Montag, Februar 14, 2005

Rauchverbot in Gaststaetten: Vom Unsinn repraesentativer Umfragen.

Bereits am 14. November 2004 wurde in der "Scotland on Sunday" über die Ergebnisse einer Marktforschungsstudie "Smoking ban to boost pub company profits" von KPMG bezüglich der Auswirkungen eines Rauchverbots in britischen Gaststätten berichtet: "Smoking ban to 'benefit' pub trade" von Tracey Boles.

Diese Studie ist insoweit bemerkenswert, als sie meines Wissens erstmals einen Fakt berücksichtigt, der bei repräsentativen Umfragen in der Gesamtbevölkerung ansonsten draußen vor bleibt, nämlich, daß Gaststättenbesucher eben nicht gleichmäßig in der Bevölkerung verteilt sind. Wie ich bereits im Jahre 2000 in meinem Beitrag "Zur Bedeutung der Häufigkeit des Gaststättenbesuchs für eine auf Stammgäste ausgerichtete Gastronomie" auf der Grundlage der Daten der vom Spiegel-Verlag bereits 1990 herausgegebenen Datensammlung "Prozente 5" gezeigt habe, ist das Potential an Kunden, die häufig eine Gaststätte aufsuchen, begrenzt. So gehen nur 26% der Bevölkerung einmal in der Woche oder häufiger in eine Gaststätte. Eine repräsentative Umfrage, die das Forschungsinstitut EMNID im Auftrag des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) durchgeführt hat, ergab, daß zwischen Mitte Januar und Mitte Februar 2002 fast jeder dritte Bundesbürger überhaupt nicht in einem Restaurant oder einer Gaststätte gewesen ist.

An der o.a. britischen Studie nahmen 2.000 Menschen teil, darunter ein Viertel Raucher. 56% der Befragten (die sogenannte "once a week brigade") besuchen einmal in der Woche eine Gaststätte. Ein Viertel der Befragten besucht niemals Gaststätten. Der Spiegel hatte 1990 18% ermittelt. Von diesen sind 65% für ein Rauchverbot gewesen und 29% haben angegeben, sie würden nach Einführung eines Rauchverbots öfter Gasttätten aufsuchen. Dann aber wird die britische Studie inkorrekt. Man behauptet,
"Even when balanced against an anticipated small loss of trade amongst more regular pub-goers, this indicates that landlords and pub companies will benefit from a net increase in trade."
Man konzidiert, daß in der Gruppe derjenigen, die häufiger Gaststätten besuchen, also täglich, mehrmals täglich oder mehrmals in der Woche, es "kleine Verluste" gäbe, wenn ein Rauchverbot eingeführt würde. Leider wird - zumindest in dem Zeitungsbeitrag - nicht ausgeführt, wie hoch denn diese "kleinen Verluste" sind. Meine Analyse zeigt jedoch, daß der über 70% aller Gaststättenbesuche von eben dieser Gruppe ausgeführt werden. Anders ausgedrückt, wenn man statt eine repräsentative Auswahl der Bevölkerung zu befragen, in eine Kneipe geht und dort die Anwesenden befragt, wird man feststellen, daß über 70% der Anwesenden häufiger als einmal in der Woche diese oder eine andere Gaststätte besuchen. Nicht ganz so "kleine Verluste" in dieser Gruppe können sich deshalb in erheblichen Umsatzverlusten auswirken.

Hierin liegt wohl der Grund für die erheblichen Unterschiede in der Wahrnehmung der Auswirkungen eines Rauchverbots sowohl zwischen der Gastronomie und der Politik aber auch zwischen den Betreibern von Kneipen und Restaurants. Ein großer Teil der Restaurants im engeren Sinne lebt von Gästen, die einmal in der Woche, einmal im Monat oder noch seltener zum Essen gehen. Viele Kneipen, die getränkeorientierte Gastronomie lebt von Gästen, die mehrmals in der Woche Gaststätten besuchen. In dieser Gruppe der häufigen Gaststättenbesucher ist jedoch der Raucheranteil überdurchschnittlich hoch und ein Rauchverbot wird nicht freiwillig akzeptiert. Die britische Studie drückt dies so aus:
Pub regulars make up only 20% of the total survey database. Amongst those people who visit pubs two or three times a week, 25% are likely to visit less often with a ban in place yet 22% would visit more often. As for the true pub regulars (more than three visits per week) 24% would visit less often with a ban in place but 20% would step up their attendance even further.
Ihre Schlußfolgerung
These net deficits are easily offset by the increased custom among those who visit just once a week, the survey?s authors say.
kann ich nicht nachvollziehen. Sie verkennt, daß Gäste, die mehrmals pro Woche eine Gaststätte besuchen immerhin 70% aller Besuche), nur schwer ausgeglichen werden können, durch eine Zunahme der Besuche solcher Gäste, die bislang nicht oder selten Gaststätten besucht haben.

Der Zeitungsbericht schließt mit einer vagen Hoffnung
"a ban should be sufficient to see a whole new wave of customers coming through pub doors - and staying for longer."
Eine neue Welle von Gästen, die Kneipen überschwemmen, weil dort nicht mehr geraucht wird - wer zahlt die Zeche, wenn das nicht hinhaut?