Samstag, Oktober 23, 2004

Preisangaben.

Jacob Nielsen ist berüchtigt für seine klaren Worte. 1996 hat er zum ersten Mal eine Liste von Fehlern veröffentlicht, die man auf Websites machen kann. Jetzt hat er sie aktualisiert: "Top Ten Mistakes in Web Design".

Als eine der schlechtesten Beispiele dafür, wie man Nutzerfragen mißachten kann, führt er an, Preise von Produkten und Dienstleistungen nicht anzugeben. Er meint zwar, Websites, die sich an Endverbraucher wenden, würden so was nicht machen. Aber da kennt er wohl diverse Websites deutscher Gastronomen nicht. Dabei erwecken fehlende Preisangaben, wie man sie verbotenerweise im Rotlichtmilieu oder als "Damenkarte" auch in Spitzenrestaurants findet, eher den Eindruck, der Gastronom geniere sich seine Preise zu nennen. Er schreibt
"Price is the most specific piece of info customers use to understand the nature of an offering, and not providing it makes people feel lost and reduces their understanding of a product line. We have miles of videotape of users asking 'Where's the price?' while tearing their hair out."
Nun kann man aber nicht immer Preise angeben. Wenn Produkte und Dienstleistungen genau auf die Bedürfnisse und Wünsche von Kunden zugeschnitten werden müssen, wären Preise, die alle kostentreibenden Faktoren berücksichtigen würden, um auf der sicheren Seite zu tun, viel zu hoch und würden Interessenten, denen einfachere und preisgünstigere Angebote genügen, abschrecken. Was kann man in diesen Fällen tun?
  • Wir haben in unsererem Bamberger Profitcenter Abseits Catering & Partyservice keine Preise für einzelne Produkte und Dienstleistungen veröffentlicht, sondern beispielhafte Kalkulationen, die wir so ähnlich bereits konkret abgewickelt haben. Der Unterschied zu Preisangaben ist, daß wir uns abweichende Angebote vorbehalten, weil andere Kunden abweichende Anforderungen stellen. Trotzdem können sich Interessenten einen gewissen Eindruck machen, was bestimmte Typen von Leistungsbündeln ungefähr kosten und im Geiste die Werte auf eigene Veranstaltungen hochrechnen. Vielleicht schrecken wir damit auch bestimmte Interessenten ab, die preiswertere Anbieter suchen. Aber es ist auch die Aufgabe von Websites, Interessenten, die nicht in Frage kommen, etwa weil sie zu wenig zu zahlen bereit sind, abzuschrecken.
  • Der Partyservice Lehrieder in Nürnberg, mit 80 Angestellen und 10 Millionen Euro Jahresumsatz, hat einen Teil seines Angebots standardisiert und wickelt diese Aufträge per Online-Shop ab, in dem sich der Interessent sein Wunschpaket selbst zusammenstellen kann. Für den beratungsintensiven Rest fragt er schon mal wichtige Daten per Formular ab und wickelt diese Aufträge dann individuell ab. Aber auch Interessenten für diesen beratungsintensive Dienstleistungen können sich zumindest einen gewissen Eindruck vom Preisniveau verschaffen, wenn sie in den Shop schauen und sich die Preise von Komponenten anschauen, die auch in ihrer Wunschliste enthalten sind.
  • Man verschleiert die Vergleichbarkeit von Preisen, indem man ungewöhnliche Maßeinheiten verwendet, z.B. Preise nach Länge und Gewicht. In der Gastronomie werden Speisen ja eher nach Portionen bepreist und Getränke nach Volumina. Man sollte dabei aber auf die rechtlichen Rahmenbedingungen für Ausschankmaße achten.
  • Eine weitere Möglichkeit zur Verschleierung von Preise stellen die Methoden der zeitlichen Preisdifferenzierung dar.
  • Techniken einer geographischen Preisdifferenzierung (der Preis hängt vom Standort des Internetzugangs des Users ab) sind für kleine Unternehmen (bzw. geringe Kosten) noch nicht verfügbar, aber ich bin mir sicher, daß sich dies in wenigen Jahren geändert haben wird, und solche Funktionen etwa von den großen Providern in Standard-Webhosting-Paketen zur Verfügung gestellt werden. Der Server schaut dann nach, welcher Region der Internetzugang eines Users zuzuordnen ist und sendet dann eine für diese Region festgelegte Preisinformation (Webseite).