Dienstag, März 01, 2005

Biersortenanteile.

Ich habe gerade die Anfrage eines Praktikanten in einer kleinen französischen Brauerei beantwortet, der wissen will, welches die Hauptarten Bier in Deutschland seien.

Diese Frage, die in ähnlicher Form auch von Existenzgründern gestellt wird, die ihr Biersortiment planen, ist gar nicht so einfach zu beantworten, da sich die Regionen insoweit stark unterscheiden.

Der Deutsche Bierbrauer-Bund veröffentlicht die bundesweiten Anteile der Biersorten im Lebensmitteleinzelhandel und in Abholmaerkten. Über die Anteile in der Gastronomie gibt es meines Wissens keine Statistik. Man kann aber vermuten, daß zwischen den umgesetzten Mengen im Handel und in der Gastronomie zumindest mengenmäßig über alle Sorten hinweg ein Verhältnis von 5 zu 1 gilt. Ob die Sortenanteile in der Gastronomie anders verteilt sind, weiß ich nicht, man kann aber vermuten, daß Bierspezialitäten in der Gastronomie besser vertreten sind.

Die bundesweiten Zahlen sagen für einzelne Regionen und Standorte aber wenig aus. Der Biergeschmack bzw. das Bierangebot ist regional stark unterschiedlich geprägt. Das untergärige Pils ist dominant in weiten Teilen Deutschlands. Im Raum Köln spielt "Kölsch" die größte Rolle, im Raum Düsseldorf "Alt", beides sind obergärige Sorten.

Bayern ist ein Ausnahmeland, das Aussendienstmitarbeiter von Fernsehpilsmarken in den Wahnsinn treibt. Für den Fachverlag Hans Carl in Nürnberg und den Verband Mittelständischer Privatbrauereien in Bayern wurden im November/Dezember 2001 per Interviews beim Umfrageinstititut Klaus Peinelt GmbH, München, Zahlen ermittelt. In Bayern werden demnach - zu Hause - Biersorten in folgendem Verhältnis getrunken:
  • Pils: 28%
  • Weißbier, hell: 26%
  • Vollbier / Lager: 25%
  • Weißbier, dunkel: 10%
  • Vollbier, dunkel: 6%
  • Alkoholfreies helles Bier: 6%
  • Alkoholfreies Weißbier: 4%
  • Kristallweizen: 1%
Ich bin aber auch bei diesen Zahlen skeptisch. Wer einmal aufmerksam durch bayerische Regionen fährt, erkennt gewaltige regionale Unterschiede. Zudem gibt es natüerlich auch Veraenderungen in den letzten Jahren.

Meine persönlichen Erfahrungen in unserrem Bierspezialausschank "Café Abseits" sind:
  • Durch ein Angebot von Bierspezialitäten, wechselnde Angebote, eine eigene Bierkarte usw. läßt sich den Bieranteil am Getränkeumsatz erheblich steigern.
  • Es ergeben sich sogar Chancen im Ausser-Haus-Verkauf von Flaschenbieren oder indem Kunden ihre eigenen Krüge (oder gar PET-Flaschen) mit Faßbier füllen lassen (wir verlangen dafür zur Zeit 2,40 Euro je Liter).
  • Die Sortenstruktur läßt sich verändern. Zum einen attrahiert man Bierliebhaber, zum anderen verändern Stammgäste ihren Geschmack, indem sie neue Sorten probieren und lieb gewinnen.
  • Wir haben zum Beispiel im letzten Jahr den Bockbieranteil auf 6% gesteigert. Er liegt bundesweit (im Handel) bei nur 0,7 Prozent. Es geht mir nicht darum, die Gäste schneller betrunken zu machen. Vielmehr ist meines Erachtens der Bockbieranteil ein guter Indikator für den Grad der Bierkennerschaft unter den Gästen.
Europäische Stastistiken findet man bei der CBMC.