Montag, Januar 17, 2005

Der Kampf um die Speisekarten.

Speise- und Getränkekarten haben unter anderem die Funktion, den Gast mit der Vielfalt der angebotenen Produkte und Dienstleistungen vertraut zu machen, ihm bei der Auswahl helfen, zu Impulsbestellungen zu animieren, Zusatzverkäufe zu aktivieren oder Gäste zu unterhalten und ihnen die Langeweile und Wartezeiten zu vertreiben.

Unter der Rubrik "Dumm(?) gefragt" hat die österreichische Tageszeitung "Der Standard" die provokatorische Frage gestellt, warum Kellner sofort nach der Bestellung die Speisekarte wegnehmen? (via Speisekarten-Seite.de).

Die Leser des "Standards" haben sich ganze Reihe von Antworten ausgedacht. Ein paar bösartige sind auch darunter, z.B. der Wirt wolle verhindern, daß die Gäste die Rechnung überprüfen oder vor dem Nachbestellen sich die Preise anschauen können.

Gastronomen, die ihren Gästen nach der Bestellung die Karten entreißen, führen vermutlich zwei Begründungen an:
  • Es sind nicht genügend Speisekarten vorhanden bzw. angeschafft, um an allen Tischen eine oder mehrere davon auszulegen.
  • Man orientiert sich am klassischen Service, bei dem Gast und Service eine bestimmte Reihenfolge von Schritten einhalten: der Gast wird begrüßt, ihm aus dem Mantel geholfen, er wird zum Tisch geleitet, man hilft ihm beim Hinsetzen, übergibt ihm eine Karte oder zählt ihm mündlich auf, was es Besonderes gibt, nimmt die Bestellung entgegen und verläßt ihn mit der Karte usw. Siehe dazu z.B. "Umgangsformen und Tischmanieren: Im Restaurant" von Gastlichkeit.at.
Sind Sie gescheiter? Die Probe auf's Exempel: Was machen Sie, wenn ein Gast fragt, ob er eine Karte mitnehmen könne? Hauen Sie ihm auf die Finger oder fallen Sie ihm um den Hals?