Mittwoch, November 10, 2004

Entwicklungen auf dem Biermarkt.

Log Brau Beviale 2004 in NürnbergAuf einer Pressekonferenz am Vortag der Brau Beviale 2004 vom 10. bis 12. November 2004 in Nürnberg berichtete Andreas Stöttner, der Präsident des Verbandes mittelständischer Privatbrauereien in Bayern e. V. über einen nochmaligen Anstieg der vermieteten Standflächen. Erwartet würden mehr als 38.000 Besucher an den drei Messetagen, vom kleinen bayerische Braumeister bis zum Repräsentanten internationaler Konzerne.

Bis einschließlich September hätten die deutschen Brauer ein Plus von 0,3 % im Vergleich mit dem Vorjahr verzeichnet. Und das sei angesichts der hohen Vorgabe des Jahres 2003 mit dem so genannten Jahrhundertsommer ein sehr gutes Zeichen. Dabei weisen die einzelnen Bundesländer eine unterschiedliche Entwicklung auf. Die bayerischen Brauereien liegen mit 2,2 % im Minus, hier hat doch die nasskalte Witterung in der für die Außengastronomie, speziell den Biergärten, wichtigen Phase von Mai bis Juli diesen Jahres negativ durchgeschlagen - bis zum Beginn des Regens im Mai lagen die bayerischen Brauereien noch auf Vorjahresniveau. Die weiteren absatzstarken Bundesländer Nordrhein-Westfalen mit +0,6 %, Niedersachsen/Bremen mit +8,1 % und Baden-Württemberg mit +0,5 % liegen alle über Vorjahr, lediglich Sachsen liegt von den großen Bier-Bundesländern mit -0,7 % leicht unter dem Wert des letzten Jahres.

Welche Entwicklungen beeinflussen die Nachfrage nach Bier?
  1. Bier ist in: Erstmals seit dem Jahr 2002 sind laut GfK die durchschnittlichen Haushaltsausgaben für Bier wieder angestiegen, die deutschen Haushalte gaben im ersten Halbjahr 2004 um 1,4 % mehr für Bier aus wie im Vorjahreszeitraum - dies ist umso erstaunlicher, da der langjährige Wachstumsführer innerhalb der alkoholischen Getränke, der Wein, 2004 einen deutlichen wertmäßigen Rückgang in Höhe von -2,6 % zu verzeichnen hat.
  2. Der Bierabsatz ist trotz des nasskalten Sommers stabil: Obwohl die Monate Mai bis einschließlich August um durchschnittlich 2,5 bis 4 °C kälter und vor allem wesentlich feuchter waren als 2003, liegt der nationale Bierabsatz per September um 0,2 % über dem Jahrhundertsommer 2003. Das heißt, die Verbraucher trinken Bier, stehen zum Bier als Teil ihrer Kultur, auch bei der Jugend ist Bier in, wenn auch andere Marken als bei den Vätern, und nur dort, wo die Außengastronomie eine überdurchschnittliche Rolle im Absatz spielt, wie in Bayern, haben wir infolge der nasskalten Witterung negative Absatzzahlen.
  3. Der Verbraucher akzeptiert Mehrweg: Allen Unkenrufen zum Trotz, die nach dem Einbruch der Einwegquote durch der Einführung der Bepfandung einen Absatzeinbruch bei Bier prognostiziert haben, sei der Bierabsatz gestiegen. Große Discounter hätten lernen müssen, dass sie nicht ersatzlos auf das Segment Bier verzichten können und haben Bier, zum Teil in PET, zum Teil in Mehrwegflaschen wieder eingelistet. Dies zeige, Bier sei in der kulturellen Tradition in Deutschland verankert und genieße, dies zeigten die nachhaltigen Erfolge der vielen regionalen Brauereien, eine hohe Wertschätzung, die über dem eigentlichen Grundnutzen, dem Löschen von Durst, weit hinausgehe. "Wir als Vertreter der mittelständischen Brauwirtschaft in Deutschland - ca. 800 der 1268 Brauereien sind bei uns organisiert - begrüßen hierzu natürlich den Bundesratsbeschluss vom 15.Oktober 2004. Dieses Pfandvereinfachungsmodell, initiiert vom bayerischen Umweltministerium, fördert unseres Erachtens auch bei den letzten Zweiflern die Akzeptanz des Mehrwegsystems, denn es stellt einen erheblichen politischen und rechtlichen Stabilitätsfaktor in dieser Sache dar." Diese eindeutige Stabilität ist wichtig für alle Unternehmen der Getränkebranche, egal ob einweg- oder mehrwegorientiert, um mit Investitionen die Weichenstellungen für die Zukunft vornehmen zu können. Die Strukturverschiebung hin zu Mehrweg spiegelt sich auch in der Geschäftstypenverteilung wieder. Laut GfK hätten die Getränkeabholmärkte 2004 einen Anteil am Einzelhandels-Bierabsatz von 46,3 %, nachdem dieser Wert noch 2002 bei 31,2 % gelegen habe. Gerade für die Vertreter der mittelständischen Brauwirtschaft sei der Getränkeabholmarkt der Garant für Angebotsvielfalt und somit ein wichtiger Bestandteil der Absatzsicherung für die Vielzahl der Brauereien in Deutschland.
Selbst kleinste Brauereien könnten in ihrem Kernabsatzgebiet extrem starke Marken sein, die nicht vom beispiellosen Werbedruck der großen weggefegt werden. Neulich habe ihm, so Andreas Stöttner, ein Getränkemarktbetreiber in Nordbayern gesagt, dass in seiner Bestsellerliste erst auf Platz 13 das erste große so genannte nationale Premiumpils auftauche, auf den Plätzen 1 bis 12 lagen regionale Biermarken. Dennoch hätten sich die Wettbewerbsbedingungen heute so verschärft, dass Fehler sich wesentlich härter bis hin zur Unternehmensaufgabe auswirken, als das noch vor 20 Jahren der Fall war. Die Gründe für das Verschwinden von Betrieben seien:
  • das Fehlen von Substanz, um einen jahrelangen Investitionsstau auszugleichen
  • das Fehlen von Nachfolgern oder mangelndes Interesse der Nachfolger an einer 60-Stunden-Woche
  • Die Vernachlässigung der Markenprofilierung und ein stetiger Absatzverlust.
Brauereien, die in diese aufgeführten Probleme nicht hineingeraten, seien die nächsten Jahrzehnte sehr stabil, trotz Aldisierung, Superpremium und Konsumzurückhaltung.

Was ist ein gutes Bier aus Verbrauchersicht?
  1. Die objektive Produktqualität, hier gehe es vor allem um das Nichtvorhandensein negativer Elemente wie Geschmacksfehler und um die Sicherstellung einer hohen Produktkonstanz.
  2. Das Geschmacksprofil. Mit Spezialitäten könne sich der Mittelständler vom so genannten ausdruckslosen Mainstream absetzen.
  3. Die Markenprofilierung, die unabhängig von der Unternehmensgröße machbar sei.
Der in diesem Jahr erstmals ausgeschriebene European Beer Star wolle die geschmackliche Vielfalt der internationalen Brauwirtschaft aufzeigen. (Quelle: Pressemitteilung der NürnbergMesse).