Donnerstag, Oktober 21, 2004

So kommen Nachrichten in diesen Blog.

Bernd Röthlingshöfer fragt: "Wie aber kommen Nachrichten in Blogs? Nach welchen Kriterien wählt der Blogger aus, welche Informationen er in einem Posting aufgreift? Sind das womöglich die gleichen wie bei den Kollegen von den Massenmedien?"

Bei meiner Auswahl, was in diesem Weblog, das Sie gerade lesen, aufgenommen wird, spielen ähnliche Kriterien eine Rolle wie bei den Redakteuren anderer Medien:
  • Der Neuigkeitswert, die Aktualität. Was aber nicht heißen muß, dass das Ereignis selbst neu sein muß. Wichtig ist eher, ob darüber schon von Konkurrenten berichtet worden ist. Es liegt in der Natur des Bloggens, daß es leicht fällt, schneller zu sein als die Printmedien. Aber die Wettbewerber holen auf - wenn auch Jahre später, so z.B. die Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung mit tagesaktuellen News, RSS-Feed usw.
  • Networking. Ob derjenige, der diese Nachricht lancieren möchte, in einem Beziehungsgeflecht zu mir steckt. Wer mir einen Gefallen tut, für den investier' auch ich Arbeitszeit. Ich bin schließlich auf Menschen angewiesen, die mir mit Rat und Tat weiterhelfen oder Tipps geben oder Mundpropaganda für mich machen.
  • Nähe zum Publikum (geographische, politische oder kulturelle Bezüge zum Publikum). Hierbei geht es aber weniger darum, ob das Ereignis, über das berichtet wird, in Deutschland, Österreich oder der Schweiz passiert ist (unserem Zielgebiet), sondern ob es für deutschsprachige Gastronomen und Hoteliers interessant sein könnte. Die Wettbewerber in der deutschsprachigen Fachpresse vernachlässigen interessante Entwicklungen in den USA oder Asien. Aber auch das ändert sich peu à peu.
  • Aufwand. Wieviel Aufwand ist es die Nachricht zu recherchieren, zu bearbeiten und aufzubereiten? Die wenigsten Verteiler von Pressemitteilungen berücksichtigen die besonderen Bedürfnisse von Bloggern, z.B. werden keine URLs mitgeliefert, damit man bei Personen und Institutionen, die darin erwähnt werden, Links setzen kann. Meist muß man sich diese Websites selbst heraussuchen. Die wenigsten Anbieter von Inhalten bieten webtaugliche Bilder. Häufig werden nur hochauflösende Bilder für Printmedien zur Verfügung gestellt.
  • Persönliche Vorlieben. Ob mich ein Thema selbst interessiert, spielt natürlich eine Rolle, sonst könnte ich gleich als Lohnschreiber arbeiten. Ich versuche mich dabei aber auf solche Themen zu beschränken, von denen ich erwarte, daß sie in Zukunft auch die Branche interessieren werden. Z.B. schreibe ich seit Anfang 2002 über Weblogs und seit 2000 über Auktions-Websites in weiser Voraussicht, daß solche Themen auch für das insoweit rückständige deutschsprachige Gastgewerbe später einmal interessant werden. Bei einem Ein-Mann-Projekt ist natürlich das Risiko groß, daß man sich auf Themen versteift, die wenige interessieren. Ein Blick auf die Entwicklung der Besucherzahlen hilft dagegen. Bei uns gibt es noch eine Besonderheit: Ein Teil der in diesem Blog eingestellten Beiträge wird in einen Newsletter "Gastro News" übernommen, den wir zusammen mit dem Bayerischen Gastronomie-Report herausgeben. Die Auswahl obliegt dabei der Internetredakteurin dieser in München erscheinenden Fachzeitschrift. Wenn sie mich anruft, weil sie nichts findet, von dem sie glaubt, es könne unsere Newsletter-Abonnenten interessieren, ist es für mich an der Zeit, mal wieder mehr auf den "Nutzwert" der Beiträge in diesem Blog zu achten.
Keine Rolle spielen der Status oder das öffentliche Prestige des Kommunikators. Insoweit macht das Web alle gleich.

Ob in anderen Medien bereits darüber berichtet worden ist, ist zwar kein Kriteriuim bei meiner Entscheidung, ob ich darüber berichte. Aber ich bin natürlich darauf angewiesen, überhaupt etwas zu erfahren. Und ein großer Teil der Anregungen fließt natürlich aus anderen Medien.