Sonntag, Februar 06, 2005

Brathaehnchen-USP.

In der heutigen Ausgabe der "Welt am Sonntag" wird unter dem reißerischen Titel "Zeigt her eure Schenkel" der Frage nachgegangen, wer in Deutschland die besten Brathähnchen anbiete.

Anhand dieser Bestenliste läßt sich anschaulich zeigen, wie man in der Gastronomie Produkte veredeln oder zumindest einzigartig positionieren kann. Man kann:
  • besondere Rohprodukte verwenden wie Milchmasthähnchen ("Henne Berlin").
  • vertikal integrieren und Hähnchen selbst aufziehen ("Weinstube Schmidt").
  • frische Hähnchen verwenden statt tiefgefrorener (Lütt'n Grill, Hamburg).
  • die Vorprodukte als besonders frisch bezeichnen wie das "Hühnerhaus", Berlin.
  • Hähnchen besonders lecker zubereiten, sie etwa 24 Stunden lecker marinieren (Lütt'n Grill),
  • oder eine besondere Gewürzmischung verwenden wie das Restaurant Karthäuser in Würzburg.
  • behaupten, sie hätten eine "allerknusprigste Haut" ("Henne Berlin").
  • Oder man freut sich über das Image, man habe den "besten Broiler der Welt" wie die Broiler-Bar im Hotel Neptun in Rostock.
  • Man erklärt das Produkt einfach zur "Spezialität des Hauses" wie die Wirtschaft Zur Rose in Weinstadt.
  • Man kann Hähnchen braten statt fritieren wie das "Nordstern" in Münster.
Wenn das Produkt selbst nicht genug hergibt, kann man auch das Außenrum betonen:
  • etwa "besonders knusprige Pommes frites" ("Hühnerhaus", Berlin).
  • Man stellt heraus, daß ein Prominenter dort eingekehrt sei, wie etwa Gerhard Schröder im "Plümecke" in Hannover.
  • Oder man unterstreicht das hohe Alter des gastronomischen Objekts selbst wie das Restaurant "Karthäuser in Würzburg.
  • Man betont Ausstattungsdetails, z.B. das an Biertischen serviert wird, was die Kommunikation in der Tat fördert.
  • Man gibt ein ungewöhnliches Besteckteil dazu, etwa einen Löffel statt Messer und Gabel wie im Stofhus Nr. 1 in Wismar.
Aber genauso wichtig ist es, Nachteile in Vorteile umzuinterpretieren, indem man zum Beispiel kommuniziert, das Produkt oder der gastronomische Betrieb sei so beliebt, daß ein Dreiviertelstündchen Wartezeit eingerechnet werden muß ("Henne Berlin").