Montag, November 08, 2004

Speisekarte als Buch.

Im März haben wir über "Speisekarten on demand" berichtet, also über die Idee, Speisekarten bei einem Anbieter von Print on Demand drucken zu lassen. Vorteile:
  • Gäste und interessierte Speisekartensammler können sich die Karte im Buchhandel kaufen.
  • Als Gastronom muß man nicht eine große Anzahl von Karten bevorraten und vorfinanzieren. Sondern man kann sich die Karten in kleinen Losgrößen (beim deutschen Anbieter Book on Demand z.B. 25 Stück) nachbestellen.
  • Man ist mit seiner Speisekarte in den Katalogen der Buchhändler (online und in den Buchläden), vorausgesetzt man leistet sich die Kosten einer ISBN.
  • Man kann auf seiner Website einen Link zu einem Online-Buchhändler setzen, wo Besucher die Speisekarte bestellen können. Damit erspart sich den eigenen Versand.
Der ambitionierte Speisekarten-Sammler Thorsten Sommer hat heute verkündet, daß er die erste Speisekarte mit ISBN in seine Sammlung aufgenommen hat, eine Karte vom Restaurant Bürgerhaus in Weiskirchen.

Thorsten Sommer schreibt dazu:
"Neben Speisen und Getränken enthält diese Karte viele weitere Informationen zu Betrieb und Ortsgeschichte, sowie viele Fotos. Auf der letzten Innenseite findet sich das halbseitige(!) Verzeichnis von Zusatzstoffen. (Vielleicht etwas zu ausführlich für meinen Geschmack.) Die Karte kann man auch kaufen - im Restaurant für 8,50 Euro und über den Buchhandel für 14,95 Euro. Letzteres, da diese Karte eine ISBN-Nummer hat, also offiziell als Publikation geführt und damit weltweit bestellbar wird."
Darf man die eigene Karte unter Preis verkaufen? Mit der ISBN (Internationale Standard-Buchnummer) gilt sie als Buch und unterliegt damit der Buchpreisbindung, die man auch beachten muß, wenn man als Verleger sein Buch selbst an einen Endverbraucher verkauft. Der Verlag kann aber, wie diesem Fall geschehen, einen abweichenden Preis erklären.

Die Speisekarte vom Restaurant Bürgerhaus in Weiskirchen wurde vom Printing-On-Demand-Anbieter Albertis in Hanau gedruckt, wo man diese Karte auch bestellen kann.

Wenn Sie bei Amazon.de nach dieser Speisekarte suchen, stoßen Sie auf den Vermerk "Führen wir nicht oder nicht mehr - Jetzt gebraucht vorbestellen". Dies bedeutet, daß Amazon.de dieses Produkt selbst nicht führt (weder vorrätig hat noch zu bestellen bereit ist) und es auch keinen anderen Anbieter gibt, der als Teilnehmer des Marketplace-Programms von Amazon.de dazu bereit wäre. Wenn man als Gastronom möchte, daß die eigene Karte nicht nur vom stationären Buchhandel und Online-Anbietern wie Libri.de bestellbar ist, sondern auch vom Marktführer Amazon.de geführt wird, muß man entweder am Market-Place-Programm von Amazon.de teilnehmen und die Karten dann doch selbst über Amazon.de verkaufen oder man sucht sich einen Dritten, der diesen Service übernimmt, z.B. eine örtliche Buchhandlung oder einen Verlag, der bereits sein eigenes Programm auf diese Weise vermarktet.