsfragen.

Ebenfalls selbst erstellte Inhalte werden von Handelsblatt News am Abend vertrieben. Katrin Weber berichtete über die Anfänge in Form einer Kooperation mit der Lufthansa (seit 1995). Nach dem Redaktionsschluß um 14.00 Uhr wird bereits um 14.45 Uhr digital distribuiert im Gegensatz zur Print-Distribution, die um 16.00 Uhr beginnt. Die Handelsblatt News am Sonntag wérden vor Ort in den Flughäfen auf DIN-A4 ausgedruckt und von Boten direkt an die Flugzeuge gebracht. Inhaltlich deckt man damit rund 80% der Nachrichten ab, die per Tageszeitung erst am nächsten Morgen verbreitet werden. Für die Fluggäste der Business Class ist dieser Service kostenlos. Mittlerweile wird Handelsblatt News am Abend an weitere Unternehmen ausgeliefert, etwa an die Passagiere der MS Europe oder ein Hilton Hotel auf den Maledivien und vor allem an die Erster-Klasse-Reisenden in den ICEs (seit 2001). Eine Reihe von Firmen nutzen aber auch gebrandete Versionen (mit eigenem Logo) als Mitarbeiterzeitungen oder als Service für Firmenkunden. Neben der detuschsprachigen Version mit einer wöchentlichen Auflage von ca. 40.000 Exemplaren, gibt es etwa gleich starke englischsprachige Version. Neben diesen B2B-Varianten versucht man B2C-Varianten zu entwickeln, also Angebote für den Endverbraucher, den einzelnen Lesenden. So kann man sich seit der Drupa 2004 eine "on demand"-Zeitung erstellen lassen, die z.B. alle Nachrichten der letzten Tage mit einem bestimmten Suchwort (z.B. Siemens) enthalten, nützlich z.B. zur Verteilung auf Hauptversammlungen oder zur Information von Aktienbesitzern. Eine Variante enthält zusätzlich auch einen Chart der Aktienkursentwicklung.

Dr. Werner-Christian Guggemos, der Geschäftsführer der Ciando GmbH, stellte seinen Vortrag unter das Thema "Infozapping statt Bücherlesen". Das Businesskonzept von ciando geht davon aus, daß Fachbücher nur stellen- bzw. kapitelweise gelesen werden. Über komfortable Suchfunktionen in einem oder auch allen angebotenen Fachbüchern kann man interessante Kapital von Fachbüchern finden und ausgewählte Kapitel herunterladen. Im Unterschied zu Handelsblatt News am Abend, zu Vericon aber auch zu dem nicht vorgestellten e-Buecher-Programm von Business Village verkauft Ciando Inhalte und verlegt sie nicht selbst. Diese Inhalte werden von den Verlagen digital zur Verfügung gestellt und von ciando aufbereitet, unter anderem für den kapitelweisen Verkauf. Als Lieferanten des Münchener Unternehmens fungieren mittlerweile bereits über 100 meist namhafte Fachbuchverlage und es werden, so Guggemos monatlich 2 bis 3 mehr. Der Umsatz verdoppele sich jährlich. Zur Zeit würden 350 bis 400 Produkte (ganze Bücher oder Kapitel) täglich abgesetzt. Der Vetrieb läuft direkt über die Website von Ciando, bei Buch.de, Bol.de und Amazon.de fungiere man als Barsortimenter, wobei man bei Buch.de und Bol.de auch die technische Abwicklung und den Support übernommen habe. Ein dritter Vertriebsweg stellen Bibliotheken dar. So könne man an der Ludwig-Maximilian-Universität in München schon Ciando-Produkte ausleihen. Das heisst man könne z.B. als Student ein e-Buch für eine begrenzte Nutzungsdauer herunterladen. Danach steht das Produkt anderen Entleihern zur Verfügung. E-Buecher wuerden so rund zehnmal pro Jahr umschlagen. Überwiegend handele sich sich um Kunden, welche diese Bücher in ihrem Beruf benötigen. Der Frauenanteil sei auf rund 40% gestiegen. Besonders von Deutschen im Ausland werde der Service gerne genutzt, da man nicht mehr auf eine Lieferung warten muß. Der Preisnachlaß auf die Printausgabe betrage 10 bis 15 Prozent. Mir erscheint diesr Nachlaß als zu gering, dam man Printausgaben weiterverschenken und -verkaufen und (nicht gewerblich) ausleihen kann und darf. Die Nutzung von e-Buechern ist hingegen an einen bestimmten Rechner gebunden, wenn man auch z.B. sich mehrere Versionen (etwa fuer den häuslichen Rechner und den Rechner im Büro) einrichten kann. In Zukunft sei auch mit einer Ausweitung auf Zeitschriften zu rechnen, aber eher bei solchen Zeitschriften, deren Inhalt nicht so schnell veraltet, etwa Sonderhefte von PC-Zeitschriften.