Sonntag, Januar 30, 2005

Zielgruppe junge Konsumenten: Neue Vielfalt bei Bier-Mixgetraenken.

"Deutschlands Brauer müssen stärker um junge Konsumenten kämpfen". Eine These von Bier-Experte Michael Scherer, Geschäftsführer der Sozietät Norddeutscher Brauereiverbände und Verhandlungsführer und Verhandlungsführer in der Tarifkommission seiner Branche, im Vorfeld der INTERNORGA. Scherer freut sich besonders auf die 79. Internationale Fachmesse für Hotellerie, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung, Bäckereien und Konditoreien vom 4. bis 9. März auf dem Hamburger Messegelände, weil die Brauwirtschaft dort wieder stark vertreten sein wird.

Für die Brauwirtschaft, die der INTERNORGA einen "sehr hohen Stellenwert" beimesse, gehe es in Hamburg weniger um Verkäufe und Abschlüsse, dafür umso mehr um die Präsentation von Neuheiten und die Kundenbetreuung. Scherer, der auch Mitglied im INTERNORGA Ausstellerbeirat ist: "Wir treffen dort sehr viele Gastronomen, Fachhändler, Kunden aus dem Einzelhandel. Die Kundenpflege ist sehr wichtig."

Nicht rosig sieht Scherer die Gesamtsituation der Brauwirtschaft in Deutschland: Wir haben weiterhin Überkapazitäten am Markt, einen nach wie vor sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch und keine vernünftige Preisentwicklung." Durch die zunehmende Konzentration - Übernahmen von mittleren Brauereien durch in- und ausländische Brauereigruppen - habe sich der Arbeitsplatzabbau in den vergangenen zwei Jahren von einem Durchschnittswert von 600 bis 800 Stellen auf 1.600 Stellen beschleunigt. Dabei brauchen deutsche Brauereien laut Scherer in Sachen Qualität keine ausländische Konkurrenz zu fürchten. Vielmehr bringe nicht zuletzt der Zwang zu energie- und personalintensiven Mehrweg-Systemen zusammen mit dem hohen Lohnniveau deutliche Kostennachteile für die deutsche Brauwirtschaft.

Im Gegensatz zu so manch anderem Industriezweig könne die Masse der deutschen Brauer mit ihrer Produktion nicht einfach in Billiglohnländer ausweichen: "Das ist einerseits eine Frage der Lieferwege. Zudem sind viele Marken ortsgebunden. Man kann allein schon aus juristischer, besonders aber aus werblicher Sicht nicht einfach ein Krombacher oder Hasseröder Bier im Ausland herstellen."

Unbefriedigend sei auch die derzeitige Preissituation: "Die gesamte Branche hat wegen der Dosenbepfandung erheblich in neue Mehrweggebinde und Kästen investiert. Das waren nicht eingeplante Zusatzinvestitionen, die die Ergebnisse mindern." Die großen Brauereien haben laut Scherer im Jahr 2004 Preiserhöhungen nicht mitgetragen. Das gehe zu Lasten mittelständischer Anbieter, deren "Markenstrahlkraft" bei ungünstigerer Kostensituation geringer sei. "Beim Kunden muss erst mühsam die Erkenntnis entwickelt werden, dass Bier ein Qualitätsprodukt ist und kleine regionale Brauereien natürlich auch in der Lage sind, ein hochwertiges Produkt anzubieten."

Ein weiteres Problem sei die demografische Entwicklung. Im Vergleich zu früheren Jahren fehlten, so Scherer, "pro Jahrgang knapp zwei Millionen Kunden." Scherer: "Es wachsen weniger Bier-Konsumenten nach, und alte Menschen trinken sowieso weniger. Der Kreis der Biertrinker unter den Verbrauchern schrumpft also." Und in der Gastronomie seien vor allem südländische Konzepte "in" - "die sind eher auf Wein als auf Bier abgestellt."

Die Brauwirtschaft müsse - so fordert Scherer ? vor allem junge Konsumenten wieder an das Bier heranführen.

Biermischgetränke beispielsweise seien eine gute Alternative zu den bei jungen Konsumenten beliebten Alkopops. "Wir sprechen bei Alkopops von Alkoholgehalten um fünf bis sechs Prozent, Biermischgetränke mit zwei bis 2,5 Prozent Alkohol kann man eher in die Kategorie von Leichtbier einordnen", erläutert Scherer. "Allerdings scheint die Vielfalt der Biermischgetränke für diese Zielgruppe noch nicht attraktiv genug zu sein."

Nicht nur im Bereich der Biermischgetränke wird laut Scherer die 79. INTERNORGA wieder zahlreiche Neuheiten zu bieten haben. Waren es im vergangenen Jahr Produkte wie "Warsteiner HiLight" (mit Zuckerentzug und rund 30 Prozent weniger Alkohol eine Art Diätbier) oder "Warsteiner Premium Orange" als Alternative zum Radler, präsentiert inzwischen beispielsweise Veltins seine erweiterte Mix-Range "V+". Biermischungen mit Wellness- und Energie-Getränken sind weiter im Kommen, außerdem Mischungen mit Fruchtsäften. Auf der INTERNORGA wird sich das Traditionsgetränk Bier also in einem vielfältigen und bunten Mix präsentieren.

Die INTERNORGA, 79. Internationale Fachmesse für Hotellerie, Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung, Bäckereien und Konditoreien, ist vom 4. bis 9. März täglich von 10 bis 18 Uhr auf dem Hamburger Messegelände geöffnet. Rund 900 Aussteller aus 20 Ländern präsentieren Neuheiten, Trends und Komplettlösungen für den modernen Außer-Haus-Markt. Eintritt für Fachbesucher: 21 Euro (Zweitageskarte 32 Euro), Fachschüler: 9 Euro. (Quelle: Pressemitteilung der Hamburg Messe).